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Landgericht

TKehle durchgeschnitten – Grausame Details im Prozess in Stade enthüllt

Der Angeklagte versteckt am Dienstagmorgen im Landgericht Stade sein Gesicht.

Der Angeklagte versteckt am Dienstagmorgen im Landgericht Stade sein Gesicht. Foto: Hilken

Die Tat hinterließ viel Entsetzen: Ein 34-Jähriger aus Gyhum im Kreis Rotenburg soll seine Ex-Partnerin brutal getötet haben. Das Interesse zum Prozessauftakt war groß.

Von L. Hilken und S. Harscher Dienstag, 17.03.2026, 16:55 Uhr

Gyhum. Der Gerichtssaal ist bis auf den letzten Platz besetzt, als der Angeklagte am Dienstagmorgen in Handschellen und begleitet von mehreren Justizbeamten vor die 3. Große Strafkammer tritt. Ihm wird zur Last gelegt, am 23. und 24. September 2025 in Gyhum drei Straftaten begangen zu haben.

So soll er gegen den Willen seiner Lebensgefährtin sexuelle Handlungen vorgenommen haben, wobei er versucht habe, mit dem Opfer den Beischlaf zu vollziehen. Zweitens habe er aus niedrigen Beweggründen und um eine andere Straftat zu verdecken, einen Menschen getötet. Zudem soll er ein fremdes Gebäude in Brand gesetzt haben.

Der Oberstaatsanwalt wirft dem 34-Jährigen vor, die Lebensgefährtin ermordet zu haben. Anfang September 2025 sei es zur Trennung gekommen. Beide sollen aber noch gemeinsam in einer Doppelhaushälfte in Gyhum gewohnt haben. „Der Angeklagte wünschte sich einen Neubeginn der Beziehung“, so die Staatsanwaltschaft, was die Frau nicht wollte. Am 23. September soll es deswegen zwischen 21 und 21.45 Uhr zu einem heftigen Streit gekommen sein.

Einsatzkräfte sichern Spuren am Tatort, nachdem ein 34-Jähriger dort seine Lebenspartnerin getötet haben soll. 

Einsatzkräfte sichern Spuren am Tatort, nachdem ein 34-Jähriger dort seine Lebenspartnerin getötet haben soll. Foto: Sina Schuldt/dpa

Mordprozess: Opfer soll sich gewehrt haben

Später soll er sie sexuell angegangen sein, um den Geschlechtsverkehr zu vollziehen. „Es kam jedoch nicht dazu, weil sich das Opfer dagegen wehrte“, so der Oberstaatsanwalt.

Der Angeklagte soll mehrfach auf den Kopf der Frau eingeschlagen und sie am Hals gewürgt haben. Zudem soll er sie mit einem Messer angegriffen haben, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. An den Armen des Opfers sollen sich Abwehrverletzungen befunden haben. Überdies soll ihr der Angeklagte mit einem Querschnitt die Kehle durchgeschnitten haben, ihr weitere Stich- und Schnittwunden unter anderem am Mund und an den Unterarmen zugefügt haben, „um das Verbluten zu beschleunigen“.

Der Oberstaatsanwalt: „Er tat dies, um zu verhindern, dass sie den vorangegangenen sexuellen Übergriff anzeigt. Und weil er nicht akzeptieren wollte, dass sie die Beziehung beendet hatte und zu keinem Neubeginn bereit war“, sondern möglicherweise eine andere Beziehung eingehen würde. Noch in derselben Nacht, am 24. September gegen 1.27 Uhr, soll er das Haus verlassen und sich zu einer Scheune im Ort begeben haben, um dort gegen 1.47 Uhr mit einem Feuerzeug Stroh zu entzünden.

Die Staatsanwaltschaft: „Er tat dies, um Einsatzkräfte von dem Mord abzulenken.“ Die Scheune mit etwa 600 Ballen Stroh und mehreren landwirtschaftlichen Maschinen brannte vollständig ab. Schaden: rund 149.000 Euro.

Angeklagter stellt sich der Polizei

Während die Staatsanwaltschaft zunächst von versuchter Vergewaltigung ausgeht, dürfte diese nach vorläufiger Bewertung der Richter aber vollendet gewesen sein. Um diese zu verdecken und aus niedrigen Beweggründen, habe der Angeklagte die Frau getötet. Der Angeklagte äußert sich vorerst nicht zu den Vorwürfen. „Wir werden zurzeit schweigen“, so sein Verteidiger, zumal sein Mandant noch untersucht werde.

