THeidi Meyers letzte Ausstellung: Die Buxtehuder Künstlerin sagt Tschüss
„Ich habe ja noch meine Fantasie“: Obwohl ihr künstlerisches Schaffen zu Ende ist, bleibt Heidi Meyer positiv. Foto: Weselmann
Mit ihrer Kunst ist Heidi Meyer um die Welt gereist. Nun kann die Buxtehuder Künstlerin nicht mehr malen. Warum sie positiv bleibt und ihre Stadt ganz neu erlebt.
Buxtehude. Vom 28. April bis 7. Juni ist im Marschtorzwinger die Ausstellung „Geschriebene Farben“ von Heidi Meyer zu sehen. Die Buxtehuder Künstlerin zeigt die Bandbreite ihres jahrzehntelangen Schaffens. Ihre abstrakte Kunst ist geprägt durch Linien, Formen und Farben, wie sie sich auch in der japanischen Malerei wiederfinden.
Die Buxtehuderin zeigt ein außergewöhnliches Bild
Im Zentrum stehen überwiegend großformatige Arbeiten. Dazu gehört auch ein außergewöhnliches Bild auf eigens handgeschöpftem Büttenpapier im Format von mehr als zwei Metern. Kleinere Werke ergänzen die Schau.

Wind und Wellen, 1998 - Mischtechnik auf Papier mit Blattgold. Foto: Heidi Meyer
Die Malerin möchte dazu anregen, Kunst offen zu begegnen. Statt vorschneller Urteile sollen die Besucher ihre eigenen Eindrücke entwickeln und sich auf die Werke einlassen. Ihr Appell lautet: mehr Mut zum Sehen. „Das Nachspüren der Natur in Verbindung zu setzen mit der Farbe, gibt mir ein Gefühl des Seins.“
Heidi Meyers Vater war Schlachter in Buxtehude
Heidi Meyer ist die Tochter eines Buxtehuder Schlachtereibesitzers. In dem alten Ladengeschäft und Wohnhaus der Familie in der Altstadt war bis vor kurzem noch die Deutsche Bank beheimatet. Die 1943 geborene Künstlerin erinnert sich gern an das Buxtehude ihrer Kindheit und den verstorbenen Vater.
„Er hat mich in allem unterstützt und machen lassen“, erzählt sie. Die Schlachterei sei nicht ihre Welt gewesen. Aber auf dem Dachboden hatte sie als Kind Raum für Kreativität, konnte nach Lust malen und töpfern.
Zu ihren Lieblingsorten gehörte der Garten auf der anderen Seite des damals noch breiten Vivers. Früher setzte man mit dem Kahn dahin über, wo heute das Stackmann-Parkhaus steht. Und im Winter lief sie auf dem Viver gerne Schlittschuh.
Von Hamburg geht es in die Welt hinaus
Nach der sechsten Klasse ging es aufs Internat nach Hamburg. Hier konnte sie ihre künstlerische Ader frei entfalten und blieb ihrer Geburtsstadt auch später treu. Nach der Ausbildung zur Grafikerin und dem Studium der Bildenden Kunst hatte sie ein Atelier. „Wir haben irrsinnig viel gefeiert und irrsinnig viel gearbeitet“, blickt sie auf die wilde Schaffenszeit.

Heidi Meyer bei der Arbeit. Foto: Heidi Meyer
Von dort reiste sie in die Welt, mit Ausstellungen von Amerika bis Asien - den kleinen Sohn immer mit dabei. In Japan fand ihre geschriebene Malerei besonderen Zuspruch. Das Land wurde für sie ein zweites Zuhause. Bis heute fühlt sie eine tiefe Verbundenheit.
Nach langer Zeit in Hamburg und im Ausland zog Heidi Meyer schließlich zurück in die elterliche Heimatstadt, wo sie ihre Werke zuletzt in der eigenen Galerie am Geesttor ausstellte. „Buxtehude war schon ein Kontrast“, sagt die Malerin. „Aber ich bin froh, heute hier zu sein.“ Gerade jetzt, wo sie körperlich nicht mehr so kann, weiß sie Buxtehude noch auf ganz neue Art zu schätzen. „Ich bin ganz beeindruckt, wie hilfsbereit alle sind“, sagt sie.
Heidi Meyer: „Ich habe ja noch meine Fantasie“
„Geschriebene Farben“ ist ihre letzte Ausstellung. Sie sagt dem Kunstbetrieb zwar Tschüss. Aber bei Hamburgern heißt das bekanntlich „Auf Wiedersehen“. Nach der Schau im Zwinger werden Heidi Meyer und ihre Werke nicht einfach von der Bildfläche verschwinden. Sohn Hannes will das vielfältige Oeuvre weiter präsent halten. Und sie wird weiter in der Stadt zu treffen sein.
Sicher würde sie gerne noch malen und ausstellen. „Aber ich kann nur noch gucken und quatschen“, sagt Heidi Meyer mit einem Lachen. Jammern ist nicht ihr Ding. „Ich lebe gern und habe ja noch meine Fantasie - und die ist groß.“ Was sie wirklich vermisst, sind die jungen Leute, die sie früher als Hochschuldozentin und in ihrer Buxtehuder Kunstschule immer um sich hatte.
Ein erst ein Mal gezeigter Kurzfilm ist zu sehen
Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 26. April, um 14 Uhr vom städtischen Kulturchef Torsten Lange. Die Laudatio hält Dr. Manfred Osten. Der Diplomat und Kunsthistoriker war bereits auf zwei Ausstellungen der Künstlerin in der Galerie Vivant und im Goethe-Institut in Tokio Redner.
Am Sonntag, 31. Mai, um 14 Uhr zeigt Heidi Meyer zudem ihren 16-mm-Kurzfilm „Es könnte Frühling werden, oder es wird sowieso Frühling oder nicht“ (1976). Den hat sie mit einer Bolex-Kamera aufgenommen - ungeschnitten, im experimentellen Selbstversuch. Er war erst ein Mal öffentlich zu sehen.

In ihrem Buch „Die Zeit ist schneller als ich" blickt Heidi Meyer zurück auf ihr Künstlerleben. Foto: Privatarchiv
Geöffnet ist die Schau dienstags bis freitags von 15 bis 18 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. In ihrem Buch „Die Zeit ist schneller als ich“ gibt es noch mehr über ihr Leben zu erfahren. Es ist im Buchhandel und bei der Ausstellung erhältlich.
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