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Hotel-Besuch

TExklusiver Einblick bei den Cyclassics: Bei ihnen checken die Top-Teams ein

Sportbegeisterte Familie (von links): Vinco, Nadine und David Topic zwischen den Teambussen vor ihrem Hotel.

Sportbegeisterte Familie (von links): Vinco, Nadine und David Topic zwischen den Teambussen vor ihrem Hotel. Foto: Scholz

Wie anspruchsvoll sind Radprofis als Hotelgäste? Welche Logistik steckt hinter einem Rennen wie den Cyclassics? Das TAGEBLATT hat sich hinter den Kulissen umgesehen.

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Von Tim Scholz
17.08.2026, 15:50 Uhr

Landkreis. Samstagabend: Vinco und Nadine Topic sowie ihr 17-jähriger Sohn David sitzen in der Lobby ihres Hotels und atmen kurz durch. „Das ist schon ein besonderes Wochenende“, sagt Nadine Topic.

Auf dem Parkplatz vor dem Vier-Sterne-Hotel Stader Hof stehen drei Busse - darauf in großen Buchstaben die Namen dreier weltbekannter Radsportteams: Decathlon, Alpecin - und UAE, das Top-Team der diesjährigen Tour de France.

Kaum zu übersehen: Gleich drei Teams haben sich im Stader Hof einquartiert - links der UAE-Bus.

Kaum zu übersehen: Gleich drei Teams haben sich im Stader Hof einquartiert - links der UAE-Bus. Foto: privat/David Topic (nomo)

Wegen der Cyclassics, die am Sonntag in Buxtehude gestartet sind, haben sich gleich 3 der 22 Teams in dem Hotel am Stadeum einquartiert. Zwar hatten sie dort bereits den FC Bayern zu Gast, als die Mannschaft im DFB-Pokal gegen D/A spielte. Doch Radsport ist für sie eine neue Erfahrung.

Teams nehmen das halbe Hotel in Beschlag

„Das sind nette Leute“, sagt Nadine Topic, „aber sie sind auch anspruchsvoll.“ Die Buchungen seien relativ kurzfristig gekommen. 55 bis 65 Zimmer wurden bereitgestellt, etwa das halbe Hotel. Das Personal wurde aufgestockt. Immerhin: Die Teambusse konnten über die vorhandenen Anschlüsse mit Strom und Wasser versorgt werden.

Und dann gibt es noch die Sonderwünsche: ein eigener Raum für die Massage, 50 zusätzliche Handtücher. Und sehr viel Eis. „Hier 60 Kilo, da 20, da 70, hier noch schnell fünf“, erzählt Nadine Topic. Mit den Teams steht sie ständig per WhatsApp in Kontakt. Auch während des Gesprächs kommt ein Team auf sie zu: Ein Ventilator werde benötigt. Auch das lasse sich organisieren.

Pasta, Pasta, Pasta: 15 Kilogramm Nudeln wurden für die drei Teams zubereitet.

Pasta, Pasta, Pasta: 15 Kilogramm Nudeln wurden für die drei Teams zubereitet. Foto: Scholz

Das "Sport-Buffet", das den Radsportlern am Samstagabend im Stader Hof aufgetischt wurde.

Das "Sport-Buffet", das den Radsportlern am Samstagabend im Stader Hof aufgetischt wurde. Foto: privat/David Topic (nomo)

In der Küche laufen die Vorbereitungen für das Abendessen. Um 19 Uhr gibt es ein „Sport-Buffet“, wie Vinco Topic sagt. Pasta, Reis, Gemüse, Salate, Fisch ohne Haut, Nüsse, Kerne, Milchreis. Wenig Gewürze, viele Kohlenhydrate. 15 Kilogramm Pasta wurden am gesamten Wochenende gekocht. Die Vorgaben hat das Hotel von den Ernährungsberatern der Teams bekommen.

Top-Team erklärt Logistik hinter einem Rennen

Um 18 Uhr betritt Andrej Hauptman die Hotellobby und bestellt sich ein Bier. Der 51-jährige Slowene ist Sportdirektor des UAE-Teams und gilt als Entdecker des fünffachen Tour-Siegers Tadej Pogačar.

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Hinter so einem Rennen stecke eine „herausfordernde Logistik“, sagt er. Aus Mailand werde das Rennjahr bereits im Dezember geplant - wo und wann welche Busse, Trucks und Mitarbeiter benötigt werden. Doch kurzfristig gebe es immer wieder Verschiebungen. Erst drei bis vier Wochen vor dem Rennen würden die Planungen konkreter, erklärt er.