Als erster Zeuge sagt ein Polizist aus, bei dem der Angeklagte in der Tatnacht gegen 3.30 Uhr auf dem Polizeikommissariat Zeven mit einem Cousin erschienen war. „Ich habe Scheiße gebaut“, soll der 34-Jährige gesagt haben, nämlich seine Freundin umgebracht. „Er wirkte verzweifelt, emotional aufgebracht“, schildert der Polizist. Mal sei er ruhig, mal „weinerlich“ gewesen. Er habe viel auf den Boden geschaut.

Angeklagter aus Gyhum schweigt zu Vorwürfen im Mordprozess

Der Angeklagte habe erwähnt, es habe seit längerer Zeit Streit zwischen dem Paar gegeben, sie soll ihn betrogen haben. Abends habe er sich ins Bett gelegt und sei nachts aufgewacht, weil er seine Freundin im Erdgeschoss habe schreien hören. Sie habe ein Messer in der Hand gehabt und gesagt, dass sie ihn tot sehen wolle. Sie habe angefangen, mit einem Messer herumzufuchteln, er habe sich gewehrt, dabei habe sie ihm in die Hand gebissen. Er sei an das Messer gelangt und habe zugestochen.

Nach der Tat habe er sich selbst umbringen, aber vorher mit dem Feuer davon ablenken wollen. Zurück zu Hause habe er es nicht mehr fertiggebracht, sich umzubringen.

Während all der Schilderungen verfolgt der Angeklagte das Geschehen im Gerichtssaal äußerlich ruhig und schreibt gelegentlich mit. In der Tatnacht hingegen soll er auf der Polizeiwache in Zeven zeitweise geradezu hyperventiliert haben, so dass ein Rettungswagen gerufen wurde, um ihn medizinisch zu untersuchen. Ergebnis: alles in Ordnung. „Er schien Schwierigkeiten zu haben, zu realisieren, was gerade passiert ist“, schildert der Polizist seinen Eindruck.

Viele Blumen und Kerzen stehen vor dem Haus in Gyhum, die Anteilnahme ist groß.

Viele Blumen und Kerzen stehen vor dem Haus in Gyhum, die Anteilnahme ist groß. Foto: Harder-von Fintel

Der Einlassung des Anwalts, die Belehrung auf der Polizeiwache sei nicht hinreichend gewesen und „was dort gesagt wurde meiner Meinung nach nicht verwertbar“, widerspricht die Staatsanwaltschaft: „Der Angeklagte wusste, wem er gegenübersteht.“ Er sei nüchtern und körperlich gesund gewesen, aufgeregt nur wegen der Tat. Ein zweiter Polizist als Zeuge bestätigt, der Angeklagte sei auf der Wache nüchtern erschienen, ein Drogentest sei negativ verlaufen. Er habe unter anderem Verletzungen an der linken Hand gehabt.

Prozesszuschauer mussten abgewiesen werden

Das Interesse an dem Prozessauftakt war groß. Die Menschen standen am Dienstag Schlange auf der Treppe des Landgerichts in Stade. Längst nicht alle von ihnen bekamen einen Platz auf der Besucherbank in Saal 209.

Ein Gerichtsmitarbeiter sagte, dass es am Nachmittag eventuell möglich sei, in den Saal zu kommen. Derzeit könne der große Saal nicht genutzt werden, da er renoviert werde, hieß es. Der Mordprozess werde deshalb in einem kleineren Saal mit weniger als 20 Besucherplätzen verhandelt.

Dass der Saal zu klein sei, bemängelte auch einer der Anwälte. Rund 30 Personen habe man deshalb abweisen müssen. Jetzt soll geprüft werden, künftig in einem größeren Saal zu verhandeln.

Laut dem Gerichtssprecher sind für den Prozess sieben Verhandlungstage bis zum 20. Mai vorgesehen. Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt.

Der Angeklagte versteckt am Dienstagmorgen im Landgericht Stade sein Gesicht.

Der Angeklagte versteckt am Dienstagmorgen im Landgericht Stade sein Gesicht. Foto: Hilken

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