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Nachruf

TFair und liebevoll: Hartlef war engagierter Macher und vor allem Mensch

Sönke Hartlef im Stader Ratssaal im Juni 2022.

Sönke Hartlef im Stader Ratssaal im Juni 2022. Foto: Richter

Die Hansestadt Stade trauert um ihren Bürgermeister. Vor allem aber trauern viele ganz persönlich um den Menschen Sönke Hartlef. Wie war er? Ein Nachruf.

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Von Anping Richter
24.10.2026, 18:45 Uhr

Stade. Bürgermeister - das war für Sönke Hartlef viel mehr als sein Beruf, sagt sein Sohn Malte. Für seinen Vater habe das Amt erfüllt, was sein Leben von Kindheit auf bestimmte: Er brannte für die Gemeinschaft.

„Ich bin kein Einzelkämpfer“, sagte Hartlef dem TAGEBLATT Ende Juli 2023 in einem Interview. Es ging um seine Krebserkrankung und seinen Führungsstil im Rathaus. Im Grunde passt das Zitat auch zu seinem Leben. „Ich bin hinterm Tresen aufgewachsen, das hat mich geprägt“, hat der 1962 Geborene einmal gesagt. In Bützfleth betrieb seine Familie nämlich die Gastwirtschaft „Zum Deutschen Hause“, im Ort einfach „Hartlef“ genannt.

Es war auch das Stammlokal des TuSV Bützfleth. Sönke Hartlef spielte gerne Fußball. „Ich konnte dem Verein aber mehr am Schreibtisch helfen als auf dem Rasen“, sagte er Jahre später. Doch er war „zugänglich und aufgeschlossen. Er ging auf die Menschen zu und war allen Aufgaben im Ort zugetan“, sagt Hans-Otto Koeser, langjähriger Kassenwart des TuSV Bützfleth. Günter Matutat, ehemaliger Vorsitzender, ergänzt: „Sönke Hartlef hat sich nie herausgehoben, sondern eher in den Hintergrund gestellt und einfach seine Aufgaben erfüllt. Er war ein unglaublich fairer, bodenständiger, liebevoller Mensch.“ Hartlef wurde Vorsitzender des TuSV Bützfleth und blieb es zehn Jahre.

Warum er mit den HSV-Stars kickte

1994 kam Sönke Hartlef auf dem Rasen aber doch noch einmal groß raus - mit prominenten Fußballspielern, als Lückenbüßer für Manfred Kaltz und Felix Magath. Wie bitte? Ja. Die beiden hatten kurzfristig abgesagt. Peter „Eiche“ Nogly, Bernd „Fummel“ Wehmeyer und andere HSV-Altstars baten Hartlef, in die Bresche zu springen.

Die Vorgeschichte: Hartlef war ein Fußballstatistik-Nerd. Über Jahrzehnte trug er akribisch Daten über den Fußball im Kreis Stade von 1945 bis 1989 zusammen - ohne Internet, nur aus Berichten im TAGEBLATT und Recherchen im Stadtarchiv. Er brachte sogar ein Buch darüber heraus. Dann weitete er seine Recherchen auf das HSV-Archiv am Rothenbaum aus. Die Ex-HSV-Profis machten oft Benefizspiele und baten ihn, fortan für ihre Presseinformationen Statistiken zu liefern. Zum Dank wollte er nur eins: einmal mit zum Spiel fahren. Es war ein Glücksgriff.

Anpacken in der Flüchtlingskrise

„Geh doch in den Ortsrat“, sagten die TuSV-Mitglieder zu Hartlef. Er hörte auf sie - und wurde Ortsbürgermeister. Als Bützfleth 2015 im Zuge der Flüchtlingskrise viele junge Männer aufnehmen musste, sagte Hartlef: „Wir müssen uns um sie kümmern.“ Die Bützflether zogen mit - allen voran seine Ehefrau Elke. Sie packte an, koordinierte die Hilfsangebote und wurde 2017 als „Bürgerin des Jahres“ ausgezeichnet. Die Laudatio musste ihr Mann und Ortsbürgermeister einem anderen überlassen.

2009 trat Hartlef in die CDU ein. Er war beliebt und erwies sich als Stimmenmagnet. Auch, als er 2019 die Stichwahl gegen die amtierende Stader Bürgermeisterin Silvia Nieber gewann. Die spätere CDU-Landtagsabgeordnete Melanie Reinecke wurde Hartlefs Stellvertreterin. Sie hatten sich über die Partei kennengelernt, wurden aber weit mehr als Parteifreunde. „Er war ein Freund - und einfach ein guter Mensch“, sagt sie. Auch die Familien befreundeten sich. Als Reineckes ein Haus suchten, fand Hartlef eins in Bützfleth, in der unmittelbaren Nachbarschaft. „Hätten wir uns früher kennengelernt, hätten wir zusammen die Partei der Normalen gründen können“, sagte er beim Grillen im Garten einmal zu Melanie Reinecke.

Normal. In der individualistisch geprägten Zeit von heute mag das für manche langweilig klingen. Doch für Sönke Hartlef war es eine Auszeichnung. Normal fand er es auch, sich mit Irokesenfrisur und Glitzerjacke ins Getümmel zu stürzen, als der NDR 2017 zur Stadtwette mit 80er-Jahre-Motto rief. 250 Stader sollten stilecht verkleidet zu „Flashdance“ tanzen. Hartlef, stellvertretender Bürgermeister, nahm die Wette entgegen. Am Ende tanzten 13.000 Stader - und bei einem Bier zum Abschluss der rauschenden Nacht sagte Hartlef zu Reinecke: „Ich mache es. Ich trete zur Stader Bürgermeisterwahl an.“

Sönke Hartlef 2017 mit NDR-Moderator Arne-Torben Voigts.

Sönke Hartlef 2017 mit NDR-Moderator Arne-Torben Voigts. Foto: privat

Wahr gewordener Traum und unerwartete Krisen

Als Stader Bürgermeister stützte Hartlef, bis dahin Disponent im Betonwerk in Buxtehude-Ovelgönne, sich mit Feuereifer in die Arbeit. „Acht-Stunden-Tage gab es für ihn nicht mehr. Er hat jede Abendveranstaltung mitgenommen, mit Spaß“, berichtet sein Sohn Malte. Als Bürgermeister hatte Sönke Hartlef viel vor. Doch Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und schließlich seine Krebserkrankung sorgten dafür, dass er vor allem als Krisenmanager beschäftigt war.

Wann immer es die Krankheit zuließ, nahm er seine Pflichten, die er als Freude sah, weiter wahr. Er wusste, dass es knapp werden würde, aber er wollte unbedingt noch erfahren, wer die Stader Bürgermeisterwahl gewinnen würde. „Er hat mir aus dem Krankenhaus noch per Kurznachricht gratuliert“, berichtet Kai Koeser (SPD), der zum 1. November die Nachfolge des Bürgermeisters antritt, den er persönlich sehr schätzte.

Mit seiner Frau Elke, seinem Sohn und seiner Schwiegertochter trauern viele Menschen um Sönke Hartlef, der am 19. Oktober 2026 seiner Krebserkrankung erlag.

Abschied nehmen können sie am 30. Oktober um 13 Uhr bei einer Trauerfeier in der St.-Cosmae-Kirche in Stade.

Bei der gewonnenen NDR-Stadtwette 2017 in Stade.

Bei der gewonnenen NDR-Stadtwette 2017 in Stade. Foto: privat

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