In Bützfleth treffen sich jeden Freitag bis zu 50 Personen im Willkommenscafé der Flüchtlingshilfe, um Kontakte zu knüpfen und einander kennenzulernen. Doch nicht bei allen Bürgern kommen die neuen Nachbarn gut an.
Als Ende vergangenen Jahres zunehmend männliche Flüchtlinge zwischen 18 und 30 Jahren nach Bützfleth gekommen waren, wurde Ortsbürgermeister Sönke Hartlef klar: „Wir müssen uns um sie besonders kümmern.“ Aus diesem Grund treffen sich seit Dezember ehrenamtliche Helfer und Flüchtlinge regelmäßig zum Willkommenscafé im Bützflether Dorfgemeinschaftshaus. Das Angebot wird gut angenommen: Bis zu 50 Personen treffen sich hier jeden Freitag, um Zeit miteinander zu verbringen und einander kennenzulernen.
Sönkes Ehefrau Elke Hartlef koordiniert die Hilfsangebote im Ort. „Ich bin immer wieder überrascht, welche verborgenen Talente hier schlummern“, sagt sie. Da sind Bützflether, denen es gelingt, Flüchtlingen die ersten Sätze auf Deutsch beizubringen, obwohl keiner die Sprache des anderen spricht. Oder ein Mann, der gespendete Fahrräder flott macht und vier Schrotträder zu drei verkehrstauglichen umbaut.
Derzeit leben in Bützfleth etwa 100 Flüchtline, verteilt auf 15 Wohnungen. Dass es auch mal zu kleineren Meinungsverschiedenheiten kommt, wenn bis zu 14 Männer zu einer Wohngemeinschaft zusammengewürfelt werden, empfindet Sönke Hartlef als nachvollziehbar. Aber: „Große Probleme gab es bisher nicht.“
Einer der jüngsten Helfer ist Mathis Neumann. „Sönke Hartlef hat mich direkt angesprochen, ob ich nicht Lust hätte zu helfen. Seitdem bin ich dabei.“ Über das Willkommenscafé und die Aktionen hat Mathis neue Freunde gefunden. „Dass ich mich mit den Flüchtlingen so gut verstehe, liegt bestimmt auch daran, dass ich im selben Alter bin wie die meisten“, sagt der 18-Jährige.
Sheida Habibi ist seit April bei der Stadt Stade als Sozialpädagogin angestellt. Davor arbeitete die gebürtige Iranerin als Farsi-Übersetzerin in der Notunterkunft in der Turnhalle der Berufsbildenden Schulen. „Hier in Bützfleth klappt die Flüchtlingshilfe am besten“, sagt Habibi und lobt die gute Stimmung im Miteinander von Bützflethern und Neuankömmlingen.
In Sachen Integrationsarbeit gilt Bützfleth als Vorbild: Viele türkische Gastarbeiter und ihre nachfolgenden Generationen sind hier seit Jahrzehnten fest verwurzelt.
An diesem Freitag haben die Flüchtlinge im Willkommenscafé syrische Speisen zubereitet. Am Büffet kommen die Bützflether Helfer in den Genuss von Kabab banjan, Tabola, Sejek oder Mtable – fremde Gerichte, die die meisten von ihnen ohne ihre neuen Nachbarn wohl nie kennengelernt hätten.
Den Blick über den Tellerrand wünscht Sönke Hartlef so manchen seiner Bürger. Es habe schon Beschwerden von Anwohnern über Unterkünfte in der Nachbarschaft geben – einige davon unter der Gürtellinie. „Aber da stehe ich drüber“, so Hartlef, de auch schon persönlich angefeindet wurde. „Es ist ja nicht so, dass wir die Flüchtlinge herlocken, sondern dass oft der eigene Nachbar mit seiner leerstehenden Wohnung Geld verdienen will.“
Mehr Informationen über die Flüchtlingshilfe in Bützfleth online.
fluechtlingshilfe-buetzfleth.jimdo.de