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Krisenbonus

TDow, Airbus, Elbe Kliniken: So stehen Arbeitgeber zur 1000-Euro-Prämie

Die Geschäftsführer von Implantcast, Jens Saß (links) und Florian Hoffmann, haben gute Nachrichten für ihre Mitarbeiter - auch wenn sie die Prämie nicht in vollem Umfang zahlen.

Die Geschäftsführer von Implantcast, Jens Saß (links) und Florian Hoffmann, haben gute Nachrichten für ihre Mitarbeiter - auch wenn sie die Prämie nicht in vollem Umfang zahlen. Foto: Implantcast

Zur Entlastung will die Regierung Arbeitnehmern 1000 Euro zukommen lassen. Zahlen sollen das allerdings die Arbeitgeber. Was Unternehmen im Kreis Stade dazu sagen.

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Von Anping Richter
Donnerstag, 07.05.2026, 07:00 Uhr

Landkreis. Die abgaben- und steuerfreie Entlastungsprämie von bis zu 1000 Euro soll die gestiegenen Energie- und Mobilitätskosten abfedern. Arbeitnehmer sollten sich jetzt aber nicht zu früh freuen: Die Zahlung ist freiwillig. Arbeitgeber können den Krisenbonus bis zum 30. Juni 2027 auszahlen. Ob und in welcher Höhe sie das tun, entscheiden sie selbst.

Zimmerer Hagenah: „Das darf doch nicht wahr sein“

„Als ich das im Radio gehört habe, dachte ich: Das darf doch nicht wahr sein“, sagt Kim Hagenah, der in Drochtersen eine Zimmerei mit sieben Mitarbeitern hat. „Wenn wir wirtschaftlich ein Bombenjahr hätten, wäre die Prämie okay. Aber in einer solchen Situation möchte ich nicht auch noch eins aufs Dach kriegen“, sagt er. Durch die gestiegenen Energiekosten erhöhten sich für seinen Betrieb schließlich nicht nur die Kosten für jede Fahrt, sondern mittelbar auch die für Lieferungen und Material.

Frank Twele, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, verweist auf den Tankrabatt, der am 1. Mai in Kraft getreten ist. Für Handwerksbetriebe, die zwingend auf ihre Fahrzeuge angewiesen sind, sei die Energiesteuersenkung von circa 17 Cent pro Liter eine erste sinnvolle Entlastung.

Weitere seien aber erforderlich, sagt Twele - darunter die Reduzierung der Stromsteuer für alle auf das europäische Mindestmaß und eine Einkommensteuerreform, die insbesondere auch Personenunternehmen entlaste, zu denen mehr als 80 Prozent der Handwerksbetriebe zählen.

Dow: Chemische Industrie steht unter Druck

Bei Dow in Stade will man sich zur Entlastungsprämie noch nicht äußern. „Wenn der Bundesrat endgültig entschieden hat, werden wir prüfen, wie wir damit umgehen“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Roth. Grundsätzlich komme die Maßnahme aber zu einer Zeit, in der die energieintensive chemische Industrie ohnehin unter großem wirtschaftlichen Druck stehe. In Stade hat der US-amerikanische Chemiekonzern Dow 1200 Mitarbeiter, bundesweit 3500.

Airbus hält sich bedeckt

Auch bei Airbus äußert man sich sehr zurückhaltend: „Wir beobachten die Entwicklungen dazu, auch im Hinblick auf unseren internationalen Kontext.“ Angesichts der etwa 20.000 Mitarbeiter in Finkenwerder, Stade und Buxtehude würde es bei einer Krisenbonus-Zahlung um eine beträchtliche Summe gehen.

Gute Nachrichten für Implantcast-Mitarbeiter

„In der aktuellen Situation ist jede kurzfristige Entlastung nachvollziehbar“, sagt Florian Hoffmann, Co-Geschäftsführer von Jens Saß bei Implantcast in Buxtehude. Daher werde Implantcast in 2026 eine Entlastungsprämie zahlen - allerdings nicht in voller Höhe der 1000 Euro.

Es dürfe dabei nicht ausgeblendet werden, dass der Staat zwar auf Steuern und Sozialabgaben verzichte, die Auszahlung selbst jedoch die Unternehmen tragen, sagt Hoffmann: „Damit werden politische Versäumnisse – insbesondere in der Energiepolitik – indirekt auf die Wirtschaft verlagert, und das trifft vor allem den Mittelstand.“

Gerade mittelständische Industrieunternehmen wie Implantcast produzieren in Deutschland, sichern Arbeitsplätze vor Ort und leisten einen substanziellen Beitrag zum Steueraufkommen, sagt Hoffmann. Gleichzeitig müssten sie im internationalen Wettbewerb bestehen, ohne über den Spielraum großer Konzerne zu verfügen, die global optimieren können.

