TElsdorf: Wie 400 Roboter Bestellungen im Minutentakt bewegen
Jeder Roboter weiß genau, wo sein Ziel ist: In der Elsdorfer Lagerhalle der Quality Group fahren 400 Roboter zwischen den Regalen und sammeln die bestellten Artikel ein. Foto: Wenzel
400 Roboter, ein Takt wie im Ameisenhaufen: In einer 50.000 Quadratmeter großen Lagerhalle in Elsdorf steuert die Quality Group Europas die Bestellungen der Fitness-Marken ESN und More.
Elsdorf. Der Blick von der Stahlbühne in die große Lagerhalle im neuen Gewerbegebiet an der Elsdorfer Autobahn erinnert an das Treiben in einem Ameisenhaufen. Doch es wimmelt nicht an Menschen. Stattdessen fahren hier zahlreiche unzählige Roboter zwischen den mehrere Meter hohen Regalen hin und her.
Jeder Roboter ist mit vier Kartons bestückt. Jeder Karton ist eine Bestellung, die ein Kunde aufgegeben hat. Der Roboter weiß nicht nur genau, welche Produkte in die einzelnen Kartons müssen. Er weiß auch genau, in welchem Regal er diese Artikel findet. All dieses Wissen hat die Maschine durch ein ausgeklügeltes Logistiksystem, in dem hinterlegt ist, an welcher Stelle welches Produkt lagert. Die Inhalte der Bestellung werden dem Roboter über Barcodes mitgeteilt.
Standort in Elsdorf ist mit 400 Robotern europaweit führend
Die Quality Group besitzt in der 50.000 Quadratmeter großen Lagerhalle 400 Roboter. Mit dieser Anzahl ist die Firma führend in Europa, sagt Cihan Yasar, Director und Site Manager am Elsdorfer Standort.
Er ist seit acht Jahren in dem Unternehmen beschäftigt, das Nahrungsergänzungsmittel und Sporternährung wie Proteinpulver, -riegel oder -shakes der Marken ESN und More produziert und vertreibt. Laut Yasar ist das Unternehmen, mit Hauptsitz und Produktion in Elmshorn, in diesem Segment deutschland- und europaweiter Marktführer. In Elsdorf werden rund 2500 verschiedene Produkte des ESN- und More-Sortiments gelagert.
2007 startet die deutsche Firma mit der Gründung der Marke ESN, 2017 kam More dazu. Sieben Jahre später wurde das Unternehmen international. Als Nächstes steht der Einstieg in den amerikanischen Markt auf dem Plan, sagt Vice President Logistics Gerit Offenhauser, der seit drei Jahren in der Quality Group tätig ist. Das Unternehmen plant, langfristig in Elsdorf zu sein, so Offenhauser weiter.
Quality Group zählt 360 Mitarbeiter und will weitere Stellen besetzen
Doch obwohl die zahlreichen Maschinen einen großen Teil der Arbeit, die in dem Lagerraumkomplex anfällt, übernehmen, kann die Quality Group nicht auf menschliche Arbeitskräfte verzichten. „Zurzeit sind 360 Mitarbeiter im Elsdorfer Standort beschäftigt. Vierzig Prozent davon kommen von einer Zeitarbeitsfirma. Das wollen wir aber ändern. Wir möchten den Anteil auf 25 Prozent senken und selbst mehr Arbeitskräfte fest einstellen. 120 Stellen sollen besetzt werden“, sagt Yasar. Auch Teilzeit- und Minijobber-Stellen bietet die Quality Group an.
Zu den Aufgaben der Mitarbeiter im Elsdorfer Lager gehören zum Beispiel, den Roboter mit den Kartons zu bestücken und die Maschine über die entsprechenden Bestellungen per Scannen eines Barcodes zu informieren. Der Roboter fährt zwar selbstständig an die entsprechende Stelle, an der das Produkt gelagert wird, allerdings muss der geforderte Artikel von einem Mitarbeiter aus dem Regal in den betreffenden Karton gelegt werden. Darum haben die Angestellten in der riesigen Halle zugewiesene Bereiche, für die sie hauptsächlich zuständig sind.
Roboter können in rund 40 Sprachen kommunizieren
Ein weiterer Vorteil der Roboter ist, dass sie mehrere Sprachen beherrschen. Je nachdem, welche Sprache im scannbaren Ausweis eines Mitarbeiters hinterlegt ist, passt sich die Maschine an. In rund 40 Sprachen kann der Roboter kommunizieren. Trotzdem bietet die Firma für das eigene Personal interne Deutschkurse an.
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In der Quality Group wird im Drei-Schichten-System mit Früh-, Spät- und Nachtdienst gearbeitet. Die Schichten wechseln für die Angestellten nicht. „Wir haben unter unseren Mitarbeitern eine Umfrage gemacht, ob sie die Schichten wechseln oder lieber eine feste Arbeitszeit haben wollen. Die meisten möchten lieber in einer festen Schicht arbeiten. So kann man sich auch besser an die Arbeitszeiten gewöhnen und der Biorhythmus wird nicht immer wieder durcheinander gebracht“, erzählt Cihan Yasar.
Unternehmen will zukünftig auch an Sonntagen arbeiten
Ein Mitarbeiter im Lager erhält einen Stundenlohn von 15 Euro. In Elsdorf wird an sechs Tagen 24 Stunden lang gearbeitet. Für Samstagsdienste gibt es einen Zuschlag von 70 Prozent, für Nachtschichten 25 Prozent. Weiter plant das Unternehmen, an drei Sonntagen im Jahr zu arbeiten, vor allem dann, wenn die Nachfrage und die Zahl der Bestellungen sehr hoch sind. Das ist zum Beispiel wegen der Black-Friday-Angebote oder im Januar durch motivierte Sportler mit Neujahrsvorsätzen der Fall, wissen die Geschäftsführer Cihan Yasar und Gerit Offenhauser.
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