Ministerbesuch

THidden Champion: Dieses Unternehmen aus Stade ist europaweit führend

Sehen sich feinste Bleche für den Bahnfahrzeugbau an (von rechts): Hilko Ruhr, Sören Richter, Minister Tonne und Abgeordnete Corinna Lange.

Sehen sich feinste Bleche für den Bahnfahrzeugbau an (von rechts): Hilko Ruhr, Sören Richter, Minister Tonne und Abgeordnete Corinna Lange. Foto: Strüning

Sie produzieren Spezialteile für Siemens, Alstom oder Skoda: In zwei unscheinbaren Hallen in Wiepenkathen sitzt versteckt ein Unternehmen von internationaler Klasse. Ein Besuch.

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Von Lars Strüning
15.07.2026, 05:50 Uhr

Stade. Die beiden großen Hallen sehen picobello aus. Die Mitarbeiter, die nicht in den Sommerurlaub gefahren sind, haben aufgeräumt. Der Minister kommt. Und mit ihm die Presse. Das ist eigentlich so gar nicht das Ding von Hilko Ruhr, dem Geschäftsführer von Umformtechnik. „Ich bin Ostfriese“, sagt er charmant entschuldigend.

Förderbescheidübergabe als Familienevent: Minister Tonne mit den Familien Ruhr (rechts) und Richter (links) sowie der SPD-Landtagsabgeordneten Corinna Lange.

Förderbescheidübergabe als Familienevent: Minister Tonne mit den Familien Ruhr (rechts) und Richter (links) sowie der SPD-Landtagsabgeordneten Corinna Lange. Foto: Strüning

Er gibt sich aber als guter Gastgeber, führt durch sein Reich, beantwortet alle Fragen freundlich und geduldig, lässt Sekt und Häppchen servieren. Beim Rundgang staunt nicht nur Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD).

Das Unternehmen

Die Umformtechnik Stade GmbH mit Sitz im Gewerbegebiet Ohle Kamp in Wiepenkathen besteht seit 1984. Gut 40 Leute verarbeiten hier auf einer Produktionsfläche von 3500 Quadratmetern jährlich 1200 Tonnen Metall, wie Bleche und Aluminium. Es ist ein Unternehmen in der Umform- und Schweißtechnik für Schienenfahrzeughersteller und den Nutzfahrzeugbau. Auch wenn der Firmenname nicht gerade sexy klingt, sind die Inhalte extrem spannend.

Hilko Ruhr erklärt dem Minister das Roboterschweißgerät.

Hilko Ruhr erklärt dem Minister das Roboterschweißgerät. Foto: Strüning

Das Unternehmen ist modern aufgestellt, produziert demnächst seinen eigenen Stickstoff, nutzt eine Laserschneidanlage oder Roboterschweißtechnik für extrem sauberes und genaues Arbeiten. Eine 1000-Tonnen-Presse steht zur Verfügung sowie selbst entwickeltes Spezialwerkzeug, vieles extrem schwer, massiv und als Sonderanfertigung.

Geschäftsführer ist Hilko Ruhr (43). Kollege Sören Richter (36) hat wie Ruhr an der TU Harburg Maschinenbau studiert. Er ist Ruhrs rechte Hand. Beide wohnen mit ihren jungen Familien in Bliedersdorf. Beide suchen immer wieder nach Nischen und Marktlücken.

Die Kunden und die Produkte

Umformtechnik hat Kunden mit klangvollen Namen im Inland und europäischen Ausland. Dazu gehören Bahnhersteller wie Siemens, Alstom-Bombardier oder Skoda in Tschechien. Laut Geschäftsführer Ruhr bieten sie einige Produkte exklusiv auf dem europäischen Markt an. Das Know-how macht‘s.

Sie stellen die Designerbleche für die Außenverkleidung der Hamburger U-Bahn her. Ein Auftrag von Alstom. Das Gleiche gilt für die Stadtbahnen in Bremen, München und Den Haag. Die dünnen Bleche müssen nur noch zum Lackierer, bevor sie an den Zügen montiert werden können.

Sören Richter stellt derweil eine Art Käfig der besonderen Art vor. Massiv, mehrere Tonnen schwer. Er geht per Schiff nach Kanada. In dem Stahlrahmen wird ein Strahlenschutz-System eingebaut, Messschränke für eventuell radioaktiv kontaminierte Sachen.

Eine Spezialanfertigung: der Bahnräumer, im Fachjargon auch „Wildschweinfänger“ genannt.

Eine Spezialanfertigung: der Bahnräumer, im Fachjargon auch „Wildschweinfänger“ genannt. Foto: Strüning

Daneben steht ein massiver Bahnräumer, im Fachjargon auch „Wildschweinfänger“ genannt. Die evb zum Beispiel fährt damit. Er wird vorne unten an der Lok angebracht und räumt den Weg frei. Ein Großauftrag sind Achsaufhängungen für Lkw. 6500 Stück werden pro Jahr hergestellt. Produziert werden in Wiepenkathen auch Lagerschalen für Portalkräne, an denen die Motoren montiert werden.

Die Zukunftspläne

Umformtechnik wird Stade verlassen und in Hammah neu bauen. Die derzeitigen Hallen im Ohlen Kamp hat das Unternehmen gemietet, ein Kauf scheiterte, berichtet Sören Richter. Von der Stadt Stadt seien keine Angebote für einen Grundstückskauf über 12.000 Quadratmeter eingegangen. In Hammah wurden sie fündig. Hier, im Gewerbegebiet Ostereichen, soll der Neubau zeitnah gestartet werden. Seit letzter Woche Donnerstag liege die Baugenehmigung vom Landkreis vor.

1,1 Millionen Euro übergab Minister Tonne an Hilko Ruhr (rechts) und Sören Richter (links). Rechts an der Wand hängen die Neubaupläne für Hammah.

1,1 Millionen Euro übergab Minister Tonne an Hilko Ruhr (rechts) und Sören Richter (links). Rechts an der Wand hängen die Neubaupläne für Hammah. Foto: Strüning

In einem Jahr will der Betrieb umsiedeln, ein Kraftakt angesichts der schweren Maschinen. Das Bauunternehmen Christian Mohrmann aus Hollern erstellt für Umformtechnik zwei Hallen. Für die Produktion misst das Gebäude 30 mal 85 Meter. Der Giebel ist zehn Meter hoch. Das Lager hat einen Umfang von 15 mal 50 Meter. Es entstehen fünf neue Dauerarbeitsplätze, darunter drei Ausbildungsplätze.

Ruhr und Richter rechnen mit Baukosten von 4,5 Millionen Euro, gut eine Million überbrachte jetzt die Landesregierung als Zuschuss.

Der Besuch des Ministers

Ruhr und Richter erhielten aus den Händen von Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne den Förderbescheid über 1,1 Millionen Euro aus EFRE-Mitteln der EU. Tonne: „Wir fördern hier Projekte, die für die regionale Wirtschaft und Beschäftigung einen echten Mehrwert schaffen.“

Mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) fördere das Land Niedersachsen insbesondere Vorhaben kleiner und mittlerer Unternehmen, die Innovationen ermöglichen, nachhaltiges Wachstum fördern und hochwertige Arbeitsplätze schaffen. Der EFRE sei ein zentrales Förderinstrument der Europäischen Union, um ländliche Regionen zu entwickeln.

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