THier wird im Kreis Stade Vätern nachträglich ein Denkmal gesetzt
Der achtfache Vater und Astronom Georg Christoph Lichtenberg verbrachte ein halbes Jahr als Mess-Ingenieur an der Schwinge-Festung in Stade. Foto: Gleichstellungsbüro
Georg Christoph Lichtenberg hatte acht Kinder. Doch dafür wurde ihm in Stade kein Denkmal gesetzt. Warum eigentlich nicht?
Stade. Sorge und Pflege sind wichtig. Und sie machen viel Arbeit, sind meistens unterbezahlt und bis heute zu 80 Prozent Frauensache. Um für mehr Wertschätzung von Sorgearbeit und ihre gerechtere Verteilung (Equal Care) zu sensibilisieren, stellt Jacqueline Jugl, die Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Stade, mit Pastorin Carmen Hoffmann und vielen regionalen Kooperationspartnern eine Aktionswoche zum Equal-Care-Day am 1. März auf die Beine.
Die Stader Gleichstellungsbeauftragte Jaqueline Jugl. Foto: Reidies
Vom 1. bis 7. März wollen sie darauf aufmerksam machen, dass Frauen noch immer den größeren Teil der unbezahlten Arbeit übernehmen – mit spürbaren Folgen für Einkommen und Rente. Der Gender-Care-Gap trägt also auch zum Gender-Pay-Gap bei.
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„Die Lohnlücke ist so groß, dass Frauen bis zum Equal Pay Day am 27. Februar praktisch unbezahlt arbeiten. Wo bleibt da die Gleichberechtigung?“, fragt Gunda Menkens, Landesfrauenvertreterin des Sozialverbands VdK Niedersachsen-Bremen über die 16-Prozent-Lohnlücke zwischen Frauen und Männern.
Frauen arbeiten im Schnitt eine Stunde mehr pro Woche
Die Gründe für die finanzielle Ungleichheit liegen nach Ansicht des VdK tief in Gesellschaft und Sozialstaat verwurzelt: „Alles steht und fällt mit der gleichberechtigten Aufteilung unbezahlter Sorgearbeit!“, sagt Menkens. Ein gesellschaftliches Umdenken sei nötig, um veraltete Strukturen aufzubrechen.
Laut dem Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung bringen Frauen täglich eine Stunde und 19 Minuten mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit auf als Männer. Rechnet man bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammen, arbeiten Frauen im Durchschnitt pro Woche eine Stunde mehr als Männer.
„Who cares?“ ist in diesem Sinne die Aktionswoche im Landkreis und Kirchenkreis Stade überschrieben und richtet den Blick auf viele Aspekte der Care-Arbeit - im Privaten, im Ehrenamt oder im professionellen Bereich.
Acht Kinder mit der Haushälterin
Mit der Aktion „Statuen werden Väter“ richten Frauen in Stade durch eine kreative Intervention mit Mitteln der Kunst den Blick auf fürsorgliche Vaterschaft. Zum Beispiel am Denkmal von Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799) auf der Insel in Stade. Das Baby hat Trageberaterin Lara Thomsen ihm fachgerecht vor die Brust gewickelt.
TAGEBLATT-Bericht
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Laut Wikipedia-Eintrag wurde er acht Mal Vater. Die Kinder bekam seine Haushälterin Margarete Elisabeth Kellner, die er nach dem vierten Kind heiratete, weil er an einem Wirbelsäulenleiden und Asthma litt und seine Familie im Todesfall absichern wollte. Er lebte aber noch zehn Jahre.
Ob bezahlt oder unbezahlt - Lichtenbergs Frau hatte eine Menge Care-Arbeit zu erledigen, wieviel er übernahm, ist nicht überliefert. Das Denkmal auf der Insel hat er ja auch nicht dafür bekommen, sondern als Physiker, Naturforscher, Mathematiker und erster deutscher Professor für Experimentalphysik im Zeitalter der Aufklärung.
Weitere Väter-Denkmale sind im Rahmen der Equal-Care-Woche im öffentlichen Raum zu entdecken. Mehr zum Programm und zu Anmeldungen für die Veranstaltungen unter: Equal Care Day 2026 auf der Seite der Hansestadt Stade: www.stadt-stade.info
Das Programm der Equal-Care-Days
- Sonntag, 1. März
Zum Auftakt laden Pastorin Carmen Hoffmann und ihr Team ab 10 Uhr ein zu einem Gottesdienst mit dem Gospelchor „St. Paul‘s Gospel Voices“. Es wird um die Sorgearbeit von Anfang bis zum Ende des Lebens gehen - um das Frühstückmachen und An-den Turnbeutel-denken, das Kaffee kochen und Kuchen backen, die Pflege am Kranken- und Sterbebett, den würdevollen Abschied und die Grabpflege. Im Anschluss wird eine neue Ausstellung im Paulz Café eröffnet: „Frauen-Portraits“ von Rika Stadler.

Pastorin Carmen Hoffmann. Foto: privat
- Montag, 2. März
Die Dow in Stade rückt mit einem Infostand in ihrem Foyer bis Freitag, 6. März, das Thema Equal Care in den Fokus
„Das Ja zu mir - Hypnose für mehr Leichtigkeit und innere Ruhe“ ist ein Workshop, zu dem das BIZ Am Schwingedeich 2 in Stade von 17 bis 18.30 Uhr einlädt.
„Equal Care - Manifest der Vielen“ - darum geht es im Schaufenster der Beratungsstelle Donum Vitae in der Salzstraße 11 in Stade.
Die VHS Stade widmet sich dem Thema „We Care“ bis 4. März mit einem Info-Stand. - Mittwoch, 4. März
Die Stader Gleichstellungsbeauftragte lädt zu einer gemeinsamen Fahrt ins Museum der Arbeit in Hamburg ein. Gezeigt wird die Ausstellung „Care - wenn aus Liebe Arbeit wird“. Dazu gehört auch ein Museumsgespräch. Details bei Anmeldung.
Der Sozialverband Deutschland spricht an seinem Aktionsstand in der Holzstraße in Stade von 10 bis 14 Uhr über die „Fair-Einbarkeit von Fürsorge und Erwerbsarbeit“. - Donnerstag, 5. März
Die Samtgemeinde Harsefeld lädt zum „Mental Load Check“. - Die Fabi Stade zeigt in der Neubourgstraße 5 eine Wunschkette und Ausstellung zum Equal-Care-Day.
- Sonnabend, 7. März
„Papa trägt“ heißt es im Havenbüro auf dem Ankerplatz, wo die Stader Trageberaterin Lara Thomsen (Bindungspfade) und die Stader Musiktherapeutin Nadine Grubert darüber informieren, wie Bindung aufbauen von Anfang an funktioniert. Auch Tragecheck und Trageberatung werden angeboten.
Die AWO und Pro Familie setzen das Thema Equal Care mit einer Plakataktion und Aktionsständen von 11 bis 14 Uhr in der Holzstraße in Stade in Szene.
Zusatzveranstaltung am Donnerstag, 19. März:
Dr. Marc Gärtner ist Sozialwissenschaftler, Berater und Coach. Er spricht in einem Vortrag bei B+S Soziale Dienste, Claus-von-Stauffenberg-Weg 1b, über „Care-Arbeit im Wandel - Familie, Beruf und Geschlechtergerechtigkeit im Spiegel professioneller und sozialer Sorgearbeit“.
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