TGefährdete Orchideenart: Breitblättriges Knabenkraut liebt Moor
Im schönsten Violett: Breitblättriges Knabenkraut. Foto: Schaffhäuser
Pflanzen werden von Insekten bestäubt. Nicht so die Orchideen. Das Breitblättrige Knabenkraut arbeitet mit anderen Mitteln. Aber ihm fehlt häufig die Feuchtigkeit.
Landkreis. Pflanzen locken ihre Besucher mit Duft und bunten Blütenblättern an. Fliegt ein Insekt zur Blüte, erhält es als Belohnung Nektar. Nach der Bestäubung und der darauf folgenden Befruchtung bilden sich Samen. Sie fallen auf den Boden, keimen und neue Pflanzen können entstehen. Bei Orchideen, zu denen das Breitblättrige Knabenkraut gehört, ist manches anders.
Das Knabenkraut blüht im Frühjahr. Jetzt sind viele Bestäuber unterwegs: Hummeln, Schmetterlinge und Bienen. Es gibt viele Blütenpflanzen, die Bestäuber anlocken. Die Konkurrenz ist groß. Die Methode des Knabenkrauts: Es entwickelt einen hoch aufgewachsenen, prächtigen Blütenstand mit vielen Einzelblüten.
Die Blüten produzieren keinen Nektar, duften nicht, aber sie sind wundervoll magentafarben. Das wirkt oft auf unerfahrene, neugierige Hummeln, die zum Blütenstand fliegen. Sie landen auf den Blüten, fahren ihre Rüssel aus und führen ihn in die Blüte.
Hummel fliegen auf sie, gehen aber leer aus
Doch hier gibt es keine Belohnung für sie. Orchideen produzieren keinen Nektar. Unerfahrene Hummeln überrascht das. Gibt es hier wirklich nichts zu holen? Sie kriechen nun noch tiefer in die Blüte hinein. Nein, kein Nektar.
Dieses tiefe Hineinarbeiten in die Blüte hat zur Folge, dass viel Pollen abfällt. Dazu gibt es eine Spezialität beim Orchideenpollen: Er wird in Paketen abgegeben, die mit einem klebrigen Stiel versehen sind. Arbeitet eine Hummel in der Orchideenblüte, dann wird ihr solch ein Pollenpaket fest an den Kopf geklebt. Damit fliegt sie weiter zum nächsten Knabenkraut und bestäubt es.
Naturphänomene
T Weberknecht: Staksiger Nachtwandler und ziemlich robust
Nicht nur Blüte und Bestäubung sind bei Orchideen anders, auch die Samen haben Überraschendes zu bieten: Sie sind mikroskopisch klein wie ein Staubkorn. In ihrem Inneren befindet sich ein Hohlraum, der die Winzlinge gut fliegen lässt.
Haben sie sich schon bei einem kleinen Windstoß vom Fruchtstand der verblühten Orchidee gelöst, können sie leicht zehn Kilometer weit fliegen. Fallen sie auf den Boden, wird es kompliziert: Die Samen keimen nur dann, wenn sie im Boden einen speziellen Pilz finden, von dem sie Nährstoffe erhalten.
Orchideenwiesen werden immer seltener
Dieser Pilz gedeiht nur auf feuchten Böden. Auch für den Notfall ist Vorsorge getroffen, denn die Samen können jahrelang ausharren und auf günstige Bedingungen warten. Weil sehr spezielle Bedingungen passen müssen, produziert das Breitblättrige Knabenkraut besonders viele Samen.
Jede Frucht kann 5000 kleine Samen herstellen. Wenn die Insekten im Frühjahr fleißig waren, können sich an einer Pflanze vielleicht 200.000 Samen entwickeln - und eventuell keimen einige von ihnen.
Die meisten Standorte des Breitblättrigen Knabenkrauts befinden sich in Deutschland. Aber die Pflanze mag weder Trockenheit noch Düngung, sie braucht feuchte, moorige Böden. Deshalb sind viele Bestände durch die intensive Landwirtschaft, Entwässerung und extreme Trockenheit bereits vernichtet. Auch im Landkreis Stade sind Orchideenwiesen außerordentlich selten geworden. Können die letzten Vorkommen noch gerettet werden?
Serie und Buch zum Thema
Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge.
Die Serie „Phänomene der Natur“ rückt Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.
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