TDieser Einsatz bleibt Ex-Leitstellen-Chef Wilfried Sprekels in Erinnerung
Wilfried Sprekels in seiner Leitstelle in Stade-Wiepenkathen. Foto: Beneke
Helfen, das ist und bleibt seine Passion. Doch ein Kapitel endet. Wilfried Sprekels ist als Leiter der Stader Feuerwehr- und Rettungsleitstelle in Rente. Zeit für eine Rückschau.
Jork. Bei 200 Einsätzen war Wilfried Sprekels als Leiter der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle (FRL) in Stade-Wiepenkathen als Organisatorischer Leiter Rettungsdienst unmittelbar vor Ort, um insbesondere beim Massenanfall von Verletzten die Rettung zu koordinieren. Einen Einsatz in Jork hebt der 65-Jährige im Rückblick hervor.
Rückblick: Um 8.20 Uhr geht am 23. Mai 2010 in der FRL der Notruf ein. Auf dem Kreisel in der Jorker Ortsmitte ist ein Pfingstwagen aus Neuenfelde umgekippt.
Beim Pfingstwagenunfall im Mai 2010 war Wilfried Sprekels als als Organisatorischer Leiter Rettungsdienst dabei. Foto: Vasel
Musik hämmert aus den Boxen auch nach dem Unfall
Noch hämmert die Musik aus den Lautsprechern. 500 Ausflügler aus dem Alten Land sind auf 50 mit Birken festlich geschmückten Trecker-Gespannen auf dem Weg zum 133. Pfingstmarkt in Neukloster. Der Fahrer des Unglücksgespanns hat vor dem Rathaus eine zweite Runde gedreht, der Anhänger schaukelt sich hoch. 26 junge Leute im Alter von 15 bis 19 Jahren kippen mit diesem um und verletzen sich.
Fast zeitgleich mit den Notärzten der Elbe Kliniken und Rettungsassistenten von DRK, Maltesern und Johannitern macht sich Wilfried Sprekels als Organisatorischer Leiter Rettungsdienst auf den Weg nach Jork. Mit ihm treffen acht Rettungswagen ein. 85 Feuerwehrleute aus Jork, Borstel und Ladekop sind im Einsatz.
„Wir haben die Unfallopfer nach Verletzungsschwere eingeteilt“, erinnert sich Sprekels. Es sei kein einfacher Einsatz gewesen. 16 Verletzte kamen in Kliniken in Buxtehude, Stade und Hamburg. Es war nicht leicht, in dem Trubel den Überblick zu behalten.
Opfer trugen alle das gleiche T-Shirt
Alle Opfer hätten das gleiche T-Shirt getragen. Feuerwehreinsätze - als Ehrenamtlicher - wird Sprekels in diesem Jahr nur noch als stellvertretender Stadtbrandmeister von Stade erleben.
Es gab viele Einsätze mit Toten und mit Schwerstverletzten. „Es ist sehr wichtig, mit Kollegen und Kameraden über das Erlebte zu reden, um den Kopf wieder freizubekommen“, sagt er. Geholfen habe ihm auch, dass seine Frau eine notfallseelsorgerische Ausbildung habe.

Landrat Kai Seefried dankt Wilfried Sprekels für sein Engagement. Foto: Vasel
Nach fast vier Jahrzehnten beim Landkreis Stade ist der langjährige FRL-Leiter in den Ruhestand gegangen, am Mittwoch wird er in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Wiepenkathen verabschiedet.
Großes Lob zum Abschied vom Landrat
„Kaum jemand engagiert sich mehr für die Sicherheit der Menschen im Kreis Stade als Wilfried Sprekels“, würdigt Landrat Kai Seefried das Wirken seines Mitarbeiters. Ganz muss Kai Seefried nicht auf ihn verzichten. Sprekels wird weiter die Ukraine-Hilfskonvois leiten.
Der 65-Jährige ist auf einem Bauernhof in Hemelingbostel aufgewachsen. Er absolvierte nach dem Realschulabschluss eine Ausbildung zum Landwirt auf dem Hof Tietjen in Hollenbeck. Danach ging er als Soldat zur Bundeswehr.
Nach sechs Jahren im Rettungsdienst an der DRK-Rettungswache in Buxtehude wechselte Sprekels 1987 als Disponent in die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle des Landkreises Stade, die damals noch in der Sachsenstraße in Stade-Campe untergebracht war.
Seit 2009 führte Sprekels die Leitstelle
1991 bezog die Leitstelle einen Neubau in Wiepenkathen. Seit 2009 leitet er die Leitstelle, zu deren Team inzwischen zwei Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören. Rund um die Uhr werden hier Notrufe über die 112 entgegengenommen und die Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst koordiniert.
„Mit seiner verlässlichen und zupackenden Art gelingt es ihm, auch in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren“, sagt sein Dienstherr. „Notruf. Feuerwehr und Rettungsdienst. Wo genau ist der Notfallort?“, diesen Satz konnte Sprekels schon im Schlaf aufsagen. Am Telefon gab er auch Tipps zu Erster Hilfe oder Reanimation.
Im Jahr 2025 hat Sprekels‘ Team fast 40.000 Notrufe entgegengenommen. 153.000-mal klingelte das Telefon in Wiepenkathen. Die 92 Ortsfeuerwehren im Landkreis Stade rückten rund 3300-mal aus, die Notfallsanitäter des Rettungsdienstes und die Notärzte waren fast 35.000-mal im Einsatz. 16.000 Krankentransporte wurden aus der FRL disponiert.
Aktiv auch in Politik und Feuerwehr
Dass die Leitstelle weiter in der Hand des Landkreises Stade bleibt, sei ihm sehr wichtig. „Wir haben die Ortskenntnis und den direkten Draht zu den Feuerwehren und Klinken.“ Das sichere die Notfallversorgung. Von einer Zentralisierung halte er nichts. Dass er die Mobilnummern aller Chefärzte hatte, habe ihm oft bei der Versorgung der Patienten geholfen.
Blaulicht, das liege ihm in den Genen. Schon Vater und Großvater waren in der Feuerwehr. Mit 18 Jahren trat er ein, heute ist Sprekels stellvertretender Stadtbrandmeister der Hansestadt Stade und Ehrenbrandmeister der Ortsfeuerwehr Wiepenkathen; hier war er Ortsbrandmeister von 1996 bis 2015.
Kommunalpolitisch wird sich das CDU-Mitglied in Wiepenkathen weiter im Ortsrat einbringen. Außerdem freut sich der leidenschaftliche Motorradfahrer und Jäger auf gemeinsame Reisen mit seiner Frau. Unter anderem steht Japan in seinem Terminkalender - und mehr Zeit für die Enkelkinder.
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