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Weltfrauentag

TDie zehn bedeutendsten Frauen aller Zeiten aus dem Landkreis Stade

Die Bronzefigur von Mutter Flint am Stader Fischmarkt.

Die Bronzefigur von Mutter Flint am Stader Fischmarkt. Foto: Stehr

Zum Weltfrauentag am 8. März hat die TAGEBLATT-Redaktion bedeutende Frauen aus dem Kreis Stade in den Blick genommen. Hier die Top-Ten-Liste - und ihre Entstehungsgeschichte.

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Von Anping Richter
Sonntag, 08.03.2026, 07:00 Uhr

Landkreis. Jedes Jahr überlegt sich die Redaktion zum Internationalen Frauentag ein Spezialthema. Der Vorschlag, der diesmal das Rennen machte: „Könnten wir nicht mal die zehn bedeutendsten Frauen aller Zeiten im Landkreis Stade vorstellen?“

50 Frauen auf der Liste mit spannenden Biografien

Die Idee kam gut an. Schließlich haben Frauen und ihre Verdienste historisch bisher wenig Sichtbarkeit bekommen und sind bis heute oft unterrepräsentiert. In die Schul- und Geschichtsbücher schafften es meist nur Frauen privilegierter Gesellschaftsschichten, und oft rückten sie vor allem wegen ihrer Beziehung zu Männern in den Fokus.

Mit all dem im Hinterkopf nominierten die Redakteurinnen und Redakteure fast 50 Frauen aus allen Epochen, die eigene, spannende Biografien haben und für die der heutige Landkreis Stade entweder Geburtsort oder wichtige Wirkungsstätte war. Die zehn vordersten Plätze wurden in einer Abstimmung ermittelt, bei der jeder fünf Stimmen vergeben durfte. Hier sind sie:

Auf Platz 1: Margarete Bicker

Hexensabbat (Hans Baldung Grien, 1510).

Hexensabbat (Hans Baldung Grien, 1510). Foto: Archiv

Die Buxtehuderin Margarete Bicker gehört zu den 21 Frauen, die im 15. und 17. Jahrhundert, in der Hochzeit der Hexenprozesse, in Buxtehude wegen Hexerei angeklagt wurden. Ein Bild von ihr gibt es nicht, aber die Original-Prozessakten stehen bis heute im Stadtarchiv.

Die Bürgermeistersfrau Margarete Bicker ist bis heute die bekannteste der 15 Frauen, die als Hexen verurteilt und nach grausamer Folter hingerichtet wurden. 1555 wurde sie bezichtigt, mit dem Teufel getanzt zu haben und ihm zu Willen gewesen zu sein.

Sie flüchtete aus Buxtehude nach Lüneburg, wo sie Asyl bei ihrem Schwager fand. Doch die Sehnsucht nach Mann und Kindern war zu groß. Bicker kehrte zurück und bekam im Alten Kloster Zuflucht.

Als sie es im August 1556 wagte, ihr Haus zu betreten, nahmen Hexenjäger sie sofort fest. Unter der Folter gestand sie, ihren Mann betrogen und Schadenzauber ausgeübt zu haben. Sie wurde verbrannt.

Auf Platz 2: Luise Cooper

Das Foto zeigt die Missionsgründerin Luise Cooper.

Das Foto zeigt die Missionsgründerin Luise Cooper. Foto: Altländer Archiv

Adolphine Luise Cooper wurde am 3. April 1849 in Oppeln nahe der Wingst geboren. Ab ihrem achten Lebensjahr wuchs Luise Cooper in Borstel im Alten Land auf, wo ihr Vater Carl Ferdinand Cooper Pastor war.

Das häufig kränkelnde Mädchen wurde zu Hause unterrichtet. Angeregt durch ihren Vater und die Erzählungen ihres englischen Großvaters Samuel Cooper, der als Arzt und Kaufmann die Welt bereist hatte, entschied sie sich für ein Leben im Missionsdienst.

