TDiskussion um Einheitsgemeinde Horneburg: Räte treffen wichtige Entscheidung
Bleiben die Horneburger Gemeinden zukünftig eine Samtgemeinde? Das soll jetzt geprüft werden. Foto: Buchmann
Was hätten die Gemeinden davon, zur Einheitsgemeinde zu fusionieren? Seit Jahrzehnten diskutieren die Horneburger Räte darüber - oft aus dem Bauch heraus. Jetzt sollen Fakten her.
Horneburg. Im Oktober 1972 schlossen sich Agathenburg, Bliedersdorf, Dollern, Horneburg und Nottensdorf zur Samtgemeinde Horneburg zusammen. Ein Novum für die selbstständigen Kommunen, doch sie mussten sich der landesweiten Gebietsreform beugen.
In diesen 53 Jahren kam ein zentrales Thema immer wieder in den Räten auf den Tisch: die Fusion zu einer Einheitsgemeinde. Vollzogen wurde sie bisher nicht, die Samtgemeinde blieb bestehen - obwohl der Gesetzgeber das Modell einst nur als Zwischenstufe gedacht hatte.
Verwaltung soll Faktenlage ermitteln
Aber was hätten die Gemeinden davon, langfristig Samtgemeinde zu bleiben oder zu fusionieren? Seit September haben sich alle fünf Mitgliedsgemeinden mit dieser Frage auseinandergesetzt - und eine Entscheidung gefällt.
Die Horneburger Verwaltung soll ermitteln, welche Rahmenbedingungen zur Bildung einer Einheitsgemeinde gelten. Hierzu sollen auch Vor- und Nachteile im Vergleich zur Samtgemeinde abgewogen werden, heißt es in der Beschlussvorlage. Das Ziel: Eine „fundierte Grundlage“ schaffen, auf der Räte und Bürger gemeinsam eine Entscheidung treffen können.
Noch keine Entscheidung für oder gegen Einheitsgemeinde
„Alle Räte sollen sich mit der Thematik intensiv auseinandersetzen“, sagt Samtgemeindebürgermeister Knut Willenbockel. Bei der Fusionsfrage sei es wichtig, „alle mitzunehmen“. Willenbockel stellt jedoch klar: Der Prüfauftrag ist noch keine Entscheidung für oder gegen eine Einheitsgemeinde. Es gäbe jedoch keine aktuelle Faktenlage, anhand der man sachlich diskutieren könne.
Kommunalwahlen
T Kandidatur: Knut Willenbockel will Horneburger Rathaus-Chef bleiben
Erst wenn der Prüfauftrag abgeschlossen sei, sollen die Gemeinderäte entscheiden, ob sie ernsthafte Sondierungsgespräche starten möchten. Das könne sich über mehrere Jahre hinziehen. „Das ist eine emotionale Angelegenheit“, betont Willenbockel. Eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus allen Räten soll das Thema ausgiebig diskutieren, um alle Knackpunkte herauszuarbeiten und auch kritische Stimmen zu hören.
Vier von fünf Räten stimmen für Prüfauftrag
Die Ratsmitglieder in Horneburg, Nottensdorf und Dollern haben in ihren Sitzungen dem Antrag zum Prüfauftrag einstimmig zugestimmt. „Es ist nur ein Prüfauftrag, mehr nicht“, sagt der Dollerner Bürgermeister Jan-Hinnerk Burfeind (CDU). Es sei wichtig, die Fakten vernünftig zu prüfen. Wie es zukünftig für die fünf Gemeinden weitergehe, sei eine Aufgabe für die nächste Ratsperiode.
Auch Bliedersdorf hat dem Prüfauftrag mit großer Mehrheit zugestimmt. Bürgermeister Tobias Terne (CDU) befürwortet ihn, da viele Argumente in der Diskussion „auf Bauchgefühlen“ basierten. „Der Prüfauftrag soll Fakten schaffen“, sagt Terne.
Knackpunkt: Ehrenamtliche Ratsmitglieder
Einzig der Agathenburger Rat, der sich als erster im September mit dem Antrag befasste, stimmte mit 9 zu 1-Stimmen dagegen. Das Thema so kurz vor der Wahl zu platzieren, hält Ratsmitglied Harald Gooßen (WGA) für falsch. Thilo Jungnickel (WGA) sieht die Bildung einer Einheitsgemeinde nicht im Interesse der Gemeinde Agathenburg und befürchtet etwa Nachteile bei der Mittelverteilung.
Kommunalpolitik
T Von Motivation bis Stress: So ist das Leben als Bürgermeister
Für Nottensdorfs Bürgermeister Hartmut Huber (CDU) ist die Entscheidung über eine Fusion von mehreren Faktoren abhängig. So sei es wichtig für die Gemeinden, geschäftsfähig zu bleiben. Dies gelinge aber nur, wenn sich auch genügend politisch Engagierte für die Räte finden. In einer Einheitsgemeinde gäbe es nämlich keine separaten Gemeinderäte mehr.
Seine Amtskollegen sehen das ähnlich. „Es wird immer schwieriger, Menschen zu finden, die sich engagieren“, sagt Tobias Terne. Früher sei er ein extremer Gegner der Einheitsgemeinde gewesen, inzwischen habe sich das gewandelt. Die Entscheidung müssten jedoch die Bürger der Gemeinden treffen. Denn: „Es ist wichtig, dass so etwas nicht über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden wird.“
Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.