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Aus nach 73 Jahren

TGrob schließt – Letztes Spielwarengeschäft in Buxtehude gibt auf

Rainer Bliefernicht (66) führt seit 1990 Spiel und Sport Grob in Buxtehude.

Rainer Bliefernicht (66) führt seit 1990 Spiel und Sport Grob in Buxtehude. Foto: Wisser

Ein Stück Buxtehuder Einzelhandelstradition ist bald Geschichte. Warum Inhaber Rainer Bliefernicht seinen Laden schließt - und welche Pläne er für die Zukunft hat.

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Von Karsten Wisser
Dienstag, 05.05.2026, 05:54 Uhr

Buxtehude. Am Montagmorgen ist es schwer, mit Rainer Bliefernicht ins Gespräch zu kommen. Ständig drängen Kunden in den Laden von Spiel und Sport Grob. Viele sind Modelleisenbahnfreunde und haben Fragen, die nur der Inhaber des letzten reinen Spielwarengeschäfts in Buxtehude und im Landkreis Stade beantworten kann. „Wenn hier immer so viel los wäre, müssten wir nicht schließen“, sagt Bliefernicht, während er von einem Kunden zum nächsten eilt.

Räumung: 20 Prozent auf alle Lagerartikel

Seit Donnerstag letzter Woche verkünden große gelbe Schriftzüge an den Schaufenstern in der Bahnhofstraße 54 bis 56 das Ende eines Stücks Buxtehuder Einzelhandelsgeschichte. Am 15. Juni schließt Spiel und Sport Grob nach 73 Jahren.

Die Auswahl war immer riesig. Um die rund 70.000 Artikel unterzubringen, stehen überall hohe Regale. Ein Besuch in den vergangenen Jahren war immer mehr eine Zeitreise in die Vergangenheit geworden. Im Räumungsverkauf gibt es jetzt 20 Prozent auf alle Lagerartikel, was die Kundschaft anzieht.

Bei Spiel und Sport Grob in Buxtehude gibt es auf 170 Quadratmeter Fläche rund 70.000 Artikel.

Bei Spiel und Sport Grob in Buxtehude gibt es auf 170 Quadratmeter Fläche rund 70.000 Artikel. Foto: Wisser

Am Montagmorgen ist Brigitte Hansen als Verkäuferin im Geschäft. Sie betreut die Kunden jenseits der Modelleisenbahn. Hansen arbeitet seit 29 Jahren bei Grob. Als junge Mutter war sie selbst Kundin und wurde gefragt, ob sie nicht als Verkäuferin einsteigen wolle. „Damals war meine Tochter ein halbes Jahr alt. Jetzt feiert sie bald 30. Geburtstag“, erzählt die Buxtehuderin. Mit vielen Kunden ist sie per Du. „Es ist schade, dass bald Schluss ist“, sagt sie. „Ich werde mir etwas Neues suchen.“

Familie Grob gründete das Geschäft 1953

Seit 1953 gibt es bei Spiel und Sport Grob Spielwaren. Früher gehörten Sportschuhe zum Sortiment, was den Zusatz „Sport“ im Geschäftsnamen erklärt. Das Geschäft geht auf die Gründerfamilie Grob zurück. Bis 1980 führten Hella und Günter Grob das Geschäft. Danach übernahm die Familie Bliefernicht. Bis 1990 leiteten Rainer Bliefernichts Eltern das Geschäft, dann übernahm er.

Das Gebäude gegenüber von Marktkauf ist wohl das erste, das nach dem Zweiten Weltkrieg als Geschäftshaus gebaut wurde. „Ein Teil des Inventars stammt noch aus dieser Zeit“, sagt Bliefernicht. Die weißen Regale in der Eisenbahnabteilung stehen seit der Eröffnung 1953 im Geschäft.

Warum Spiel und Sport Grob in Buxtehude schließt

Die Schließung hat mehrere Gründe: Alter, keine Nachfolge, schwache Erträge. „Ich bin am Wochenende 66 Jahre alt geworden“, sagt Rainer Bliefernicht. „Das ist eine gute Zeit, um kürzerzutreten“, erklärt er. Es gibt keine familiäre Nachfolgeregelung. Beide Söhne haben gute Jobs: Der eine ist selbstständiger Handwerksmeister, der andere Arzt. „Verkaufen wollte ich nicht, weil das Geschäft sich wirtschaftlich kaum halten lässt. Das hätte mir schlaflose Nächte bereitet“, beschreibt Bliefernicht seine Überlegungen.

Bereits die Schaufenster von Spiel und Sport Grob sind ein kleines Einkaufserlebnis.

Bereits die Schaufenster von Spiel und Sport Grob sind ein kleines Einkaufserlebnis. Foto: Wisser

Die Entscheidung, das Geschäft zu schließen, fiel in einer Familienrunde im November 2025. „Wenn man anfängt, Geld mitzubringen und die eigene Arbeitsleistung unterhalb des Mindestlohns vergütet wird, ist es an der Zeit, aufzuhören“, sagt Bliefernicht. Für langjährige Grob-Kunden verbirgt sich dahinter eine gute Nachricht: Beide Eltern von Rainer Bliefernicht sind in den 90ern und erfreuen sich guter Gesundheit. Sie waren bei der Familienrunde dabei. Die Familie wohnt gemeinsam in Hamburg-Marmstorf auf einem ehemaligen Bauernhof.

„Amazon und Co. haben uns kaputt gemacht“

„Amazon und Co. haben uns kaputt gemacht“, sagt Bliefernicht. In Buxtehude sei dies später als in anderen Städten eingetreten. „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, da sind die Städte machtlos“, sagt er. Er kennt die Situation aus Harburg. Dort begann das Sterben des stationären Einzelhandels deutlich früher. Bliefernicht ist in Harburg mit seinen 180.000 Einwohnern seit 2001 Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung.

Das Gebäude in der Bahnhofstraße gehört einem Unternehmen aus Hamburg. Am Montag hieß es auf TAGEBLATT-Nachfrage, dass es noch keine Nachnutzung gibt. Die Lage ist aber interessant. Das benachbarte Postgebäude wird komplett saniert und um zwei Stockwerke erhöht.

Kleiner neuer Modelleisenbahnladen in Marmstorf

Egal, wie es am Standort weitergeht: Rainer Bliefernicht gibt die Schlüssel für das Geschäft am 30. Juni ab. Zwischen dem 15. Juni und Monatsende wird der Laden ausgeräumt und besenrein übergeben.

Noch ist nicht geklärt, wer den Laden in der Nachfolge übernehmen will.

Noch ist nicht geklärt, wer den Laden in der Nachfolge übernehmen will. Foto: Wisser

„Nein, Wehmut verspüre ich nicht“, sagt Rainer Bliefernicht auf die Frage nach seiner Gemütsverfassung. Er hat mit dem Geschäft abgeschlossen. Den engen Kontakt zu seiner Eisenbahn-Kundschaft will er aufrechterhalten.

Ab dem 11. Juli soll es in Marmstorf in der Straße Feuerteichweg 1 einen kleinen Laden geben, der einmal in der Woche am Samstag geöffnet ist und sich um diese Klientel kümmert. Auch der Reparatur- und Aufrüstservice für die Digitalisierung der Modelleisenbahnen soll in Marmstorf angeboten werden.

Das Gebäude mit dem Spielwarenladen in der Bahnhofstraße in Buxtehude gibt es seit 1953.

Das Gebäude mit dem Spielwarenladen in der Bahnhofstraße in Buxtehude gibt es seit 1953. Foto: Wisser

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