TGeschäftsleute in Buxtehude wehren sich gegen Verkehrsversuch
Fevzi Güven vor seinem Friseursalon in der Bahnhofstraße: Zusammen mit 44 anderen Gewerbetreibenden wendet er sich an die Stadt Buxtehude. Foto: Sulzyc
Geschäftsleute wie Fevzi Güven beschweren sich über die neue Verkehrsführung in der Bahnhofstraße. Warum sie auf ein vorzeitiges Ende des Verkehrsversuchs drängen.
Buxtehude. Friseurleistungen kosteten im September nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 4,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dagegen hat Fevzi Güven die Preise für einen Haarschnitt um zwei Euro gesenkt. Auf diese Weise versucht der Inhaber des Friseursalons Güven‘s Cut, Kunden und Kundinnen zum Weg in die Bahnhofstraße zu bewegen.
Den Grund, warum ihm Laufkundschaft abhanden gekommen sei, glaubt Fevzi Güven zu kennen: die neue Verkehrsführung in der Bahnhofstraße, die seit September gilt.
Seit dem 10. August ist die Bahnhofstraße eine Einbahnstraße. Kraftfahrzeuge dürfen nicht mehr in Richtung Bahnhof fahren. Foto: Sulzyc
Mit dem Verkehrsversuch, der am 10. August begann, dürfen Kraftfahrer die Bahnhofstraße nur noch in Richtung Altstadt befahren. Wer aus der anderen Richtung kommt, meint Güven, verpasse dann die Angebote der Geschäftsleute hier, denn er müsse ja eine andere Route wählen.
Güvens Erklärung: Warum Kunden die Bahnhofstraße meiden
Umsatzrückgänge in Folge der neuen Verkehrsregelung beklagt der Friseursalonbetreiber. Allgemein gestiegene Verbraucherpreise könnten auch ein Grund sein, erwähnt Güven. Aber: Viele Kundinnen und Kunden hätten ihm gesagt: Sie verlören wegen der neuen Verkehrsführung Zeit, verbrauchten mit dem Auto mehr Sprit und mieden deshalb die Bahnhofstraße.
Ältere Menschen und Eltern von jungen Kindern hätten ihm berichtet, sie hätten Angst, mit dem Fahrrad eine Fahrbahn gemeinsam mit Kraftfahrzeugen zu befahren - ein weiteres Merkmal des Verkehrsversuchs. „Wir müssen ernst nehmen, was Kunden und Kundinnen uns sagen“, sagt Fevzi Güven.
So bewerten Geschäftsleute den Verkehrsversuch
Mit seiner Meinung steht der Friseursalonbetreiber nicht alleine da. 45 Gewerbetreibende wehren sich in einem offenen Brief an die Stadt Buxtehude gegen den Verkehrsversuch in der Bahnhofstraße. Sie sind davon überzeugt, dass die neue Verkehrsregelung Kunden abschreckt.
Die Folgen des Verkehrsversuchs beschreiben die Unterzeichner so: „Die eingeschränkte Erreichbarkeit führt täglich zu Verkehrsverlagerungen, Staus und erheblichen Umwegen für Kunden, Besucher, Lieferanten und Dienstleister. Viele Menschen berichten, dass sie die Innenstadt aufgrund der komplizierten Verkehrsführung meiden oder ihre Besuche reduzieren.“
Das fordern die Gewerbetreibenden
Weiter heißt es in dem Schreiben: „Zahlreiche Geschäfte verzeichnen seit der Umstellung einen Rückgang der Kundenfrequenz sowie Umsatzverluste.“ Daher fordern die Gewerbetreibenden, die unterzeichnet haben, eine umfassende Überprüfung der aktuellen Verkehrsregelung in der Bahnhofstraße.
Mit Daten einer Online-Umfrage unterfüttern Gewerbetreibende ihre Einschätzung des Verkehrsversuchs. Mitinitiator ist Marco Schaening. Von der Brillen Lounge sieht der Geschäftsmann täglich das Treiben auf der Bahnhofstraße. Ein Zwischenergebnis aus 2580 abgegebenen Kommentaren hat er ausgewertet. „Das sind echte Meinungen von echten Menschen“, sagt er.
Das sind Ergebnisse einer Online-Umfrage
In der Gruppe der Gewerbetreibenden, Angestellten in Geschäften und Anwohnern äußern sich demnach 410 Kommentare (15,9 Prozent) ablehnend zu der neuen Verkehrsreglung - ausdrücklich positiv sind nur 15 Kommentare (0,6 Prozent).
Bisher galten Radfahrer als die größte Lobby der neuen Verkehrsregelung. In der Auswertung der Online-Umfrage zeichnet Schaening ein anderes Bild: 108 Kommentare äußerten sich eindeutig positiv - das seien lediglich 4,2 Prozent des Gesamtergebnisses.
Die restlichen 95,8 Prozent der Kommentare waren entweder neutral, besorgt oder überwiegend negativ. Gründe dafür seien Konflikte mit Bussen und Autos oder Sorgen um Kinder und Ältere.
Provozierender Terminvorschlag
In einer eigenen Umfrage will die Stadt Buxtehude, die Meinung der Menschen zum Verkehrsversuch ergründen. Die Online-Umfrage läuft bis einschließlich Freitag, 6. November.
„Wir möchten die Ergebnisse unserer Online-Umfrage der Stadt präsentieren“, sagt Marco Schaening. Fevzi Güven und er hoffen, dass die Stadtverwaltung dazu eine Delegation der Gewerbetreibenden empfängt. Der Terminvorschlag dürfte provozierend für den öffentlichen Dienst klingen: „Vielleicht an einem Sonnabend um 13 Uhr, wenn Geschäftsbetreiber Zeit haben“, sagt Schaening.
Vorschlag zur Verkehrssicherheit
Klare Worte findet Marco Schaening zu den Erwartungen der Gewerbetreibenden, die den offenen Brief unterzeichnet haben: „Die wichtigste Forderung ist die Rücknahme der Einbahnstraßenregelung.“
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Zu den Zielen, die Bahnhofstraße zu entschleunigen und sicherer zu machen, macht der Gewerbetreibende diesen Vorschlag: „Zebrastreifen in Höhe Marktkauf, Woolworth und City-Kino - das würde den Verkehr ausbremsen.“
Hinweis der Redaktion: Zunächst hieß es, Kraftfahrer dürfen die Bahnhofstraße nur noch in Richtung Bahnhof befahren. Richtig ist: Sie dürfen die Bahnhofstraße nur in Richtung Altstadt und nicht mehr in Richtung Bahnhof befahren.
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