1884 wurde Luise Cooper von der Berliner Mission nach Hongkong gesandt. Ihr Einsatz in China galt blinden Mädchen. Zwei Jahre später musste sie wegen einer schweren Erkrankung nach Deutschland zurückkehren. Das Schicksal der Mädchen ließ Luise Cooper aber nicht los.

Sie setzte sich fortan in zahlreichen Schriften und Aufrufen für die blinden Mädchen in China ein. 1890 gründete sie in Hildesheim den Frauenmissionsverein. Bis 1926 war sie Vorsteherin der Hildesheimer Blindenmission.

Auf Platz 3: Thekla von Düring

Thekla von Düring.

Thekla von Düring. Foto: Nds. Landesarchiv Stade

Thekla von Düring, geborene Marschalck von Bachtenbrock, wurde am 27. Oktober 1890 in Hechthausen geboren. Sie war Schriftstellerin und Gutsbesitzerin in Nottensdorf. Ihr Ehemann Marquard von Düring fiel im Ersten Weltkrieg.

In den 1920er und 1930er Jahren pflegte Thekla von Düring enge Kontakte zu prominenten Persönlichkeiten und hatte einen großen Freundeskreis mit vielen Intellektuellen und Künstlern.

Mit dem verheirateten Fritz Höger – dem Architekten des Chilehauses – lebte sie jahrelang in einer außerehelichen Beziehung. Das Gutshaus am Gutspark entstammt den Plänen Högers. Im Dorf von vielen als „sittenlose Frau“ verachtet, bewegte sie sich in Hamburger Künstlerkreisen und führte ihr Leben im Protest gegen die gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit. Thekla von Düring verfasste als Schriftstellerin mehrere Werke.

Auf Platz 4: Ingeborg Küster, geb. Andreas

Ingeborg Küster, geborene Andreas, als junge Frau.

Ingeborg Küster, geborene Andreas, als junge Frau. Foto: Archiv

Ingeborg Andreas, geboren 1909, zog mit ihrer Familie als Kind nach Altkloster. Schon mit 14 Jahren arbeitete sie in der Winter‘schen Papierfabrik und stempelte dort Inflationsgeld. Mit 19 ging sie nach Wiesbaden, um in der Redaktion einer pazifistischen Zeitschrift zu arbeiten.

1931 wechselte sie nach Berlin in die Redaktion von Fritz Küsters Wochenzeitschrift Das Andere Deutschland. Die beiden wurden ein Paar. Als Küster kurz nach der Machtübernahme 1933 ins KZ kam, setzte sie sich für seine Freilassung ein, besorgte Unterstützung durch internationale Pazifisten, schrieb persönlich an Himmler und erreichte nach fünf Jahren seine Freilassung.

Sie heirateten, bekamen zwei Kinder, arbeiteten nach dem Krieg wieder als Journalisten und gründeten einen Verlag. Ingeborg Küster gründete auch die Westdeutsche Frauenfriedensbewegung mit.

Auf Platz 5: Martha Damkowski

Marta Damkowski.

Marta Damkowski. Foto: Staatsarchiv Hamburg

Martha Damkowski wurde am 16. März 1911 als Mathilde Luise Martha Bröker in Stade geboren - ihre Geburtsurkunde liegt im Stadtarchiv. Die Familie zog nach Wedel, als sie ein Jahr alt war. In Hamburg schloss sie sich dem Internationalen Sozialistischen Kampfbund an und leistete aktiven Widerstand gegen das NS-Regime.

Sie pflegte konspirative Netzwerke, verteilte regimekritische Flugblätter und wurde 1937 von der Gestapo verhaftet und zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach dem Krieg saß sie für die SPD in der Hamburgischen Bürgerschaft und leitete von 1952 bis 1958 die Frauenstrafanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel. Seit 1986 trägt eine Straße in Hamburg ihren Namen.

