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Innenstadt

TEine neue Bar und viele Gründe für die Leerstände: Ein Blick in Stades City

Was mit dem ehemaligen Weinhaus am Fischmarkt passiert, steht noch nicht fest. Es gibt aber Ideen.

Was mit dem ehemaligen Weinhaus am Fischmarkt passiert, steht noch nicht fest. Es gibt aber Ideen. Foto: Stehr

In der Stader Innenstadt tut sich was: Die Nachfolge von Sander Moden steht fest und ein KioskBrother eröffnet eine Bar an berüchtigter Stelle. Es gibt aber auch Grund zur Sorge.

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Von Lena Stehr
Dienstag, 03.02.2026, 19:10 Uhr

Stade. Gut 20 Leerstände gibt es derzeit in der Stader Innenstadt. In einige verwaiste Läden zieht neues Leben ein. Die Räume in der Sattelmacherstraße, wo Jochen Köhler bis Ende 2025 hochwertige Männermode verkauft hat, übernimmt Britta Haberkorn. Noch betreibt sie ihr Damenmodengeschäft Laden No. 5 in der Hökerstraße. „Ich freue mich, dass ich bald mehr Platz für meine Mode habe“, sagt sie.

Britta Haberkorn zieht in die Sattelmacherstraße

Spätestens am 1. März soll der Umzug abgeschlossen sein. Es ist bereits ihr dritter innerhalb der Stadt. Vor 22 Jahren eröffnete Britta Haberkorn ihr erstes Geschäft in der Kehdinger Straße, zog danach in die Kleine Schmiedestraße und schließlich in die Hökerstraße.

Um auf sich aufmerksam zu machen, sei sie anfangs noch mit ihrer Kollektion am Leib durch die Stadt gelaufen - soziale Medien wie Instagram, die viele Stader Geschäftsleute heute gezielt nutzen, gab es noch nicht.

Ins ehemalige Modehaus Sander wird zeitnah der Laden No. 5 aus der Hökerstraße einziehen.

Ins ehemalige Modehaus Sander wird zeitnah der Laden No. 5 aus der Hökerstraße einziehen. Foto: Stehr

Aktiv auf TikTok und Instagram ist Leon Melzer, um Werbung für sein neues Projekt in der Innenstadt zu machen. Bekannt ist der Stader schon länger. Bis 2024 betrieb er gemeinsam mit seinem Bruder Julian für zweieinhalb Jahre die Bar Kleine Freiheit in der Burgstraße am Fischmarkt. Vor einem Jahr eröffneten die Brüder dann als KioskBrothers den Automatenkiosk Am Sande.

Boogie Bar soll Ende März eröffnet werden

Jetzt will Leon Melzer wieder eine Bar betreiben. Nächste Woche unterschreibt er den Kaufvertrag für die Erdgeschossräume in der Steilen Straße 12. Weil hier bis 2018 die Bar El Loco zu Hause war, sei noch viel Kneipenequipment vorhanden. „Und mir fehlt das Kneipenleben in Stade. Also versuche ich es nochmal“, sagt Leon, der hauptberuflich als Selbstständiger in der Versicherungsbranche arbeitet.

Leon Melzer will in der Steilen Straße die Boogie Bar eröffnen.

Leon Melzer will in der Steilen Straße die Boogie Bar eröffnen. Foto: privat

Er wisse, dass die Steile Straße keinen guten Ruf genießt. Drogenkonsum und Drogengeschäfte riefen wiederholt die Polizei auf den Plan. Unter anderem 2019, als bei der Durchsuchung eines Hauses rund ein Kilo Marihuana sowie ein halbes Kilo Kokain und mehrere hundert Euro sichergestellt wurden.

„Wir sind aber vernünftige Leute, das wissen alle, die uns kennen“, betont Leon Melzer. In seiner Boogie Bar, die voraussichtlich Ende März öffnet, sollen alle Altersgruppen zu Musik der 1980er und 1990er Jahre zusammen feiern und tanzen - ausdrücklich seien auch Boomer gern gesehen. „Seit das Fiddler’s dicht ist, fehlt vielen eine Anlaufstelle“, sagt Leon Melzer.

Neues Billardcafé und neuer Kiosk in der City

Eine neue Anlaufstelle zum Billard spielen gibt es nur einen Katzensprung von der Steilen Straße entfernt. Im Geschäftshaus Neuer Pferdemarkt hat gegenüber des Rewe-Marktes Ende Oktober das Surush Billarcafé eröffnet. Ein neuer Kiosk zieht nach TAGEBLATT-Informationen bald in die leer stehenden Räume zwischen dem Memories und dem Barber Shop in der Hökerstraße ein.

