Zähl Pixel
Bezahlbarer Wohnraum

Haus & Grund Stade: Wie Müllgebühren Mieten in die Höhe treiben

Müllgebühren können die Miete ordentlich in die Höhe treiben.

Müllgebühren können die Miete ordentlich in die Höhe treiben. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Wer über bezahlbaren Wohnraum diskutiert, macht die Bezahlbarkeit meist an der Nettomiete fest. Was unbeachtet bleibt: die Betriebskosten. Was der Müll damit zu tun hat.

author
Von Sabine Lohmann
20.08.2026, 05:50 Uhr
3 Monate Premium-Zugriff auf tageblatt.de für nur 0,99 €! Jetzt sichern!

Stade. Wer in einer Mietwohnung lebt, weiß, was unterm Strich jeden Monat vom Konto abgebucht wird: nicht nur Nettomiete, sondern die Nettomiete plus Betriebskosten. Gerade diese Betriebskosten, oft als „zweite Miete“ bezeichnet, sind in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Dennoch werden sie in der politischen Debatte weitgehend ausgeblendet. Dabei haben private Vermieter auf die Betriebskosten, insbesondere die kommunalen Abgaben, keinen Einfluss. Darauf weist Haus & Grund Stade hin.

Müllgebührenranking zeigt deutliche Unterschiede

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat im Auftrag von Haus & Grund Deutschland ein Müllgebührenranking erstellt. Untersucht wurden die Abfallgebühren der nach Einwohnerzahl 100 größten Städte Deutschlands. In Niedersachsen zeige sich zwar ein unterschiedliches, aber dennoch zu teures Bild, heißt es in der Pressemitteilung.

Günstigste Stadt im Ranking in Niedersachsen ist Wolfsburg. Dort zahlt eine vierköpfige Musterfamilie 2026 für einen 14-tägigen Vollservice 175,70 Euro im Jahr. Im Jahr 2022 waren es noch 128,40 Euro. Die Preissteigerung übertrifft die Inflation von fast 10 Prozent in diesem Zeitraum bei Weitem.

Ähnlich sieht es bei den Städten Hildesheim (14-tägiger Teilservice: 204 Euro in diesem Jahr im Vergleich zu 182,40 Euro vor vier Jahren), Braunschweig (14-tägiger Vollservice: 286,40 Euro, vorher 257,80 Euro) und Göttingen (14-tägiger Vollservice: 305,80 Euro, vorher 251 Euro) aus. Die teuerste niedersächsische Stadt ist Salzgitter. Dort haben sich die Kosten bei einem 14-tägigem Teilservice von 314,10 Euro im Jahr 2022 auf 346,30 Euro im Jahr 2026 erhöht. Es folgen die Städte Hannover (14-tägiger Vollservice: 386,89 Euro, vorher 358,20 Euro) und Osnabrück (14-tägiger Vollservice: 433,10 Euro, vorher 389,60 Euro).

Müllgebühren immer stärkerer Kostentreiber

„Müllgebühren gehören zu den Wohnkosten. Die Auflistung zeigt, dass die kommunalen Gebühren immer stärker zu einem Kostentreiber für Eigentümer und Mieter geraten“, teilt Rechtsanwalt Mathias Schröder von Haus & Grund Stade mit.

Hinzu kommt: Laut einer aktuellen Erhebung des Bundes der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen haben im aktuellen Jahr 147 der 941 niedersächsischen Kommunen (15,6 Prozent) ihren Grundsteuer-B-Hebesatz angehoben. 2025 waren es etwa ein Drittel der Städte und Kommunen.

Kommunale Abgaben ein weiterer Kostenfaktor

Die kommunalen Abgaben seien keine Nebensächlichkeit, so Haus & Grund Stade. Sie seien Bestandteil der Wohnkosten und treffen Eigentümer und Mieter gleichermaßen. Jeder zusätzliche Euro bei Müll, Abwasser oder Grundsteuer erhöhe die Belastung der Haushalte.

Neben den kommunalen Gebühren treiben auch gesetzliche Vorgaben beim Klimaschutz die Betriebskosten in die Höhe, heißt es weiter. Wartungspflichten, CO2-Bepreisung oder zusätzliche Prüf- und Dokumentationspflichten all das verursache laufende Kosten. Diese erscheinen nicht in der Nettomiete, sondern in der Betriebskostenabrechnung.

Wer ernsthaft über bezahlbaren Wohnraum sprechen will, müsse die Perspektive erweitern. Die Kaltmiete zu deckeln oder zu regulieren und zugleich Gebühren, Abgaben und Auflagen zu erhöhen, sei der falsche Weg. Entscheidend sei am Ende die Gesamtmiete, also die Summe aus Nettomiete und Betriebskosten.

„Bezahlbarer Wohnraum ist mehr als eine schöne Nettomietzahl“

Daraus folgen für Haus & Grund Stade „einige einfache, aber konsequente Schritte“: Wohnkosten sollten in der politischen Debatte immer als Gesamtpaket betrachtet werden, nicht nur als Quadratmeterpreis der Nettomiete. Kommunen, Versorgungsunternehmen, Gesetzgeber und Wohnungswirtschaft müssten gleichermaßen Verantwortung übernehmen, wenn es um bezahlbares Wohnen geht.

„Solange die Betriebskosten in der Diskussion eine Nebenrolle spielen, werden viele Maßnahmen ins Leere laufen“, so Schröder. „Bezahlbarer Wohnraum ist mehr als eine schöne Nettomietzahl in einer Statistik. Er bemisst sich daran, ob die Menschen die gesamte Wohnkostenbelastung dauerhaft tragen können. Wer das Ziel wirklich erreichen will, muss die Betriebskosten genauso ernst nehmen wie die Miete selbst.“

Haus & Grund Stade ist über den Landesverband Haus & Grund Niedersachsen Teil der bundesweiten Eigentümerschutz-Gemeinschaft mit insgesamt mehr als 900.000 Mitgliedern. (sal/pm)

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Müllgebühren können die Miete ordentlich in die Höhe treiben. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Müllgebühren können die Miete ordentlich in die Höhe treiben. Foto: Bernd Weißbrod/dpa Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Zwei Auszeichnungen für die Hancken-Klinik

Die Strahlentherapie der Klinik Dr. Hancken arbeitet mit modernster Technik gegen den Krebs - und wurde jetzt dafür ausgezeichnet. Was das für Patienten bedeutet, erklärt der Leiter der Strahlentherapie, Dr. Markus Herrmann.