Auf Platz 6: Margarete „Mutter“ Flint

Mutter Flint als Statue am Fischmarkt.

Mutter Flint als Statue am Fischmarkt. Foto: Stehr

Als „Mutter Flint vom Stint“ wurde sie in Stade zur Legende und bekam ein Denkmal am Fischmarkt: Margarethe Flint, geborene Pape, kam 1861 in Steinkirchen als Tochter eines Fischers zur Welt. 1883 ging sie nach Stade, wo sie sich und ihr uneheliches Kind als Schneiderin ernährte.

Sie brachte sechs Kinder zur Welt, die die meiste Zeit im Armenhaus lebten, und heiratete drei Mal. Zuletzt den Zimmermann Ludwig Flint, mit dem sie ein Fischgeschäft im Haus Poststraße 16 eröffnete. Ab 1949 hatte sie einen Stand auf dem Pferdemarkt.

Als Frauen 1919 zum ersten Mal wählen durften, ließ Margarethe Flint sich den Gang zur Wahlurne nicht nehmen: Im Stader Stadtarchiv ist ihr Name in der Wahlliste zu finden.

Auf Platz 7: Barbara Bartos-Höppner

Barbara Bartos-Höppner bei einer ihrer lebhaften Lesungen.

Barbara Bartos-Höppner bei einer ihrer lebhaften Lesungen. Foto: privat

Sie ist die Schöpferin von Schnüpperle – die Liste ihrer Bücher scheint unendlich. Ihre Bücher wurden in 20 Sprachen übersetzt und einige Titel in Blindenschrift gedruckt. Sie wurden mit Literaturpreisen ausgezeichnet und gaben unzähligen Kindern (und ihren Eltern) mit Schnüpperle einen Kinderbuchhelden und literarischen Freund an die Seite.

Auch „Die Bonnins – eine Familie in Preußen“ ist in Erinnerung geblieben. Die 1923 in Schlesien geborene Barbara Bartos-Höppner lebte von 1969 bis zu ihrem Tod in Nottensdorf. Ihre Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof der St.-Petri-Gemeinde in Buxtehude, ihr schriftstellerischer Nachlass in der Universitätsbibliothek Braunschweig.

Auf Platz 8: Klara Lange

Die Schauspielerin Klara Lange aus Harsefeld.

Die Schauspielerin Klara Lange aus Harsefeld. Foto: Sasha Ilushina

Die Schauspielerin Klara Lange, Jahrgang 1998, wuchs in Harsefeld auf und legte dort am Aue-Geest-Gymnasium ihr Abitur ab. Nach vielen Engagements in kleineren Rollen im Fernsehen und Theater hatte sie 2021 ihre erste Hauptrolle als stellvertretende Filialleiterin Pina in der Serie „Die Discounter“, die 2024 mit dem Deutschen Fernsehpreis für die beste Comedyserie ausgezeichnet wurde.

Seither war Lange im „Tatort“ oder Serien wie „Jerks“ und „Kroymann“ zu sehen. Als Model lief sie schon bei der Berliner Fashion Week über den Laufsteg.

Auf Platz 9: Aurora von Königsmarck

Sie war zu Lebzeiten eine gefeierte Dichterin: Maria Aurora von Königsmarck.

Sie war zu Lebzeiten eine gefeierte Dichterin: Maria Aurora von Königsmarck. Foto: Ann-Sophie Beers

Voltaire nannte Maria Aurora von Königsmarck „eine der liebenswürdigsten Personen von Europa“. Als Maria Aurora, Tochter des Grafen Conrad Christopher von Königsmarck und seiner Frau Maria Christina von Wrangel, wurde sie 1662 in Stade geboren und wuchs auf Schloss Agathenburg auf.