Mittelstand als Rückgrat der Wirtschaft

„Was wir brauchen, sind keine kurzfristigen Umverteilungsinstrumente, sondern strukturelle Verbesserungen: verlässliche Energiepolitik, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und eine insgesamt unternehmerfreundlichere Ausrichtung. Wenn der Mittelstand dauerhaft stark bleiben soll, muss die Politik ihn als Rückgrat der Wirtschaft behandeln – nicht als Puffer für politische Kompromisse“, sagt Hoffmann.

Christoph von Speßhardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Elbe-Weser.

Christoph von Speßhardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Elbe-Weser. Foto: Dennis Williamson/IHK Stade

„Die Abwälzung der Entlastungsprämie auf die Betriebe sorgt bei vielen für Unmut“, sagt Christoph von Speßhardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Elbe-Weser. Unternehmen könnten so etwas nur dann leisten, wenn sie selbst spürbar entlastet werden. Ihm fehlen dazu konkrete und verlässliche Vorschläge der Bundesregierung. „Das Vorziehen der bereits beschlossenen Unternehmenssteuerreform oder die Senkung der Stromsteuer für alle Betriebe wären ein konkretes Signal“, sagt von Speßhardt.

Entlastungsprämie ist für Elbe Kliniken große Herausforderung

Auch für Unternehmen mit öffentlichem Träger ist die Entlastungsprämie eine Herausforderung. Für die Elbe Kliniken Stade, mit 3000 Mitarbeitern größter Arbeitgeber im Landkreis Stade, sei es zum aktuellen Zeitpunkt unmöglich, eine Aussage dazu zu treffen, sagt Geschäftsführer Siegfried Ristau.

Siegfried Ristau, Geschäftsführer der Elbe Kliniken.

Siegfried Ristau, Geschäftsführer der Elbe Kliniken. Foto: Elbe Kliniken

„Ich würde mir angesichts der steigenden Preise wünschen, dass wir den Mitarbeitenden eine Entlastungsprämie auszahlen könnten. Derzeit können wir hierzu jedoch keine Aussage treffen, denn die Zukunft der Krankenhausfinanzierung ist mit den Vorschlägen der Finanzkommission Gesundheit unsicherer geworden als sie es ohnehin schon war.“

Wie alle Krankenhäuser bundesweit sähen sich die Elbe Kliniken nun mit weiteren Einsparungen konfrontiert. Unter anderem soll die Refinanzierung der Tariferhöhungen aufgekündigt werden. „Dies bedeutet für uns eine zusätzliche finanzielle Belastung“, sagt Ristau.

Schuhhaus Ney: Gutscheine angedacht

„Jetzt versucht die Regierung, auf Kosten der Unternehmer die Kuh vom Eis zu kriegen. Das ist nicht in Ordnung“, sagt Klaus Ney, der in Stade das Schuhhaus Ney mit acht Mitarbeitern betreibt. Es sei noch nicht lange her, dass bei ihnen die Gehälter angepasst wurden. Derweil habe sein Geschäft auch selbst mit den Folgen der steigenden Energiepreise zu kämpfen. Dazu kommen die anderen Probleme seiner Branche wie die allgemeine Wirtschaftslage und die nachlassende Frequenz in den Innenstädten. „Leider ist es auch Trend, dass sich Leute vor Ort beraten lassen und dann online kaufen“, berichtet er.

„Die 1000-Euro-Prämie werden wir so nicht umsetzen können. Aber wir werden uns etwas überlegen“, sagt auch Klaus Ney vom Schuhgeschäft Ney in Stade.

„Die 1000-Euro-Prämie werden wir so nicht umsetzen können. Aber wir werden uns etwas überlegen“, sagt auch Klaus Ney vom Schuhgeschäft Ney in Stade. Foto: Richter

„Die 1000-Euro-Prämie werden wir so nicht umsetzen können. Aber wir werden uns für unsere Mitarbeiter etwas überlegen“, sagt Klaus Ney. Er denke an Gutscheine. Für ihn ist aber klar: „Diese Maßnahme kommt zur Unzeit. Boni und Prämien können wir bei prosperierender Wirtschaft weitergeben, wenn wir entsprechende Umsätze machen.“

Der Krisenbonus und die Lage beim TAGEBLATT

Und wie sieht es beim TAGEBLATT selbst aus? Ein Effekt des Regierungsvorstoßes sei schon jetzt zu bemerken, sagt Geschäftsführer Claas Schmedtje: „Unzufriedenheit. Die Leute fragen sich jetzt: Warum bekommen das andere und ich nicht? “ Noch stehe das Gesetz allerdings nicht, und auch im Zeitungsverlag Krause sei der Entscheidungsprozess zum Krisenbonus noch nicht beendet.

„Grundsätzlich sehen wir ja auch, dass den Leuten das Geld fehlt. Aber wir merken es eben auch in der Geschäftsentwicklung“, sagt Schmedtje. Kein Verständnis hat er dafür, dass der Staat das Problem über die Unternehmen regeln will: „Wir sind gerne unternehmerisch tätig und übernehmen die Verantwortung für unsere Entscheidungen. Das sollte die Regierung auch tun: Wenn sie will, dass wir das zahlen, kann sie ja das Geld schicken.“

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