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TFreiheit auf Rädern: Wie ein Harsefelder Start-up Menschen mit Behinderungen hilft

Rouven Albrecht (links) und Bajo Tomfohrde vom Start-up moooov, das mit dem Gründerstar ausgezeichnet wurde.

Rouven Albrecht (links) und Bajo Tomfohrde vom Start-up moooov, das mit dem Gründerstar ausgezeichnet wurde. Foto: P. Meyer

Autos für Rollstuhlfahrer nutzbar zu machen, das ist die Idee hinter der Firma moooov. Warum Mobilität Freiheit bedeutet, weiß Gründer Rouven Albrecht aus eigener Erfahrung.

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Von Pauline Meyer
Montag, 05.01.2026, 11:50 Uhr

Harsefeld. „Mobilität bedeutet ein großes Stück Freiheit“, sagen die Gründer Bajo Tomfohrde und Geschäftsführer Rouven Albrecht aus Ahlerstedt. Die Jugendfreunde haben es sich mit ihrem Unternehmen moooov zur Aufgabe gemacht, Mobilität für Menschen mit körperlichen Behinderungen zu ermöglichen. Maßgeschneidert und ganz individuell - das sei entscheidend. Denn: „Jedes Handicap ist anders“, erklärt Geschäftsführer Albrecht.

Der 39-Jährige weiß, wovon er spricht. Im Alter von 16 Jahren hatte Rouven Albrecht einen schweren Moped-Unfall. Seither ist er ab dem zweiten Brustwirbel abwärts gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Rückblickend habe er - angesichts seiner Situation - großes Glück gehabt, sagt er.

Das Team von moooov sorgt dafür, dass Mobilität auch für Menschen mit Handicap möglich und einfach wird.

Das Team von moooov sorgt dafür, dass Mobilität auch für Menschen mit Handicap möglich und einfach wird. Foto: SICHTBARfotografie2024

Familie und Freunde hätten ihn damals unterstützt, es ihm einfach gemacht, sich einen Alltag und ein Leben mit der Querschnittslähmung aufzubauen. „Rouven war trotzdem überall mit dabei“, erinnert sich Bajo Tomfohrde. Ob Unfug machen, Freunde treffen oder auf Feiern: „Da war Rouven eben mit dem Rollstuhl auf der Tanzfläche.“

Frührente für Menschen mit Behinderung ist nicht immer die beste Lösung

Diese persönliche Lebenserfahrung prägt bis heute die Arbeit der moooov-Gründer. Rouven Albrecht kennt die Herausforderungen des Alltags und wie schwer es für Rollstuhlfahrer sein kann, von A nach B zu kommen - besonders auf dem Land.

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt zu fahren, sei ohne Hilfe quasi unmöglich. Das wirke sich direkt auf das Berufsleben aus. Viele Menschen mit Beeinträchtigung würden frühzeitig in Rente geschickt, obwohl sie mit einer geeigneten Fahrzeugumrüstung und unterstützenden Hilfsmitteln weiterhin arbeiten könnten, wissen Albrecht und Tomfohrde.

Bajo Tomfohrde im Exoquad. Damit geht es über Stock, Stein und Sand.

Bajo Tomfohrde im Exoquad. Damit geht es über Stock, Stein und Sand. Foto: P. Meyer

Genau hier setzt moooov an. Das Unternehmen versteht sich als Schnittstelle zwischen Hilfsmittel und Pkw und macht diese beiden Komponenten miteinander kompatibel. Denn eine Standardlösung gibt es nicht. So braucht ein Kunde mehr Unterstützung beim Einstieg in das Auto, während ein anderer Hilfe beim Verladen des Rollstuhls benötigt. Die Fahrzeuge werden je nach Bedarf mit Lenkhilfen, Kofferraumliftern oder einem Rollstuhlkran für das seitliche Verladen ausgerüstet.

„Wer geistig in der Lage ist, Auto zu fahren und eine minimale Restkraft in den Armen hat, dem können wir ermöglichen, ein Fahrzeug zu führen“, so Rouven Albrecht. Das Unternehmen schließt damit eine Marktlücke. Vergleichbare Anbieter gibt es kaum: Von Nordrhein-Westfalen bis nach Norddeutschland zählt moooov zu den wenigen Firmen, die Kfz-Sonderbau und Hilfsmittelversorgung in Kombination anbieten.

Für ihr Geschäftsmodell ausgezeichnet

Für ihre Idee erhielten Rouven Albrecht und Bajo Tomfohrde kürzlich den Gründerstar in der Kategorie Geschäftsmodell. Hinter moooov stecken aber noch weitere Gesellschafter - allesamt aus dem Gebiet des Kfz- und Rollstuhl-Sonderbaus.

Das neue Büro befindet sich in der Harsefelder Innenstadt im Gebäude des Kino-Hotels Meyer und zieht Kunden aus ganz Deutschland an, berichten Albrecht und Tomfohrde. Jeder bringt ein individuelles Krankheitsbild und ganz eigene Bedürfnisse mit - von Querschnittslähmungen bis hin zu Nervenkrankheiten.

„Das Thema ist natürlich sehr persönlich“, sagt Rouven Albrecht. Bei der Beratung gehe das Team daher behutsam vor, müsse aber auch gezielt nachfragen. Etwa zum Krankheitsbild, zur Diagnose oder zur Prognose. Nur so lasse sich eine individuelle Lösung finden.

Führerschein mit Handicap ist ein großes Thema

Als Nächstes steht für Bajo Tomfohrde und Rouven Albrecht die Beratung eines Landwirts an, der verunglückt ist und bald wieder auf seinem Hof arbeiten möchte. Auch für ihn will das Team von moooov zum Möglichmacher werden. Albrecht und Tomfohrde stehen zudem bei Fragen rund um den Führerschein mit Handicap beratend zur Seite. „Das ist ein extrem aufwendiger Prozess und für viele eine große bürokratische Herausforderung.“

Neben Funktionalität und Passgenauigkeit spielt für moooov auch die Optik eine Rolle. „Warum soll das Ganze nicht auch cool aussehen?“, fragen die Gründer. Schließlich gehe es darum, dass die Menschen sich wohlfühlen - und selbstständig dorthin kommen, wo andere auch hinkommen.

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