TFundstück von 1914: Ehepaar aus Buxtehude entdeckt historische Zeitung
Helga und Folkert Steinfeldt studieren gemeinsam die 112 Jahre alten Schlagzeilen. Foto: Weil
Ein Dachbodenfund führt Helga und Folkert Steinfeldt auf eine bewegende Zeitreise. Eine Zeitung von 1914 offenbart die Schrecken des Ersten Weltkriegs.
Buxtehude. Seit mindestens einem halben Jahrhundert sind Helga und Folkert Steinfeldt aus Immenbeck treue Leser des TAGEBLATT. Nun hatten sie neben der tagesaktuellen Ausgabe Historisches zu lesen: eine Zeitung von 1914.
Dass dieses Fundstück vom Dachboden nicht einfach ins Altpapier gehört, war für das Ehepaar Steinfeldt sofort klar. Sie nahmen Kontakt zur TAGEBLATT-Redaktion auf, um ihren Fund zu übergeben. Das Buxtehuder TAGEBLATT wurde früher unter dem Namen Buxtehuder Wochenblatt verlegt.
Familiengeschichte(n) aus den Dörfern rund um Buxtehude
Im Gespräch erzählt Helga Steinfeldt vom Aufräumen in ihrem bäuerlichen Elternhaus in Ovelgönne. An die wiederentdeckte Aussteuertruhe ihrer Großmutter von 1909 konnte sie sich gut erinnern, schließlich stand die jahrelang in ihrem Jungmädchenzimmer.

Zeitung 1914: Buxtehuder Wochenblatt vom 1. Oktober 1914 - historischer Fund vom Dachboden. Foto: Weil
„Diese Truhen haben innen so Seitenfächer mit Deckel. Darin lag diese Zeitung“, berichtet sie. Warum gerade dieses Blatt aufbewahrt wurde, kann Helga Steinfeldt nicht erklären, aber die Lektüre führt sie schnell in Kindheitserinnerungen und Familiengeschichte(n) aus den Dörfern rund um Buxtehude. Bei Erscheinen der Zeitung am 1. Oktober 1914 befand sich Deutschland seit fast einem Monat im Ersten Weltkrieg.
Berührende Geschichte des Vaters
Auch Helga Steinfeldts Großvater wurde eingezogen und musste kämpfen. Seine Erfahrungen blieben in der Familie ebenso in Erinnerung wie später die Kriegserlebnisse ihres Vaters. Sie selbst ist zwar erst zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges geboren, aber die Geschichte von der Heimkehr ihres Vaters kennt Helga Steinfeldt dennoch genau: wie er zu Fuß von Tschechien heimwärts gewandert sei und sich bei seiner Ankunft in den letzten Kriegstagen erst einmal bei Bekannten in Ketzendorf seiner Uniform entledigen musste.
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Erst zivil gekleidet wagte er sich bei Nacht ins britisch besetzte Ovelgönne. Seine eigene Mutter – Helgas Großmutter – habe ihn nicht erkannt. Sie sei eine resolute Frau gewesen und habe ihn erst gar nicht ins Haus lassen wollen. Die Großmutter ist in Helga Steinfeldts Erinnerungen sehr präsent, von ihr habe sie viel gelernt und in ihrem Lebensmittelladen habe sie als Fünfjährige hinter dem Tresen gestanden.
Baden im Mühlenteich und Brotbacken
„Wir sind behütet aufgewachsen, aber wir mussten auch viel helfen“, berichtet sie. Gemeinsam mit ihrem Mann Folkert blickt sie zurück auf das dörfliche Leben ihrer Jugend. „Es gibt heute weniger Gemeinschaft. Die Leute befassen sich nur noch mit ihren Handys, statt miteinander zu reden“, schildert das Ehepaar.
Zu erzählen haben Helga und Folkert Steinfeldt viel: vom Baden im Mühlenteich, vom Brotbacken im Lehmbackofen, vom Torfstechen im Moor, vom ersten vom Großvater erbettelten und bei Elektro-Blanke in Buxtehude beschafften Fernseher, vom Schützenfest, auf dem sich das Paar als Jugendliche kennenlernte.
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Mit der Lektüre des TAGEBLATT-Vorläufers geht die Zeitreise weiter zurück. Die Zeitung erschien vor fast 112 Jahren täglich und kostete im Abo 1,60 Mark pro Vierteljahr. 1914 ist der Krieg mit seinen Entwicklungen an der Front und den Auswirkungen für den Alltag prägend.
Neben Berichten über Kampfhandlungen geht es um Propaganda und Fehlinformationen. So wird beklagt, dass in der britischen Presse falsche Informationen über die angeblich schlechte Versorgungslage in Berlin verbreitet werden. Daneben finden sich zahlreiche Aufrufe an die Bevölkerung, Lebensmittel, Geld, kriegsdienliche Gegenstände wie Ferngläser sowie Genussmittel, insbesondere Tabakwaren, zu spenden.
Todesanzeigen: Drei Männer sterben an der Front
Damit sollen Soldaten, Verwundete und die Hinterbliebenen der im Krieg Getöteten unterstützt werden. Daneben werden detaillierte Listen über geleistete Spenden inklusive Namen veröffentlicht. Der Bürgermeister verkündet die Gründung einer Jugendwehr und weist darauf hin, dass die Teilnahme an deren Übungen für alle (männlichen) Jugendlichen ab 16 Jahren Pflicht ist. Aus heutiger Sicht liest sich dieser Aufruf beklemmend.
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Schon auf der folgenden Seite erscheinen drei Anzeigen, die den „Heldentod fürs Vaterland“ bekannt geben. Der jüngste Verstorbene ist 23 Jahre alt. Wer neugierig ist auf eine Reise in die 172-jährige Pressegeschichte sollte sich an das Stadtarchiv wenden. Dort sind viele TAGEBLATT-Jahrgänge und seiner Vorgängerpublikationen digital verfügbar.
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