T„Gerührt und ergriffen“: So erlebt verletzter Topspieler den D/A-Sieg
D/A feiert den 5:1-Sieg gegen Norderstedt. Jorik Wulff hält das Trikot des verletzten Maximilian Geißen in die Kamera. Foto: Sven Lauks (nomo)
Der verletzte D/A-Spieler Maximilian Geißen verfolgt den 5:1-Sieg gegen Norderstedt am Laptop. In der Zeit des Triumphs denken seine Kollegen an ihn. Das berührt.
Drochtersen. Links unten versenkt Haris Hyseni in der 55. Minute den Strafstoß zur 2:1-Führung für D/A. Erst feiern die Spieler auf dem Rasen. Dann läuft Hyseni in Richtung Auswechselbank. Ein Betreuer reicht ihm das rote Trikot mit der Nummer 23. Das Trikot von Maximilian Geißen. Hyseni hält es vor der Haupttribüne hoch. Auf einem Sofa zu Hause ist jemand gerührt.
Maximilian Geißen fällt wegen eines Kreuzbandrisses mehrere Monate aus. Foto: Struwe (nomo)
Ende Januar hat sich Maximilian Geißen das Kreuzband gerissen. Der 26-jährige Mittelfeldspieler galt bis dahin als einer der Leistungsträger im Spiel des Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel. Als einer, der in der Zentrale unauffällig aber effektiv seinen Job erledigt, keine Fehler macht, Bälle verteilt und sie vorher erobert. Geißen ist verlässlich und in der Startelf 19 Mal gesetzt.
Kreuzbandverletzung: Fast ein Jahr raus
Jetzt bremst ihn eine der wohl schlimmsten Sportverletzungen aus. Das Auskurieren eines Kreuzbandrisses dauert mitunter ein Dreivierteljahr und länger. Geißen entwöhnt sich jetzt, vier Wochen nach dem Tag X, so langsam von den Krücken. Den 5:1-Sieg seiner Mannschaft gegen Eintracht Norderstedt am Freitagabend verfolgt er über den Livestream am Laptop. Weit weg in Hamburg, aber doch irgendwie dabei.
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„Es ist ungewohnt, ein Spiel am Laptop zu verfolgen. Und es tat auch ein bisschen weh“, sagt Geißen. Als er den Kollegen Hyseni mit dem Trikot sieht, ist er „gerührt und ergriffen“.
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In den sozialen Netzwerken postet D/A nach dem Sieg gegen Norderstedt ein Jubelfoto. Jorik Wulff hält Geißens Trikot in der ersten Reihe in die Kamera. Geißens Berater schickt Sportdirektor Sören Behrmann am nächsten Tag eine Nachricht: „Geile Aktion. Das hat Kraft gegeben.“ Da spricht der Berater Geißen offenbar aus der Seele.
Geißen haut Sattler Fragen um die Ohren
Geißen erzählt, dass er am Tag der Verletzung am Boden zerstört gewesen sei. „Es war ein heftiger Schock.“ Die ganze Tragweite eines Kreuzbandrisses versteht der Kopf erst Tage später. Aber er habe viel Anteilnahme erfahren. Jetzt gehe es bergauf. „Ich habe den Schalter umgelegt, auch mental“, sagt Geißen. Ein Mitspieler hat ihm dabei besonders geholfen.
Offensivspieler Martin Sattler ereilte ein ähnliches Schicksal im vergangenen Sommer. „Er ist mein Ansprechpartner. Er unterstützt mich“, sagt Geißen. „Ich haue ihm täglich meine Fragen um die Ohren.“ Die beiden tauschen Erfahrungen aus.
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Mit dem noch nicht wiedergenesenen Martin Sattler hatte D/A den Vertrag vor einigen Wochen verlängert. „Wir werden auch Maxi in dieser schwierigen Zeit nicht im Stich lassen“, sagt Sportdirektor Sören Behrmann. Das hört sich verdächtig danach an, dass auch Geißen noch ein paar Jahre in Drochtersen spielen wird. Die Mannschaft hat ihn am ersten Spieltag nach der Winterpause auf jeden Fall nicht vergessen.
Via Handy: Verletzter in der Kabine live dabei
Das beginnt vor dem Norderstedt-Spiel bereits in der Umkleidekabine. Dort, wo sich die Spieler unmittelbar vor dem Anpfiff final auf den Gegner einstimmen, sich bei lauter Musik motivieren. Maxi Geißen ist auf dem kleinen Bildschirm eines Handys via Face Time zugeschaltet. Er verfolgt die Ansprache, die Rufe, das Gegröle und die Musik live.

Matti Steinmann (links) und Robin Kölle feiern das Führungstor. Foto: Sven Lauks (nomo)
Dann beginnt das Spiel. Geißen sieht, wie seine Kollegen gegen Norderstedt früh anrennen. Er verfolgt, wie D/A versucht, die Spielkontrolle zu erlangen. Er zittert bei zwei Hochkarätern der Norderstedter in der ersten Halbzeit mit. Er jubelt beim 1:0 von Matti Steinmann in der 26. Minute vor dem Laptop mit.
Geißen sieht fünf Tore und starke Standards
Am Tag danach erfährt Geißen, dass Steinmann schon nach dem ersten Tor sein Trikot hochhalten wollte. Der Torschütze stand sekundenlang gestikulierend an der Außenlinie. Offenbar hatte die Bank geschlafen. Beim 2:1 von Hyseni klappte dann alles. „Das war für die ganze Mannschaft ein Bedürfnis. Jeder weiß, wie wichtig Maxi ist“, sagt Hyseni. Das Team hoffe, dass Geißen so schnell wie möglich zurück auf dem Feld sei.
Der Verletzte verfolgt eine starke zweite Halbzeit. Starke Standards, präzise Ecken und Freistöße. Balleroberungen, Laufbereitschaft selbst in der Schlussphase, als das Spiel schon längst entschieden ist.
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Torgefährlicher Innenverteidiger: Tjorve Mohr trifft gegen Norderstedt. Foto: Sven Lauks (nomo)
Liam Giwah erzielt in der 58. Minute das 3:1. Der Innenverteidiger wird zuvor von einem Norderstedter angeköpft. Tjorve Mohr veredelt in der 78. Minute eine Flanke von Nico von der Reith zum 4:1. Der eingewechselte Sebastian Haut markiert drei Minuten vor Schluss das 5:1 für D/A. Noch so eine besondere Geschichte dieses Spiels.
Gegen Phönix Lübeck wieder auf der Tribüne
Haut schießt nicht viele Tore. Es ist sein drittes für D/A, seitdem er 2022 aus Rödinghausen kam. „Wir hätten das Spiel auch so gewonnen. Aber ich habe das Gefühl, die Jungs haben sich mit mir mit gefreut. Das macht es so besonders für mich“, sagt Haut, der in den vergangenen Monaten seine Rolle als Reservist angenommen hat. Übrigens war Maximilian Geißen daran nicht ganz unschuldig. Die beiden spielen auf ähnlichen Positionen.
An Fußballspielen ist bei Geißen erstmal nicht zu denken. Wenn er die Krücken endlich in die Ecke legen darf, freut er sich, wieder ein Spiel live im Stadion zu verfolgen. Vielleicht schon am nächsten Spieltag auswärts bei Phönix Lübeck.
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