THorneburg: Brücke aus glasfaserverstärktem Kunststoff erschließt Burginsel
Langeheine-Metallbauer montieren das Geländer der zweiten Burginsel-Brücke, hinten ist das Horneburger Schloss zu sehen. Foto: Vasel
Die zweite Burginsel-Brücke ist montiert. Damit kann der Geschichtserlebnispark richtig genutzt werden. Das wollen die Horneburger im Sommer groß feiern.
Horneburg. Es ist vollbracht. Die Städteplanerin im Rathaus der Samtgemeinde Horneburg, Gunda Kiefaber, ist erleichtert. Die zweite Brücke zur Burginsel ist montiert worden, am Freitagmorgen befestigten drei Mitarbeiter der Metallbaufirma Langeheine aus Stade die Geländer. 160.000 Euro hat der Flecken Horneburg investiert. Der Bund und das Land Niedersachsen steuern zwei Drittel der Kosten über die Städtebauförderung bei.
Burginselbrücke besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK)
„Die Parkbesucher schauen von der Brücke direkt auf das alte Herrenhaus“, betont Kiefaber. Das sei eine bewusste Entscheidung des Büros Landschaftsarchitektur+ gewesen. Die Hamburger begrünten bereits den Hochbunker auf St. Pauli. Die neue Sichtachse soll den Blick auf das im Jahr 1886 im Tudor-Stil erbaute sogenannte Schloss im Bereich der früheren Vorburg und den 2024/2025 angelegten kulturhistorischen Erlebnispark für Einheimische und Auswärtige auf der Burginsel schärfen.

Die Brücke besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Foto: Vasel
Es ist kein 08/15-Bauwerk. „Es handelt sich um eine GFK-Brücke“, erklärt Kiefaber. Die 14 Meter lange Brücke besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). 1500 Exemplare hat die Firma FiberCore aus den Niederlanden bereits hergestellt.

Ein Spezialkran setzte die 2,9 Tonnen schwere Brücke an der Burginsel in Horneburg ein. Die Konstruktion passte knapp durch das Schlosstor am alten Zollhaus. Foto: Kiefaber
Die Ökobilanz sei „besser“ als bei Aluminium-, Stahl- oder Beton-Konstruktionen. GFK sei ein langlebiges, wartungsfreies Material. Die Rotterdamer sprechen von einer Lebensdauer von 100 Jahren bei ihrer Brücke - mindestens. Der Clou: Der Überbau ist mit einer auch bei Starkregen rutschhemmenden Dorsilitbeschichtung versehen worden.

Die stählernen Pfähle für eines der beiden Widerlager werden eingedreht. Foto: Kiefaber
Die Widerlager ruhen auf neun Meter langen Stahlpfählen, sie wurden mit Blick auf Schloss, Kirche und Zollhaus erschütterungsfrei eingedreht.
Bürgerfest zur Einweihung der Burginsel
Kulturveranstaltungen sind geplant. Die zweite Brücke am neuen Aue-Deich dient nicht nur der Erschließung, sondern als zweiter Fluchtweg. Auf der Burginsel können sich Besucher auf eine Reise durch die Geschichte der im Jahr 1255 erbauten und 1645 zerstörten Burg begeben, die früheren Gebäude werden in Form von Betonsitzbänken, teils mit Holzauflage, angedeutet. Die Palisadenzäune dienen als Reminiszenz an die Befestigung. Ein kleines Podest bietet Platz für Konzerte und Lesungen.
Archäologie
T Reise in die Vergangenheit: So sah Horneburg 1632 aus
Mit einem Bürgerfest wird die Burginsel am Freitag, 12. Juni, 16 Uhr, eingeweiht. Mit Smartphone oder Tablet werden Besucher über eine interaktive Burginsel-App, entwickelt von der HafenCity-Universität Hamburg, ins Jahr 1632 reisen können. Der Zeitsprung wird mit dem Smartphone (QR-Code) vor Ort oder einer Virtual-Reality-Brille im Handwerksmuseum möglich sein. Auch Infotafeln wird es geben. Im Frühjahr wird eine Homepage scharfgeschaltet.
Burgmänner liebten ihre Burg nicht
Eigentümer Maximilian von Düring hat das geschichtsträchtige Gelände an den Flecken verpachtet. Seine Vorfahren waren im Jahr 1502 als Teil der Burgmannschaft in die Fußstapfen der von Borchs getreten. Letztere gehörten bereits 1286 zu den ersten Burgmännern. Erzbischof Gerhard II. von Bremen legte die Burg 1255 als Bollwerk gegen die Welfen an. Es handelte sich um eine Wasserburg, geschützt durch Aue und Sumpf. Die im Winkel (Horn) an der Aue/Lühe errichtete Burg war über drei Dämme erreichbar. Ein Wohnturm - ausgestattet mit Fenstern aus Buntglas - prägte die Befestigung.
Ab 1509/1510 zogen die Burgmänner von der feuchten Hauptburg auf ihre Güter um, die Feste diente als Fluchtburg. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Insel zu Pflugland. Ab 1789 gab es ein sternförmiges Wegesystem mit Nutzgarten, Gartenhaus und Eiskeller und Bäumen. Erst 1886 wurde ein Landschaftspark angelegt.

Druckmessung vor Ort. Foto: Kiefaber
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