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TEin Floß voll mit Kot: Warum treiben sich in Buxtehude so viele Kormorane rum?

Auffällig viele Kormorane halten sich zurzeit im alten Hafen in Buxtehude auf: Auf einem Floß im Fleth am Ewer Margareta haben sich die Vögel niedergelassen.

Auffällig viele Kormorane halten sich zurzeit im alten Hafen in Buxtehude auf: Auf einem Floß im Fleth am Ewer Margareta haben sich die Vögel niedergelassen. Foto: Weselmann

Auffällig viele Kormorane besiedeln zurzeit den alten Buxtehuder Hafen. Das Tierphänomen hat einen todernsten Grund.

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Von Thomas Sulzyc
Freitag, 13.02.2026, 14:45 Uhr

Buxtehude. Frost in den vergangenen Wochen hat Auswirkungen auf die Tierwelt in der Stadt Buxtehude. Die Eisschicht auf gefrorenen Gewässern bringt Vögel, die auf offenes Wasser zur Nahrungssuche angewiesen sind, in Not. Eine Folge: Auffällig viele Kormorane halten sich seit einigen Tagen im alten Hafen in Buxtehude auf. Etwa zwölf Exemplare der geschützten Vogelart besiedeln ein Floß im Fleth.

Kormorane suchen eisfreie Gewässer auf und trauen sich näher an den Menschen heran. Diese Vögel sitzen auf einem Floß in der Nähe von Restaurants und Bars am Fleth in Buxtehude.

Kormorane suchen eisfreie Gewässer auf und trauen sich näher an den Menschen heran. Diese Vögel sitzen auf einem Floß in der Nähe von Restaurants und Bars am Fleth in Buxtehude. Foto: Sulzyc

Einzelne Kormorane kommen am Fleth immer wieder mal vor und sind nicht besonders. Dass eine Kolonie von mindestens zwölf Tieren sich in unmittelbarer Nähe zu Restaurants, Bars und Einzelhandelsgeschäften ansiedelt aber schon. Das hat es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Mit ihren tief gurrenden, krächzenden Lauten fallen sie auf. Das sind in der Buxtehuder Altstadt eher unbekannte Töne.

Kormoran ernährt sich überwiegend von Fischen

Der überwiegend dunkel gefärbte Vogel ernährt sich hauptsächlich von Fischen. Neunaugen leben zum Beispiel im Fleth, auch Hechte. Der Kormoran ist 80 bis 100 Zentimeter groß. Er frisst vor allem Fische mit 10 bis 20 Zentimetern Körperlänge.

Kormorane leben in der Nähe großer Gewässer. Im Binnenland wie in Buxtehude brütet der Vogel auf Bäumen. Dass sich das Dutzend Kormorane im alten Hafen in Buxtehude in die Nähe der Menschen begeben hat, ist ein Phänomen dieses strengen Winters.

Im Hafen findet der Kormoran eisfreie Flächen und kann auf Fischjagd gehen. Denn in dem künstlich angelegten Wasserlauf mit Flethschleuse ist das Wasser in Bewegung und nicht gefroren. Minutenlang kann der Fischjäger unter Wasser tauchen.

Futtermangel sei der Grund, warum Kormorane den eisfreien alten Hafen in Buxtehude aufsuchen, erklärt Manuel Martens, Leiter der Tierpflege am Wildpark Schwarze Berge (Landkreis Harburg). „Der Hunger treibt sie in die Nähe der Menschen. Die Vögel würden sonst verhungern.“

Kormorane machen gerade Schlagzeilen

Das Phänomen tritt an vielen Orten an der Ostsee auf. Vorher nicht gekannte Ansammlungen von Kormoranen machen in den Medien Schlagzeilen: Einige Hundert Kormorane hätten derzeit im Hafen und auf der Hafeninsel von Stralsund angesiedelt. Das berichtete der NDR. Die Vögel fänden dort letzte freie Wasserflächen, weil die Boddengewässer gefroren sind.

Mehrere tote Kormorane seien in dem Fluss Trave entdeckt worden, berichteten die Lübecker Nachrichten. Offenbar seien sie verendet, weil die Eisdecke den Fischjägern die Jagd erschwert habe.

In Konflikt gerieten Mensch und Kormoran im März 2024 im alten Buxtehuder Hafen. Ein Vogel nutzte die Mastspitze des denkmalgeschützten Ewers Margareta als Schlaf- und Rastplatz. Bei seinem Aufenthalt verdreckte der Fischfresser das Deck, Segelkleider und Schoten über und über mit Kot.

Kormoran-Kot ist eine ätzende Angelegenheit: An Bäumen, auf denen die Tiere brüten, verätzt der Kot häufig die Blätter. Mit der Folge, dass die Bäume oftmals kahl sind.

Ein Kormoran hat sich auf der Mastspitze des Ewers Margareta Platz verschafft. Von dem Wimpel zeigt sich das Tier unbeeindruckt.

Ein Kormoran hat sich auf der Mastspitze des Ewers Margareta Platz verschafft. Von dem Wimpel zeigt sich das Tier unbeeindruckt. Foto: Weselmann

Der Ärger um den Dreck an Deck droht sich auf dem Museumsschiff zu wiederholen: Ein Kormoran der neuen Hafen-Kolonie hat sich auf der Mastspitze niedergelassen. Kotspuren hat er bereits hinterlassen.

Seit dem Vorfall vor zwei Jahren hatte ein Wimpel am Flaggentopp Kormorane erfolgreich davon abgehalten, sich auf der Mastspitze aufzuhalten. Der Vogel jetzt gibt sich aber unbeeindruckt. Mit dem Schnabel wischte er den Wimpel beiseite und verschaffte sich Platz.

Darf der Kormoran vergrämt werden?

„Das bedeutet Arbeit“, ahnt Ulrike Kaden, 2. Vorsitzende des Fördervereins Buxtehuder Hafen und Este. Gemeint ist, das Deck zu schrubben. Die ehrenamtlichen Mitglieder pflegen das historische Frachtschiff.

Der Kormoran steht unter Naturschutz. Das Gesetz kenne zwar Ausnahmen zur Vergrämung von Kormoranen. In dem Buxtehuder Fall dürften diese aber nicht angewendet werden, sagte Klaus-Dieter Wiegel vom Nabu Kreisverband Stade dem TAGEBLATT. „Es gibt deshalb nur eine Lösung: putzen.“

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