Der Vorteil: „Die Fahrer können länger schlafen“

Für die Cyclassics sind sieben Fahrer dabei, dazu vier Masseure, drei Mechaniker und ein Arzt. Zwölf Zimmer hat das Team gebucht. Warum in Stade? „Die Fahrer können länger schlafen“, sagt Hauptmann. Der Weg zum Start nach Buxtehude sei kurz, und man sei für Trainingsfahrten schnell außerhalb der Stadt. „Man hat nicht so viel Verkehr wie in Hamburg“, sagt er.

Der Slowene Andrej Hauptman im komfortablen UAE-Bus.

Der Slowene Andrej Hauptman im komfortablen UAE-Bus. Foto: Scholz

Dann zeigt Hauptman den abgedunkelten Teambus. Durch die Seitentür geht es eine Treppe hinauf. Vorne haben die Profis bequeme Sessel, ihre Helme hängen an Haken, die Startnummern liegen auf ihren Sitzen. Von dort blicken sie auf einen großen Fernseher. Im hinteren Teil treffen zwei Mitarbeiter letzte Vorbereitungen, es wird Italienisch gesprochen.

Das Team mit der kürzesten Anreise

Ortswechsel. Im 25 Kilometer entfernten Vier-Sterne-Hotel Navigare in Buxtehude hat sich das niederländische Team Visma-Lease a Bike wie vor einem Jahr einquartiert. Zehn Zimmer sind gebucht.

Am Tag vor den Cyclassics: Der Bremer Fahrer Niklas Behrens (links) und Trainer Grischa Niermann.

Am Tag vor den Cyclassics: Der Bremer Fahrer Niklas Behrens (links) und Trainer Grischa Niermann. Foto: Scholz

Die Fahrer des Teams Visma starten zur Trainingsfahrt.

Die Fahrer des Teams Visma starten zur Trainingsfahrt. Foto: Scholz

Auf dem Parkplatz der benachbarten Hochschule 21 herrscht am Samstagvormittag reges Treiben. Sieben Fahrer um Lokalmatador Niklas Behrens bereiten sich auf die rund 40 Kilometer lange Trainingsfahrt vor. Sonnencreme wird aufgetragen, Gels werden ins Trikot gestopft und Trinkflaschen an den Rädern befestigt. „Abfahrt!“, ruft Sportdirektor Grischa Niermann.

„Eigentlich sind wir Mädchen für alles“

Zurück bleibt der „Staff“, das Team hinter dem Team. Fünf Männer und Frauen bereiten nun alles für den morgigen Renntag vor. „Eigentlich sind wir Mädchen für alles“, sagt Masseurin Anne Märtin.

Visma-Masseurin Anne Märtin.

Visma-Masseurin Anne Märtin. Foto: Scholz

Sie und ihre Kollegen kontrollieren die Räder, bestücken das Racecar mit Gels, Trinkflaschen und elektrischen Kühlboxen, sie waschen die Wäsche und kochen das Essen für die Fahrer.

„Es ist viel Arbeit“, sagt Märtin. Aber sie mag ihren Job. Die ehemalige Bahnradsportlerin und ausgebildete Physiotherapeutin arbeitet seit drei Jahren für das Team. „Es macht Spaß, man sieht viel von der Welt“, sagt sie. Nach den Cyclassics geht es für sie direkt weiter zur Deutschland-Tour.

Blick in den Versorgungstruck des Teams Visma.

Blick in den Versorgungstruck des Teams Visma. Foto: Scholz

Das Racecar, das die Visma-Fahrer beim Rennen begleitet, wird am Tag vor dem Start gereinigt.

Das Racecar, das die Visma-Fahrer beim Rennen begleitet, wird am Tag vor dem Start gereinigt. Foto: Scholz

Märtin zeigt den gelben Versorgungstruck. In der Mitte gibt es eine kleine Küche, Waschmaschine, Trockner, Kühlschrank und Regale voller Gels, Riegel und Isopulver. Hinten ist das Reich der Mechaniker. Dort lagern Ersatzräder, Laufräder, Werkzeuge, Kleinteile.

Jeder Fahrer bekommt eine Stunde Massage

Vor dem Truck schaltet Märtin eine Induktionsplatte an. Anderthalb Kilogramm Fusilli wird sie nun kochen. „Das bekommen die Fahrer morgen nach dem Rennen“, sagt sie. Nudeln mit Rindfleisch und Gemüse - exakt abgewogen. Auf ihrem Handy öffnet sie eine Tabelle mit den Vorgaben der Ernährungsberater.

Während die Visma-Fahrer trainieren, bereitet das Team hinter dem Team alles für den Renntag vor.

Während die Visma-Fahrer trainieren, bereitet das Team hinter dem Team alles für den Renntag vor. Foto: Scholz

Nach rund zwei Stunden kehren die Fahrer zurück. Für Märtin und ihre Kollegen steht dann im Hotel der nächste Einsatz an: Jeder Fahrer bekommt eine einstündige Massage. Der Staff hat heute noch einiges zu tun.

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