TEmotionale Karrierekrönung: Meyer voltigiert zu WM-Gold und Silber
Kathrin Meyer herzt Trainerin und Longenführerin Gesa Bührig nach ihrer Einzel-Kür in Aachen. „Der beste Kumpel“ der beiden, Capitain Claus OLD, genießt die Atmosphäre mit einer Seelenruhe. Foto: Julia Schwartz
Im Mekka des Pferdesports beenden Fredenbecks Kathrin Meyer und „Capi“ ihre Voltigierkarriere. Diese Gefühle bleiben nach dem letzten Kapitel einer Erfolgskarriere.
Aachen/Fredenbeck. „Das war krass“, sagt Gesa Bührig. Die Kutenholzerin, Trainerin von Kathrin Meyer und Longenführerin von Captain Claus OLD packt die letzten Sachen zusammen. Das Team fährt nach einer „abgefahrenen“ Woche mit Team-Gold und Einzel-Silber zurück nach Fredenbeck, wo Fans und Freunde vom Reitverein Fredenbeck sie empfangen und feiern werden.
Große Anspannung bei Kathrin Meyer, viele gedrückte Daumen im Publikum
VET-Check am Dienstag und dann das Training am Mittwoch: „Man hat Kathrin die Nervosität angemerkt und wie viel Herzblut und Druck dahinter steckt“, sagt Bührig.
Die 25-Jährige verkündete vor einem Jahr in Vorbereitung auf die Heim-WM, dass Aachen das letzte Championat ihrer Karriere ist. Meyers Erfolgsliste ist lang als zweimalige Team-Weltmeisterin, zweimalige Einzel-Europameisterin und dreifache Weltcupsiegerin, doch eine WM-Einzelmedaille fehlte ihr noch.
Am Donnerstag folgte Wettbewerbstag eins mit der Pflicht, am Freitag voltigierte Meyer die Technik und am Samstag im Einzelfinale eine Kür. Diese machte 50 Prozent der Gesamtnote aus und Pflicht und Technik jeweils 25 Prozent. Sonntag stand der Nationenpreis im Team an.

Pferdeakrobatik: Kathrin Meyer auf Capitain Claus OLD bei ihrer Kür, die zur Team-Goldmedaille verholfen hat. Foto: Julia Schwartz
Meyer und die Voltigierer ritten im Deutsche Bank Stadion, dem weltweit größten reinen Dressurstadion. „Es waren mehr als 5000 Zuschauer da, es war richtig laut“, sagt Bührig. Man habe gespürt, dass das Publikum es Meyer gegönnt habe, so Bührig - als Karrierekrönung.
Meyer weint Tränen der Dankbarkeit
Meyer duellierte sich im Einzel mit ihrer Landsfrau Alice Layher. Nach der Technik und Pflicht lag die Hamburgerin auf Silberkurs. Die Medaillenentscheidung brachte die Kür, das Finale am Samstag.
Der große Traum von Gold erfüllte sich nicht für die „Favoritin“ (Bührig). Layher wurde mit der Gesamtnote 9,041 vor Meyer (8,862) Weltmeisterin. Annemie Szemes komplettierte mit Bronze das deutsche Treppchen.
T Nach WM-Gold: Fredenbecker Frischmuth holt EM-Silber
Nach der letzten Landung auf dem Sandboden kullerten die Tränen, weil sie „so viel Dankbarkeit“ empfunden habe, sagt die zufriedene Zweitplatzierte. Für ihr Team, für Capitain Claus, für den Sport. Meyer träumte von WM-Gold, doch für ihre Longenführerin steht fest: „Wir haben Silber gewonnen.“ Nicht Gold verloren.
Karrierekrönung: „Capi“ holt seine 7. Medaille bei WM und EM
Ihre zweite Goldchance nutzte Meyer. Beim Nationenpreis gehörten neben ihr die Weltmeisterin Layher als zweite Einzelvoltigiererin sowie ein weiteres Voltigier-Duo zum Team Deutschland. Die 25-Jährige vergoldete ihren Abschied von der internationalen Bühne und erhielt die auf das Tausendstel gleiche Note wie Layher: 9,038.
Für Capitain Claus, vom Team nur „Capi“ genannt, war es die siebte Championatsmedaille - und das mit 17 Jahren. „Capi“ werde jetzt „runtertrainiert“ und genieße dann den Ruhestand, sagt die Trainerin. „Er ist der beste Kumpel, den man bei so einem Wettbewerb haben kann“, sagt Bührig.
„Vier Runden ohne Fehler, da kann man sich nichts vorwerfen“, sagt eine stolze Meyer und resümiert: „Wir hätten keinen besseren Abschluss finden können.“ Die Heim-WM war ihr letzter Wettkampf, sagt sie. Aufhören, wenn es am schönsten ist.
Nach der Voltigierkarriere stehen Meyer spannende Wochen bevor: Die 25-Jährige heiratet, danach will die Sportmanagement-Studentin ihre Masterarbeit in Projektmanagement abgeben. Dem Reitverein Fredenbeck bleibt sie als Nachwuchstrainerin erhalten.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.