TEnergiewende: Erster Batteriespeicher im Kreis Stade ist am Netz
Dr. Christopher Hecht ist Strommarktexperte des Berliner Unternehmens Terra One. Der Bildschirm hat ausgerechnet durch Windkraft gelitten. Foto: Fehlbus
Der Batteriespeicher in der Gemeinde Ahlerstedt ist voll geladen, mit Strom von der Börse. Die Kraft des Windes spielt bei der Einweihung eine umwerfende Rolle.
Ahlerstedt. Christopher Hecht nimmt es mit Humor. Eine eisige Windböe hat dafür gesorgt, dass ein Viertel der Grafiken bei der Präsentation des Strommarktexperten von Terra One schwarz bleibt. Schon bei der Eröffnungsrede zur Einweihung des Batteriespeichers in Ahlerstedt-Oersdorf war der extra aufgestellte Bildschirm samt Laptop eindrucksvoll durch die Luft geflogen. Die Kraft des Winds sollte keiner unterschätzen. Für das Unternehmen Terra One, Eigentümer und Projektentwickler des Batteriespeichers, spielt er vor allem am Strommarkt eine Rolle.
44 Tonnen schwer und auf der Überholspur
Es surrt und summt zwischen Speichereinheiten. „Tesla“ steht auf den Batterie-Blöcken, die in einer Art Container untergebracht sind. „Ein Block wiegt 44 Tonnen“, sagt Thomas Antonioli, einer der Geschäftsführer von Terra One. Bei deutlich angenehmeren Temperaturen wurden die Arbeiten am Standort im Juni begonnen. „Es ist das erste Projekt, das wir in Betrieb nehmen“, sagt Antonioli. Und dabei lobt er ausdrücklich den Landkreis Stade als Genehmigungsbehörde.

Die CDU-Politikerinnen Birgit Butter (links) und Vanessa Zobel (rechts) freuen sich mit Terra-One-Geschäftsführer Thomas Antonioli (Mitte) über die problemlose Umsetzung. Foto: Fehlbus
„Fünf Monate von der Antragstellung bis zur Genehmigung“, das sei rekordverdächtig. Oersdorf hat alle anderen Projekte der Berliner überholt. Den Dank nimmt Birgit Butter (CDU) als Landtagsabgeordnete und Stellvertreterin des Landrats entgegen und verspricht, das Lob an die zuständigen Mitarbeiter weiterzugeben.
Erneuerbare Energien
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Die CDU-Bundestagsabgeordnete Vanessa Zobel macht deutlich, wo praktisch gehandelt wird: „In Berlin wird viel über die Energiewende gesprochen, aber hier in Oersdorf ist es zu sehen“, sagt sie. Es ist das erste Projekt dieser Art, das im Landkreis Stade umgesetzt wurde.
Nicht das erste Projekt für die EWE-Tochter
Die Preise für Batteriespeicher sind gesunken, der Markt für dieses Modell der Zwischenspeicherung und Wiedereinspeisung wächst schnell und stark. „Flexibilität im Energiesegment, das ist das, was wir für die Energiewende brauchen“, sagt Magnus Pielke von be.storaged, einer hundertprozentigen EWE-Tochter.

Flexibilität im Energiesegment wird für die Energiewende gebraucht, sagt Dr. Magnus Pielke von be.storaged aus Oldenburg. Foto: Fehlbus
Insgesamt 200 Megawattstunden Speicherkapazität hat be.storaged aus Oldenburg im vergangenen Jahr in Betrieb genommen. 30 Megawattstunden sind es in Oersdorf. Zwei Stunden dauert es, bis die 30 Megawattstunden Speicherkapazität gefüllt sind. Ebenso schnell kann die Energie wieder ins Netz abgegeben werden. Wann es in welche Richtung geht, bestimmt künstliche Intelligenz (KI).
Künstliche Intelligenz optimiert die Ladezeitpunkte
Der Energiehandel läuft über eine KI-basierte Handelsplattform. Wenn der Strom am günstigsten ist, wird zugegriffen, erläutert Christopher Hecht. Zu den Spitzenzeiten, morgens und abends, geben die Speicher wieder Energie ins Netz. Auf Grundlage von Echtzeitdaten werden die optimalen Lade- und Entladezeitpunkte automatisiert berechnet. „Die Strombörse ist so dynamisch, ein Mensch wäre immer unterlegen“, sagt der Strommarktexperte.

Der Batteriespeicher in Oersdorf ist als erster im Landkreis Stade fertiggestellt worden. Foto: Fehlbus
Den Mythos vom „sortenrein“ grünen Strom will Terra-One-Geschäftsführer Thomas Antonioli in Oersdorf nicht bemühen. Es sei grauer Strom, aber die Speicher dienten vor allem der Zwischeneinspeisung von Energiespitzen aus Windkraft und PV-Anlagen.
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Für Netzbetreiber hat die Zwischenspeicherung neben der Möglichkeit, zu günstigen Zeiten Strom einzukaufen, einen weiteren Vorteil: Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien stoßen die Stromnetze zunehmend an ihre Grenzen. Ein Ausbau des Netzes auf einen Maximalwert wäre teuer.
Redispatch und Vergütung für Ertragsausfälle
In den Leitwarten (Leiteinrichtungen) der Netzbetreiber wird deshalb eingegriffen. Ist die Einspeisung in bestimmten Gebieten zu hoch und steht keine Alternativstrecke oder Speichermöglichkeit zur Verfügung, wird ein sogenannter Redispatch (Ausgleichsmaßnahme) angeordnet. Erzeugungsanlagen werden in ihrer Leistung angepasst, Windanlagen abgeregelt. Für solche Ausfälle gibt es eine Abrechnung der Ausfallmenge an die Erzeuger. Auch diese Ausgaben für Ertragsausfälle sollen durch Speicher reduziert werden.

Bürgermeister Uwe Arndt freute sich, dass Ahlerstedt als erste Gemeinde im Landkreis Stade den Batteriespeicher umsetzen konnte. Foto: Fehlbus
Ahlerstedts Bürgermeister Uwe Arndt begrüßte die Inbetriebnahme des Batteriespeichers. „Wenn wir die Energiewende hinbekommen wollen, brauchen wir günstige Energie, und dann muss auch die Kette hinter den Windkraftanlagen umgesetzt werden“, so der Kommunalpolitiker der Freien Wählergemeinschaft. Wind und Windkraftanlagen gebe es schließlich genug im Landkreis Stade.
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