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Elektromobilität

THohe Spritpreise: Soll ich jetzt ein E-Auto im Kreis Stade kaufen?

Das Display im E-Auto-Cockpit zeigt den Batterieladestand - oder auf Wunsch auch Kinderfilme: Verkaufsleiter Niko Spittkau (links) sowie Autohausinhaber und Kfz-Innungsobermeister Ulrich Tietjen sitzen in einem Skoda Enyaq.

Das Display im E-Auto-Cockpit zeigt den Batterieladestand - oder auf Wunsch auch Kinderfilme: Verkaufsleiter Niko Spittkau (links) sowie Autohausinhaber und Kfz-Innungsobermeister Ulrich Tietjen sitzen in einem Skoda Enyaq. Foto: Sulzyc

Die Spritpreise explodieren: Ist das ein guter Zeitpunkt für ein E-Auto? Was kosten Gebrauchte? Was kosten 100 Kilometer? Der Innungsobermeister im Kreis Stade antwortet.

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Von Thomas Sulzyc
Donnerstag, 16.04.2026, 06:50 Uhr

Landkreis. Im März sind laut Kraftfahrt-Bundesamt in Deutschland 294.161 fabrikneue Pkw neu zugelassen worden - rund 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 70.663 davon waren reine Elektroautos, ein Plus von 66 Prozent. Damit haben E-Autos etwa ein Viertel aller Neuzulassungen ausgemacht.

Auch im Landkreis Stade ist die Zahl der Elektroautos gestiegen: Nach Angaben der Kreisverwaltung sind im März 5527 reine Elektroautos angemeldet gewesen - ein Jahr zuvor waren es 4397. Insgesamt waren im März im Landkreis Stade 131.715 Kraftfahrzeuge aller Antriebsarten angemeldet.

Treiben die hohen Spritpreise die Käufer zu E-Autos?

Im Autohaus von Ulrich Tietjen in Buxtehude bemerkt Verkaufsleiter Niko Spittkau eine größere Offenheit bei Kunden gegenüber Elektroautos. „Die Reichweitenangst ist nicht mehr so da“, sagt er. Spittkau selbst sagt, er sei mit dem Elektroauto nach Österreich gefahren. Zwischendurch Strom zu tanken, sei kein Problem gewesen.

Trotz Waffenruhe am Persischen Golf bleiben Diesel und Benzin teuer. Das Bild zeigt die Preise der Star-Tankstelle an der Freiburger Straße am Dienstag, 14. April, um 12.08 Uhr.

Trotz Waffenruhe am Persischen Golf bleiben Diesel und Benzin teuer. Das Bild zeigt die Preise der Star-Tankstelle an der Freiburger Straße am Dienstag, 14. April, um 12.08 Uhr. Foto: Sulzyc

Direkt beeinflussen die hohen Spritpreise die Kaufentscheidung für ein E-Auto aber nicht. „Ich glaube nicht, dass sehr viele Leute losgehen und sich ein Elektroauto kaufen, weil die Preise an den Tankstellen gestiegen sind“, sagt Ulrich Tietjen. Er ist Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung im Landkreis Stade. Stattdessen rechneten die Leute damit, dass die Spritpreise wieder deutlich sinken werden.

Was kostet das Stromladen auf 100 Kilometer?

Etwa 6,50 Euro, heißt es im Autohaus Tietjen. Ungefähr 6 Euro im Schnitt nennt das Portal MeinAuto.de. Die Angaben beruhen auf dem Laden zum Haushaltsstromtarif.

Gibt es endlich mehr gebrauchte E-Autos zu kaufen?

Bisher war ein kaum existenter Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos ein starkes Hemmnis für Elektromobilität. In den vergangenen Jahren ist laut der ARD-Tagesschau das Angebot an gebrauchten E-Autos deutlich gewachsen. Immer mehr Leasingfahrzeuge kämen zurück auf den Markt.

Gebrauchte E-Autos finden blitzschnell einen Käufer

Gebrauchte E-Autos sind zunehmend gefragt. Im Autohaus von Ulrich Tietjen zeigt sich dieser Trend. Kaum bringt es ein gebrauchtes E-Auto auf den Markt, ist es schon wieder weg. „Das ist ein Phänomen der vergangenen ein bis zwei Monate“, sagt Ulrich Tietjen. Selbst ein Gebrauchtwagen der hier kaum bekannten Marke Genesis (gehört zu Hyundai), früher eher Ladenhüter, sei zügig verkauft worden.

Was kostet ein gebrauchtes E-Auto? Und fördert der Staat den Kauf?

65 Prozent des Listenpreises für Neuwagen kostet etwa ein vier Jahre altes E-Auto mit 50.000 Kilometern Laufleistung. Das sind etwa 25.000 Euro bis 30.000 Euro. Die Batterien in solchen Gebrauchtwagen seien meist in einem besseren Zustand als erwartet, sagt Niko Spittkau.

Einen Zuschuss zahlt der Staat nicht: „Es gibt keine Förderung für gebrauchte E-Autos“, sagt Ulrich Tietjen.

Wie hoch ist der Zuschuss des Staates für neue E-Autos?

Die Elektroautoförderung des Bundes ist beschlossen – doch sie verzögert sich. Mittlerweile sei die Antragstellung im Juni das Ziel, sagt Ulrich Tietjen. Mit drei Milliarden Euro will die Bundesregierung 800.000 Elektroautos bezuschussen.

Die Basisförderung für reine Elektroautos beträgt 3000 Euro, sie gilt für Haushalte zwischen 60.001 und maximal 80.000 Euro Bruttoeinkommen.

Soziale Staffelung bei E-Auto-Förderung

Aufgestockt wird die Förderung für Haushalte mit einem Bruttoeinkommen zwischen 45.001 und maximal 60.000 Euro. Damit steigt die Förderung auf 4000 Euro.

Nochmals aufgestockt wird die Förderung für Haushalte mit einem Bruttoeinkommen von maximal 45.000 Euro. Dann steigt die Förderung auf 5000 Euro.

Für Haushalte mit zwei Kindern (je Kind gibt es 500 Euro extra) gibt es maximal weitere 1000 Euro Zuschuss.

Einige Kunden scheuten sich, die Förderung zu beantragen: „Manche legen ungern die zwei letzten aktuellen Einkommensbescheide offen“, sagt Ulrich Tietjen. Das sei aber eine Voraussetzung.

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, ein E-Auto zu kaufen?

„Es gibt keinen Zeitpunkt zu warten, wenn das passende Modell verfügbar ist“, antwortet der Obermeister Kraftfahrzeug-Innung. Und das Modellangebot baue sich zunehmend auf. „Es wird ganz viel passieren - auch bei kleinen, erschwinglichen Modellen.“ Voraussichtlich im nächsten Jahr werde ein „vernünftiger Neuwagen“ für 25.000 Euro zu kaufen sein.

Wer jetzt ein passendes Modell findet, für den mache es keinen Sinn zu warten. Bei Neuwagen und Gebrauchtwagen sei nicht mit sinkenden Preisen zu rechnen.

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