TDie unangenehmen Weisheiten des LinkedIn-Gründers aus Zeven
LinkedIn-Mitbegründer Konstantin Guericke. Foto: Jörg Struwe
Konstantin Guericke aus Zeven ist einer der Gründer des weltweiten Netzwerks LinkedIn. Während des Neujahrsempfangs der IHK in Stade stellte er steile Thesen auf - und nicht nur er.
Stade. LinkedIn wird als globales Karrierenetzwerk genutzt, Millionen Menschen auf der ganzen Welt nutzen es. Heute gehört es zu Microsoft. Es hat LinkedIn für 26 Milliarden Euro gekauft. Konstantin Guericke sollte also für den Rest seines Lebens ausgesorgt haben.
Umso aufmerksamer folgten die gut 800 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft während des Neujahrsempfangs der IHK Elbe-Weser im Stadeum den Worten des erfolgreichen Unternehmers.
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Da stand er nun mitten auf der großen Bühne. Einer der Big Player aus der Technologieschmiede Silicon Valley - und auf den ersten Blick eher unscheinbar. Die eine Hand in der Hosentasche, mit der anderen gestikulierend, plauderte der 58-Jährige munter drauflos und schrieb den Deutschen einiges ins Stammbuch.
Lieber nachher entschuldigen als vorher fragen
Der Spruch des Tages: „Es ist besser, sich nachher zu entschuldigen, als vorher um Erlaubnis zu fragen.“ Was Guericke damit meinte, führte er aus: Einfach mal machen, nicht immer - typisch deutsch - zögern und zaudern, das Haar in der Suppe suchen, skeptisch sein. Das verhindere Innovation. Produkte, die fast ausgereift sind, auf den Markt bringen und dann weiter dran arbeiten. Nicht immer auf 100 Prozent setzen. Kurz gesagt: „Das Problem sind die Deutschen selbst.“

Mehr als 800 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft füllten den großen Hansesaal des Stadeums. Foto: Joerg Struwe
Sie seien zu ordentlich, zu präzise, ihnen fehle das Sprunghafte. Wer die Komponenten mixe, sei gut bedient. Wichtig ist Guericke auch: Die Ideen junger Menschen einfließen lassen ins Unternehmen. Mut haben. Ein guter Unternehmer, auch als Gründer, könne mit der viel gescholtenen Bürokratie umgehen. Guericke: „Es gibt keine Entschuldigungen.“
Sein Tipp an alle, um sich mit der nächsten Welle, der künstlichen Intelligenz, auseinanderzusetzen: „Chatten Sie jeden Tag mit einer KI“, der Lernprozess sei wichtig im Sinne von „entdecke die Möglichkeiten und lerne daraus“.
Geschäfte mit China garantieren graue Haare
Launige Tipps hatte auch der Leiter der IHK-Außenhandelskammer in Shanghai für Beziehungen zu China parat. Maximilian Butek war live per Video zugeschaltet. China ist und werde Thema bleiben für die deutsche Wirtschaft, sagte er. Und es gebe kein Rezept, wie Unternehmer Geschäfte machen könnten mit China, ohne graue Haare zu bekommen.
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Wer meine, Chinas Wirtschaft schwächele, täusche sich: „Der Drache ist nicht in Rente gegangen, er lernt gerade neue Kunststücke.“ Zum Beispiel, dass China bis 2060 klimaneutral wirtschaften wolle und das sehr ernsthaft umsetze. Butek: „Wachstum um jeden Preis gehört der Vergangenheit an.“
Deutschen Unternehmen empfahl er, mit chinesischen Betrieben strategische Allianzen einzugehen. Die deutsche Qualität und das Geld sowie das Tempo aus Fernost seien eine gute Symbiose. Vor Ort müsse ein Netzwerk gegründet und auch schon mal Speisen eingenommen werden, „wo man gar nicht wissen will, was es ist“.
Ministerin: „Wir leben in anstrengenden Zeiten“
Neue Erkenntnisse während des kurzweiligen, weil im Vergleich zu den Vorjahren stark gestrafften Programms gab es auch im Power-Talk mit IHK-Hauptgeschäftsführer Christoph von Speßhardt. Fabian Stackmann, Chef des gleichnamigen Modehauses in Buxtehude, gestand: „Ich bin darauf angewiesen, dass ich ein Sympathieträger bin.“ Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) stellte fest: „Wir leben in anstrengenden Zeiten.“ Das gelte für die Wirtschaft wie für die Sicherheitspolitik.

Der neue IHK-Präsident Sebastian Vossmann bei seiner Jungfernrede. Foto: Jörg Struwe
Seine Jungfernrede vor der gesammelten lokalen Prominenz hielt IHK-Präsident Sebastian Vossmann, Chef von Scheren-Paul in Harsefeld. Er begrüßte nicht nur eine Ministerin, einen EU-Abgeordneten sowie vier Bundestags- und acht Landtagsabgeordnete, sondern gab auch zwei Versprechen ab:
Die Region und ihre Unternehmen werden nicht stillstehen und die IHK werde nicht stillhalten, sondern mit klarer Haltung und deutlichen Worten die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung begleiten. Wobei eine gewisse Enttäuschung über die bisherige Performance mitschwang.

Der Aufgalopp im Stadeum-Foyer wird gern zum Netzwerken genutzt. Foto: Joerg Struwe
So sicher wie die herzerwärmenden Auftritte der Bigband der Stader Gymnasien ist auch während des Empfangs, dass das Lieblingsthema der IHK angesprochen wird: die überbordende Bürokratie. Ministerin Behrens hat dazu eine klare Meinung: „Wir gehen an unserer eigenen Perfektion zugrunde.“

Im Gespräch (von links): IHK-Hauptgeschäftsführer Christoph von Speßhardt, LinkedIn-Mitbegründer Konstantin Guericke und IHK-Präsident Sebastian Vossmann. Foto: Jörg Struwe
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