TFachkräftemangel in der Region Stade: Wehe, wenn die Babyboomer gehen
Ein Bauhelm hängt an Fundamentstangen - die Fachkräfte der Babyboomer-Generation gehen in den Ruhestand - und müssen ersetzt werden. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa
Ohne ausländische Fachkräfte geht es nicht. Da sind sich Experten einig. Sie werden für den deutschen Arbeitsmarkt immer wichtiger werden. Die Zahlen sind beeindruckend.
Landkreis Stade. Die Wirtschaftsförderung des Landkreises Stade hat das Thema Fachkräftegewinnung und -sicherung schon lange auf dem Zettel, weil es ganz offensichtlich für die Betriebe überlebenswichtig ist oder zumindest wird.
In der Region fehlen 2030 rund 19.000 Fachkräfte
Deswegen organisiert Kerstin Wehmeier von der Wirtschaftsförderung Jahr für Jahr eine Fachkräftekonferenz Elbe-Weser. Diesmal in Stade mit geballter Kompetenz und vielen Infos für kleine und mittlere Betriebe.

Die Teilnehmer der Fachkräftekonferenz Elbe-Weser im Stader Königsmarcksaal. Foto: Wirtschaftsförderung
Landrat Kai Seefried zum Beispiel umschrieb die Situation in der Region: Zwei Drittel aller Betriebe suchten Verstärkung. Bis 2030 werde die Fachkräftelücke bei 19.000 liegen. Melanie Reinecke als Stades stellvertretende Bürgermeisterin beschrieb das Bild so: „Im Teich der Fachkräfte schwimmen immer weniger Fische, aber immer mehr Angeln hängen drin.“
Dass die Region zwischen Elbe und Weser damit nicht allein dasteht, verdeutlichten bundesweite Zahlen, die Marlene Schimpf vom Institut der deutschen Wirtschaft aus Berlin mitbrachte. Ihre vom Wirtschaftsministerium initiierte Kampagne „Make it in Germany“ zielt darauf ab, Arbeitskräfte aus Drittländern, also jenseits der EU, zu gewinnen.
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Rente: 20 Millionen gehen, nur 12 Millionen rücken nach
2022 konnten in deutschen Betrieben 600.000 qualifizierte Stellen nicht besetzt werden. Das mag angesichts von drei Millionen Arbeitslosen verwundern, aber häufig passten Angebot und Nachfrage nicht zusammen, entweder fachlich oder regional. Von langer Arbeitslosigkeit sind häufig ungelernte Kräfte betroffen.

Auch gerade das Handwerk benötigt für Technologien wie die Wärmepumpen Fachkräfte. Foto: Sven Hoppe/dpa
Vor allem kleine Unternehmen, so Marlene Schimpf, hätten Probleme, offene Stellen neu zu besetzen. Die Lage werde sich zuspitzen, weil die Babyboomer in Rente gehen. Schimpf: „Das hat gerade erst angefangen.“ Bis 2036 gehen 20 Millionen Arbeitskräfte in Rente, nur 12,5 Millionen kommen nach. Wer stopft die Lücke?
„Deutschland ist auf Einwanderung angewiesen“
Drei Lösungen sind möglich, die am besten kombiniert werden: inländische Kräfte besser qualifizieren, Frauen stärker einbinden und Kräfte im Ausland suchen. Damit sei nicht die EU gemeint, die europäischen Staaten hätten alle das gleiche Problem. Klare Aussage von Marlene Schimpf: „Deutschland ist auf die Einwanderung von ausländischen Arbeitskräften angewiesen.“
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Schon jetzt gehe es in manchen Branchen kaum ohne sie. Das Wachstum in sozialen Berufen, zum Beispiel in der Pflege, werde seit 2023 ausschließlich durch ausländische Arbeitskräfte abgesichert. Aber auch bei Köchen, Schweißern, Berufskraftfahrern, im Metallbau oder der Elektrotechnik seien sie elementarer Bestandteil.
14 Prozent der angemeldeten Patente bezogen sich im Jahr 2022 auf Menschen mit ausländischen Wurzeln. Marlene Schimpf: „Die bringen Know-how mit nach Deutschland.“
Einwanderung: Wenn es doch so einfach wäre...
Sie kennt auch die Schwierigkeiten bei der Verpflichtung von Kräften aus Drittländern: überbordende Bürokratie, lange Wartezeiten bei der Anerkennung auch der Berufsabschlüsse, fehlende Sprachkenntnisse oder fehlender Wohnraum.
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Wenn sie einmal da und anerkannt seien, sei die Integration nicht das Problem. Unternehmen seien gut beraten, eine Willkommenskultur zu etablieren. Die Menschen nähmen viel in Kauf, wenn sie ihre Heimat verließen. Hilfe bei Sprachkursen, mit der Bürokratie, bei der Wohnungssuche und der sozialen Integration seien förderlich. Was ist mit Partner und Kindern, also Nachzug?
Ein Problem bleibt: der leidende Ruf Deutschlands im Ausland durch die erstarkende Rechte mit ihrer ausländerfeindlichen Haltung. Marlene Schimpf: „Das schreckt viele ab.“ Das gelte gerade für den Osten der Republik, wo Arbeitskräfte extrem gesucht würden.

Metzger werden händeringend gesucht. Foto: Jan Woitas/dpa
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