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Statiker alarmiert

THallenwand bei Marinefliegern stürzt nach Unwetter ein

Bei dem Gewitter in der Nacht zum 28. Juni ist eine große Halle auf dem Gelände des Marinefliegerstützpunkts Nordholz (nicht die hier gezeigte) schwer beschädigt worden.

Bei dem Gewitter in der Nacht zum 28. Juni ist eine große Halle auf dem Gelände des Marinefliegerstützpunkts Nordholz (nicht die hier gezeigte) schwer beschädigt worden. Foto: Reese-Winne

Das Gewitter Ende Juni hat sichtbare Spuren in Nordholz hinterlassen. Statiker müssen ran. War es gar ein Tornado?

Von Maren Reese-Winne 09.07.2026, 08:50 Uhr

Nordholz/Cuxhaven. Das Gewitter in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni hat heftige Spuren hinterlassen - nicht nur, wie berichtet, bei der Sportfluggruppe Nordholz/Cuxhaven und im Aeronauticum, sondern auch auf dem Gelände des Marinefliegerstützpunkts, wo der Sturm ein riesiges Loch in die Seitenwand einer Instandsetzungshalle riss.

Wie ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr bestätigte, fiel der eingestürzte Teil der Wand nach außen auf einen davor abgestellten Bundeswehr-Lkw. Innerhalb der Halle habe es hingegen nur marginale Schäden durch abgerissene Stromleitungen gegeben.

Beobachtungen, nach denen sogar die gesamte Halle für einen kurzen Moment angehoben und um Zentimeter versetzt wieder zu Boden gegangen sein soll, bestätigte der Sprecher nicht. Jedoch sei zur Untersuchung der Stabilität der Halle ein Statiker beauftragt worden.

Dach der Flugzeugwerft ist schon mal weggerissen worden

Sturm- und Starkregenschäden habe es bereits in der Vergangenheit auf dem Stützpunkt immer wieder gegeben. So sei zum Beispiel Mitte der 70er-Jahre das Hallendach der Flugzeugwerft vom Sturm weggerissen worden, berichtete der Sprecher.

In der Sonderausstellungshalle des Aeronauticums sind die durch den Wassereinbruch durchnässten Archivalien zum Trocknen aufgestellt.

In der Sonderausstellungshalle des Aeronauticums sind die durch den Wassereinbruch durchnässten Archivalien zum Trocknen aufgestellt. Foto: Aeronauticum

In Nordholz scheint es während des Unwetters noch ein besonderes lokales Ergebnis gegeben zu haben. Das Geschehen war schon spektakulär genug: Viele um den Schlaf gebrachte Augenzeugen konnten sich kaum von Fenstern lösen, während die Superzelle über dem Cuxland die Blitze im Sekundentakt am Himmel zucken ließ.

Wahrscheinlich aber, so Frank Kahl vom Deutschen Wetterdienst, könnte es etwa um Mitternacht in Nordholz zu einem sogenannten „Downburst“ gekommen sein. Es handelt sich dabei um einen kalten und starken Fallwind als Abwindstrom eines Gewitters, durch den sich auf relativ kleinem Gebiet in Bodennähe sehr starke Windgeschwindigkeiten entwickeln können.

„Downburst“ ließ Spur der Zerstörung hinter sich

Dieser Downburst dürfte zunächst im nahegelegenen Tossens (auf der anderen Weserseite in Butjadingen) gewütet und dann seinen Weg über Nordholz nach Büsum in Schleswig-Holstein fortgesetzt haben, wo er mit noch stärkerer Wucht aufkam. Dort zeichneten die Wetterstationen Windgeschwindigkeiten in Orkanstärke auf.

Die stärkste in dem Zeitraum in Nordholz/Wanhöden gemessene Böe erreichte eine Geschwindigkeit von 111,2 km/h (Windstärke 11/orkanartiger Sturm). Fast genau um Mitternacht zeigte sich dasselbe Phänomen in Cuxhaven mit einer Windgeschwindigkeit von 102,2 km/h (Windstärke 10, schwerer Sturm), begleitet durch erhebliche Regenfälle. In Nordholz wurde interessanterweise genau in dem Zeitraum die Aufzeichnung der meisten Wetterdaten unterbrochen.

Jedoch passen auch die unmittelbar um die Marineflieger herum registrierten Schäden zu dem Extremwetterverzeichnis. Wie berichtet, entstanden nicht nur Schäden am Dach des Aeronauticums, sondern - noch schlimmer - es drangen auch Wassermassen in das Archiv im Keller ein.

Blick aufs Nordholzer Gelände nach einer Flugvorführung beim Tag der Bundeswehr am 6. Juni.

Blick aufs Nordholzer Gelände nach einer Flugvorführung beim Tag der Bundeswehr am 6. Juni. Foto: Reese-Winne

Bei der Sturmfluggruppe Nordholz/Cuxhaven wurden die Vorbereitungen für die Sportveranstaltung „Bike Navy“ durcheinandergewirbelt und Flugzeuge verschoben. Sportlerinnen und Sportler, die am Sonntag zu ihren Läufen und Radrennen antraten, berichteten von beschädigten Hallendecken, von denen Teile auf ausgestellte Fahrräder gefallen waren. Die Ermittlung der Schadenshöhe dauert an.

Das gilt auch für das Militärgelände, wo sich gleich mehrere Behörden mit dem Naturereignis und dessen Folgen beschäftigen, nämlich laut offizieller Angabe die hausverwaltende Dienststelle, alle militärischen und zivilen Nutzer der betroffenen Infrastruktur, der Eigentümer und die örtlich zuständige Landesbauverwaltung (Staatshochbauamt Cuxhaven).

Kein Tornado aufgezeichnet

Offizielle Aufzeichnungen über einen möglichen Tornado in der Nacht existieren übrigens nicht. Dazu hätten wesentliche „Zutaten“ gefehlt, so Frank Kahl. Auch seien keine Fotos oder Beobachtungen beim Wetterdienst eingegangen. Auch die privat betriebene Tornadoliste Deutschland verzeichnet für die Nacht keine besonderen Vorkommnisse. Jedoch können die durch einen Downburst verursachten Schäden leicht ähnliche Ausmaße annehmen.

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