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Ehrenamt in der Krise

TGirlanden in Buxtehude: Darum ist der Straßenschmuck in Gefahr

Das Foto aus dem Jahr 2025 zeigt Girlanden in den Buxtehuder Stadtfarben Blau und Gelb. Regelmäßig im Frühling und Sommer verschönern die Wimpel den Platz vor dem Rathaus (Foto) sowie Wege in der Innenstadt.

Das Foto aus dem Jahr 2025 zeigt Girlanden in den Buxtehuder Stadtfarben Blau und Gelb. Regelmäßig im Frühling und Sommer verschönern die Wimpel den Platz vor dem Rathaus (Foto) sowie Wege in der Innenstadt. Foto: Thies Meyer

Ab Frühling verschönern Girlanden die Straßen und Plätze in der Buxtehuder Innenstadt. Vielleicht aber nicht mehr in Zukunft. Denn einer der beteiligten Akteure hört auf.

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Von Thomas Sulzyc
Sonntag, 05.04.2026, 11:50 Uhr

Buxtehude. Regelmäßig überspannen im Frühling und Sommer Girlanden Straßen und Plätze in der Buxtehuder Innenstadt. Vor allem vor dem Rathaus fällt der Schmuck auf.

Weil die Wimpel in den Buxtehuder Stadtfarben Blau und Gelb gehalten sind, meinen viele Menschen, die Stadt Buxtehude selbst installiere sie. Doch sie irren: Der Straßenschmuck geht auf den Altstadtverein, also die Organisation der Einzelhändler, in Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Buxtehude zurück. Alles ehrenamtlich - zumindest bisher.

Wenn vor dem Rathaus in Buxtehude der traditionelle Zapfenstreich der Schützengilde von 1583 stattfindet, schmücken Girlanden in Blau und Gelb den Rathausplatz.

Wenn vor dem Rathaus in Buxtehude der traditionelle Zapfenstreich der Schützengilde von 1583 stattfindet, schmücken Girlanden in Blau und Gelb den Rathausplatz. Foto: Fehlbus

Dass die Verschönerung des Stadtbildes nicht selbstverständlich ist, wurde während der Jahreshauptversammlung des Altstadtvereins deutlich. Die Einzelhandelsvereinigung steht unter Kostendruck. Ein Defizit von 55.000 Euro in der Gesamtjahresbilanz 2025 muss sie ausgleichen.

Keine originäre Aufgabe der Feuerwehr

Die freiwilligen Feuerwehrleute müssen Beruf, Familie und Ehrenamt vereinbaren, was oft zu einer hohen Belastung führt. Der Ausweg daraus: der Verzicht auf zusätzliche freiwillige Aufgaben. Buxtehuder Feuerwehrleute werden deshalb nicht mehr in ihrer Freizeit die Wimpelketten an Straßen und Plätzen installieren und wieder abbauen.

Die Gründe erläutert Ortsbrandmeister Sebastian Hinsen von der Ortsfeuerwehr Buxtehude (150 Aktive) auf TAGEBLATT-Anfrage in einer ausführlichen schriftlichen Stellungnahme - aus dem Urlaub heraus.

So belastet ist die freiwillige Feuerwehr

Die Belastung der ehrenamtlichen Einsatzkräfte sei in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Allein im vergangenen Jahr habe die Ortsfeuerwehr Buxtehude mit den Zügen 1 und 2 mehr als 38.000 Stunden geleistet. Diese Stunden entstünden nicht nur durch Einsätze, sondern auch durch Ausbildung, Übungen, Wartung, Organisation und viele weitere Aufgaben.

Buxtehudes Ortsbrandmeister Sebastian Hinsen.

Buxtehudes Ortsbrandmeister Sebastian Hinsen. Foto: Vasel

Zudem sei der Verwaltungsaufwand deutlich gestiegen. Gesetze und Verordnungen dienten selbstverständlich der Sicherheit, sagt Hinsen. „Sie führen aber auch dazu, dass der Aufwand, eine Feuerwehr einsatzbereit und zugleich gesetzeskonform zu halten, erheblich gewachsen ist.“

Mehrtägiger Einsatz für das Anbringen der Wimpel

Mehrere Tage Einsatz bedeute die Installation der Wimpelketten für die ehrenamtlichen Feuerwehrleute. Der dabei übliche Einsatz der Drehleiter sei mit Problemen verbunden. Hubsteiger seien besser geeignet.

Offenbar stören sich manche Menschen sogar an dem Engagement: „Einsätze mit großen Feuerwehrfahrzeugen in der Fußgängerzone führen darüber hinaus immer wieder zu Unverständnis bei Passanten, etwa wegen Lärm oder Einschränkungen“, sagt Hinsen.

Osterfeuer ausrichten, Laternenumzüge sichern: Dass freiwillige Feuerwehren sich aus freiwilligen Aufgaben zurückziehen, ist ein Phänomen in ganz Deutschland. Im Dezember 2025 sorgte die Freiwillige Feuerwehr Ziesendorf bei Rostock für Aufsehen: 22 von 27 Feuerwehrleuten legten den Dienst nieder, berichtete der NDR. Fehlende Wertschätzung und mangelhafte Ausrüstung hätten sie als Gründe genannt.

Girlanden stark in Mitleidenschaft gezogen

„Wir unterstützen Veranstaltungen und Traditionen in unserer Stadt grundsätzlich sehr gern“, sagt Ortsbrandmeister Hinsen. Kurzfristige Hilfe, etwa beim Nachjustieren oder Sichern beschädigter Wimpel, werde die Feuerwehr weiterhin leisten. „Eine dauerhaft planbare Aufgabe, die über mehrere Tage bindet, kann und sollte das Aufhängen der Wimpel jedoch nicht sein.“

Sonneneinstrahlung über die Jahre hinweg habe den Wimpelketten zugesetzt. Sie müssen instandgesetzt werden, hieß es bei der Jahreshauptversammlung des Altstadtvereins. Die Girlanden zu reparieren und ein privates Unternehmen mit dem Auf- und Abhängen zu beauftragen, würde einen hohen vierstelligen oder niedrigen fünfstelligen Betrag kosten. „Das können wir aktuell nicht finanzieren“, sagte der Altstadtvereinsvorsitzende Ulrich Wiegel auf Nachfrage.

Wie geht es mit den Wimpelketten weiter?

Im Mai wurden in den vergangenen Jahren die blau-gelben Girlanden aufgehängt. Eine Rolle spielt der Straßenschmuck auch in der Brauchtumspflege. Stets schmücken die Wimpelketten die Innenstadt, wenn die Schützengilde Buxtehude das Schützenfest feiert - in diesem Jahr vom 3. bis zum 7. Juli.

Der Altstadtverein werde auch in diesem Jahr die Innenstadt mit seinen blau-gelben Wimpelketten schmücken, aber in geringerer Anzahl als in den Vorjahren, sagte Wiegel. Die Girlanden würden auf den Rathausplatz beschränkt bleiben.

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