TDrei Frauen entdecken Schatz der Buxtehuder Schützengilde von 1539
Auszug der kleinen Schützengilde von Buxtehude: Tanja Gissel, Jutta Kurbjuhn und Elke Brand (von links) lüften im Museum das Geheimnis des bedeutendsten Gemäldes von Johann Jacob Gensler (1808-1845). Foto: Vasel
Tanja Gissel, Jutta Kurbjuhn und Elke Brand haben einen Schatz gefunden. Es handele sich um „einzigartige Zeugnisse“ der Geschichte der Buxtehuder Schützengilde von 1539.
Buxtehude. Als sie am 3. Dezember 2025 in ihren weißen Schutzanzügen unter Atemmaske die unscheinbare Lade aus dem Außendepot öffneten, fürchteten Tanja Gissel, Jutta Kurbjuhn und Elke Brand vom Buxtehude Museum für Regionalgeschichte und Kunst den „Fluch des Pharao“. Doch die Papiere in der Holzkiste waren nicht von todbringenden Schimmelpilzen befallen - wie bei altägyptischen Gräbern von Tutanchamun & Co..
Jägerinnen des verlorenen Schatzes
Quicklebendig sitzen die Kuratorinnen wenige Tage vor dem Buxtehuder Schützenfest (4. Juli bis 7. Juli) im Museum und begutachten ihren Sensationsfund. Dieser ist nicht so prächtig wie die Funde im Grab von Tutanchamun. Doch die Schriftstücke seien für die Buxtehuder Geschichte von einem „unschätzbaren Wert“, betont die Wissenschaftliche Mitarbeiterin Jutta Kurbjuhn. Diese lagen über Jahrzehnte in einer unauffälligen, schlecht erhaltenen und wackligen Holzkiste. Kurzum: Scheinbar hatte sie keinen besonderen Wert.

Tanja Gissel, Jutta Kurbjuhn und Elke Brand untersuchen die Schriftstücke aus der Schatzkiste (von links). Foto: Vasel
Vorsichtig hätten sie die Holzlade seinerzeit in die Hand genommen und „leicht geschüttelt“. Doch nicht einmal ein Rascheln war zu hören. War die Kiste also leer? Es sei letztlich sogar die Frage aufgekommen, ob sich ein weiteres Verwahren angesichts des schlechten Zustands lohne. In den alten Verzeichnissen des Museums gab es keinerlei Hinweise auf die Herkunft. Außerdem fehlte der Schlüssel zum verriegelten Schloss.
Kuratorinnen öffnen unscheinbare Schatzkiste
Mit mehr oder weniger sanfter Gewalt öffneten sie wie Jäger des verlorenen Schatzes die Kiste und staunten über eine doppelte Überraschung: Auf der Innenseite des Deckels war „erstaunlich gut erhalten“ mit goldener Schrift auf schwarzem Grund vermerkt, dass es sich um eine Lade der Buxtehuder Schuhmacher-Gesellenbrüderschaft von 1823 handelt. Die ersten Amtsstatuten der Schuhmacher stammten aus dem Jahr 1385 und sind die ältesten der Stadt. Dokumente und Gegenstände, die bei Amtshandlungen und Zeremonien der Zünfte eine Rolle spielten, verwahrten die Handwerker in Amts- oder Zunftladen.

Blick auf die unscheinbare Schatztruhe. Foto: Buxtehude Museum
Doch der Inhalt der randvoll mit Papieren gefüllten Lade hatte so gar nichts mit Schuhmachern zu tun. In der Holztruhe lagen „Quittungen und Belege der Buxtehuder Schützengilde“ - aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Ihre Vermutung: Irgendeiner ihrer Vorgänger muss diese Dokumente aus einer Schützenlade der Schützengilde der Stadt Buxtehude von 1539 umgepackt haben.

Der Inhalt aus der Schützenlade landete in der Schuhmacherlade. Foto: Buxtehude Museum
Erst seit 1966 werden Archivalien hauptamtlich verwaltet. „Davor wurden sie teilweise unsachgemäß verwahrt und einfach im Museum abgegeben“, sagt Kurbjuhn.

So sieht die Buxtehuder Schützenlade aus. Foto: Buxtehude Museum
Die Jägerinnen des verlorenen Schatzes gehen davon aus, dass der Inhalt einst in einer Schützenlade aus dem 17. Jahrhundert lag. Diese hat keinen Deckel. „Vielleicht wurden die Papiere deshalb in die verschließbare Schuhmacherlade umgelagert“, so ihre Kollegin Elke Brand.
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Dann war irgendwann der Schlüssel weg. „Die einzigartigen Zeugnisse der Geschichte der Buxtehuder Schützengilde“ lagen kreuz und quer und dicht zusammengepresst in der Schatzkiste. Eine Restauratorin warf einen Blick auf den Fund. Der komme ins Stadtarchiv Buxtehude.
Artefakte mit magischen Kräften
Doch die Artefakte in der Lade hatten beim Öffnen offenbar übernatürliche Kräfte entfesselt. „Unsere Neugier wuchs und wuchs“, sagt Tanja Gissel. Sie durchstöberten die Papiere. Dazu zählte eine Kostenaufstellung an die Schützengesellschaft von 1821 über Mahlzeiten für 190 Personen sowie 26 Portionen Kaffee und 26 Flaschen Wein. In Rechnung gestellt wurden die Beleuchtung durch Wachslichte (Kerzen), zerbrochene Gläser und Pfeifen. Kurbjuhn: „Der vermutlich älteste Beleg stammt aus dem Jahr 1670 und ist eine Rechnung über zu entrichtende Gebühren für namentlich genannte Schützen, die nicht zum Schießen erschienen waren.“

Königsschießen: Schützenfest-Quittung vom 22. August 1811 - unterschrieben von „Stadt-Musicus“ Thomas Lauterbach. Foto: Vasel
Doch dann fiel ihnen eine ganz besondere Quittung in die Hand - vom 22. August 1811. Auf der steht: „Am Geburtstage unsers Allergnädigsten Kaysers. Am Königsschießtage, habe ich von dem Herrn Schützen-Schaffer Beerman 10 Rth. empfangen, welches ich hiermit quitirent bescheinige.“ Unterschrieben ist der Beleg von „Th. Lauterbach / Stadt-Musicus“. Damit schließe sich ein Kreis.

Der „Auszug der kleinen Schützengilde von Buxtehude“ ist ein berühmtes Gemälde des Hamburger Künstlers Johann Jacob Gensler aus dem Jahr 1840; vorne: Schriftstücke aus der Schützenlade. Foto: Vasel
Denn Thomas Lauterbach ist kein Unbekannter. Auf dem für die Stadtgeschichte bedeutendsten Gemälde Jacob Genslers von 1838 ist ein Mann mit einem Gesicht zu sehen, das Betrachter an den Zaubertrankmeister Severus Snape aus Harry Potter erinnert. Der trommelschlagende Stadt-Musicus sticht als Erwachsener beim Gemälde „Auszug der kleinen Schützengilde“ am Marschtor in der Bildmitte aus der Menge der Kinder heraus.
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