Sie verfasste literarische Werke, trat in Theaterstücken auf und galt als virtuos auf Laute und Gambe. Voltaire lobte ihre Klugheit, Schönheit und Fähigkeit, viele Sprachen nahezu muttersprachlich zu beherrschen sowie ihre französische Dichtkunst.

Mit 30 Jahren wurde Aurora von Königsmarck Mätresse des sächsischen Kurfürsten August der Starke, mit dem sie einen Sohn hatte: Moritz von Sachsen, der später unter Ludwig XV. die Position des Marschalls von Frankreich erreichte. Aurora selbst wurde später Pröpstin des reichsfreien Damenstifts in Quedlinburg.

Auf Platz 10: Heike Axmann

Heike Axmann in Aktion.

Heike Axmann in Aktion. Foto: Archiv

Heike Axmann, geborene Dombrowski, wurde 1968 in Wismar geboren. Im Dezember 1993 wurde die damalige BSV-Spielerin mit dem ersten gesamtdeutschen Handball-Team in Oslo Weltmeisterin. Fast drei Jahre lang trainierte sie später den Buxtehuder SV und ist derzeit DHB-Jugendtrainerin.

Diese Frauen waren auch nominiert

Hier die weiteren Nominierten in alphabetischer Reihenfolge: Ruth Albrecht (1931-2022, Kleinkunstigel-Gründerin, Buxtehude), Sophie Armster (1760-1832, Kochbuchautorin, Stade), Andrea Bölk, geborene Stein (Handballerin, Buxtehude), Sybille Bruns-Decker (1950-2012, Kulturbüroleiterin, Buxtehude), Angela Denoke (*1961, Opernsängerin), Birgit Butter (*1972, Landtagsabgeordnete, Buxtehude), Christa Donatius (*1951, Künstlerin, Horneburg), Nicole Dreyer-Langlet (aktuell Vize-Entwicklungschefin bei Airbus, Buxtehude), Heidi Ecks (+1965, Schauspielerin, Stade), Bettina Hauenschildt (Schauspielerin, Stade), Tabea Kemme (Fußballerin, Stade), Christiane Lemke (+1951, Politikwissenschaftlerin und Professorin, Grünendeich), Else Klindtworth (1904 -2004, Saftfabrikantin und Kultur-Mäzenin, Buxtehude), Stefanie Melbeck (*1977, Handballerin, Buxtehude) Lina Meyer (1895-1980, SPD-Ikone, Buxtehude), Silke Schmitt, geb. Meyer (*1968, Volley- und Beachvolleyballspielerin, Bliedersdorf), Ruth Meyer (*1970, Schauspielerin, Leiterin der Kulturstiftung Schloss Agathenburg, Horneburg), Fanny Müller (1941-2016, Schriftstellerin, Satirikerin, Helmste), Silvia Nieber (*1960, Bürgermeisterin, Stade), Franziska von Oldershausen (1878-1934, Schulleiterin, Bürgervorsteherin, Jugendbuchschriftstellerin, Buxtehude), Katja Oldenburg-Schmidt (*1959, Bürgermeisterin, parteilos, Buxtehude), Lisa Peters (1933-2010, FDP-Bundestagsabgeordnete, Buxtehude), Mathilde Pelz (SPD, ab 1919 Bürgervorsteherin in Stade), Anna Marlene Princk alias „Die rote Lena“ ( 1800-1842, Giftmörderin, Buxtehude), Melanie Reinecke (*1979, CDU-Landtagsabgeordnete, Stade), Margarete Schindler (1926-2019, Stadtarchivarin, Buxtehude), Antonia Wesseloh (*1995, Model, Buxtehude), Margrit Wetzel (*1959, SPD-Bundestagsabgeordnete, Horneburg), Helga Wex (1934-1986, CDU-Bundestagsabgeordnete, Buxtehude). Monika Wörmer-Zimmermann, SPD-Landtagsabgeordnete, Buxtehude), Nina Zober (1973 -2010, Theatergründerin, Opernsängerin, Buxtehude).

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