Ins Geschäftshaus Neuer Pferdemarkt ist kürzlich ein Billardcafé eingezogen.

Ins Geschäftshaus Neuer Pferdemarkt ist kürzlich ein Billardcafé eingezogen. Foto: Stehr

Sowohl in der Hökerstraße und der Großen und Kleinen Schmiedestraße als auch in der Holzstraße und der Goos gibt es Leerstände, die noch nicht vermittelt sind. Die Gründe sind vielfältig. Manchmal streiten sich Erbengemeinschaften über eine zukünftige Nutzung, mal bieten die Läden in der kleinteiligen Altstadt zu wenig Quadratmeter, mal muss grundlegend saniert werden, und manchen erscheint die Miete zu hoch.

Diese Geschäftsräume in der Hökerstraße werden für 1500 Euro Nettomiete angeboten. Zwei Häuser weiter werden für 200 Quadratmeter 2.100 Euro Miete fällig.

Diese Geschäftsräume in der Hökerstraße werden für 1500 Euro Nettomiete angeboten. Zwei Häuser weiter werden für 200 Quadratmeter 2.100 Euro Miete fällig. Foto: Stehr

Kräftig zahlen müssen potenzielle Mieter zum Beispiel für die Räume am Neuen Pferdemarkt, die zuletzt von der Hypo Vereinsbank genutzt wurden. Die 246 Quadratmeter große Fläche wird online für gut 5400 Euro angeboten.

Auch im schönen Hökerhuus gibt es einen Leerstand. Eine sieben Quadratmeter große Fläche wird zur Vermietung angeboten.

Auch im schönen Hökerhuus gibt es einen Leerstand. Eine sieben Quadratmeter große Fläche wird zur Vermietung angeboten. Foto: Stehr

Für ein Ladenlokal in der Hökerstraße mit 200 Quadratmeter Fläche werden 2100 Euro Nettokaltmiete fällig. Ein weiterer Leerstand in der Hökerstraße wird für 1500 Euro Kaltmiete angeboten. Für 300 Euro ist eine sieben Quadratmeter große Fläche im Hökerhuus zu haben.

Kreativ gegen Leerstände: Archäologie im Fenster wird in der Kleinen Schmiedestraße ausgestellt.

Kreativ gegen Leerstände: Archäologie im Fenster wird in der Kleinen Schmiedestraße ausgestellt. Foto: Stehr

Manche Leerstände werden erst gar nicht zur Vermietung angeboten. Wie die Räume in der Kleinen Schmiedestraße 12. Als kreative Antwort auf leere Schaufenster werden sie bereits seit Ende 2023 von der Stadtarchäologie als Ausstellungsfläche genutzt.

Mehr Mut und visionäres Denken sind gefragt

Insgesamt sei der Leerstand in Stade im Vergleich zu anderen Städten bundesweit noch unterdurchschnittlich, sagt Dr. Andreas Schäfer, Geschäftsführer von Stade Marketing. Er betrachte die Situation dennoch mit Sorge, da es derzeit wenig Anfragen gebe.

Schäfer wünscht sich mehr Mut und visionäres Denken. „In anderen Städten kaufen die Stadtverwaltungen gezielt wichtige Objekte auf und entwickeln diese für ein aktives Nutzungsmanagement“, sagt er.

Ein gutes Beispiel sei das ehemalige Weinlager am Fischmarkt, das während der Weihnachtszeit von der SMTG angemietet und zum Weihnachtshaus umgestaltet wurde. Seit Ende 2025 ist das Erdgeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes wieder ungenutzt. Wie berichtet, will die Stadt das Gebäude kaufen. Allerdings nur, um es danach weiterzuverkaufen - an jemanden, der die beste Idee für eine weitere Nutzung hat.

Diesen Plan hält Schäfer für keine gute Idee. Besser wäre es, dieses Sahnestück dauerhaft zu sichern. „Natürlich ist das mit Kosten verbunden, aber wenn wir nicht proaktiver agieren, verschenken wir Chancen für die ganze Innenstadt“, sagt er.

Im Leerstand neben dem Memories in der Hökerstraße soll es bald einen Kiosk geben.

Im Leerstand neben dem Memories in der Hökerstraße soll es bald einen Kiosk geben. Foto: Stehr

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