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THurricane-Festival: Das große Müll-Chaos nach der Party

Zelte, Pavillons sowie eine Menge Müll bleiben zurück.

Zelte, Pavillons sowie eine Menge Müll bleiben zurück. Foto: Heyne

Heftig und geballt war sie ab Donnerstag über den Ort gerollt, die Welle der Hurricane-Besucher. Was nach der Abreise dieses Mal übrig blieb.

Von Ulla Heyne 22.06.2026, 20:10 Uhr

Scheeßel. Die Hauptstraßen der 13.000-Seelen-Gemeinde sind am Montagmorgen gut frequentiert, doch zu Stockungen kommt es kaum. Rund 15 Prozent der Besucher sind laut Veranstalterangaben schon am Vorabend nach dem Konzert des letzten Headliners abgereist.

Auch am Bahnhof ist alles friedlich: Hier wird noch die letzte Banane vertilgt, dort die letzten Seifenblasen verpustet, die Soundboxen schweigen – die Besucher sind abgefeiert. Die Bahnsteige säumt eine Armada aus Campingstühlen, einige beschirmt – Schatten ist auch am Abreisetag gefragt. Der Müll auf den Zuwegungen zum Eichenringgelände hält sich in Grenzen: Hier eine Pommesschale, dort zwei leere Flaschen vor einem der Dixiklos oder ein zusammengebrochener Bollerwagen.

Die Abreise vom Hurricane-Festival verlief gesittet.

Die Abreise vom Hurricane-Festival verlief gesittet. Foto: Heyne

Nach dem Hurricane Festival 2026 bleibt viel Müll zurück

Das sieht auf einigen der Campingplätze anders aus. Was dort, wie jedes Jahr, zurückbleibt: Zelte, Lebensmittel, Luftmatratzen und jede Menge Pavillons, teilweise liebevoll dekoriert. Die Hinterlassenschaften, sie spiegeln ein Stück den Geist der Besucher und das Festivalgeschehen. Merch wie Regenponchos oder Billigsonnenbrillen: weitgehend Fehlanzeige – die Sponsoren, die hier für ihre Marken werben, geben weniger Billig-„Giveaways“ aus. Gut so, für die Natur.

In diesem Jahr besonders stark vertreten, neben der obligatorischen Grillkohle und Raviolidosen: Planschbecken zum Kühlen der Getränke und Sonnenschutzmittel – die Hitze der letzten Tage spiegelt sich auch hier wider. Achim Petersen schlendert über das Gelände.

Reste vom Fest werden an der Sammelstelle zusammengetragen.

Reste vom Fest werden an der Sammelstelle zusammengetragen. Foto: Heyne

Der Steller besorgt sich hier Grillkohle und „Kleinigkeiten, die man so brauchen kann“. Eigentlich arbeitet er hier – er ist verantwortlich für die Warmduschen; bis zum offiziellen Abbaustart um 12 Uhr ist noch etwas Zeit. „Schon krass, was hier liegen bleibt“ – seinen Satz hört man so ähnlich auch aus dem Mund aller Helfer, die hier heute am Start sind.

Neben Hanseatic Help sind auch die Tafeln und Foodsharing vor Ort, sammeln Dosen und verwertbare Lebensmittel ein. Dabei arbeiten die „Blauwesten“ von der Tafel Scheeßel mit den „Grünwesten“ des Foodsharing Hand in Hand. „Wir retten mehr als in den Vorjahren“, meint Foodsharing-Vertreterin Alena Horn aus Bremen, „die Leute haben wegen der Hitze weniger gegessen.“ „Die 350 Kisten kriegen wir voll“, schätzt auch Marius Hellmann, der die Lebensmittelretter seit einigen Jahren mit seinem Trecker unterstützt. Er hat sich heute extra freigenommen und gestern „nicht ganz so lange gefeiert“.

Viel Plastikmüll bleibt liegen.

Viel Plastikmüll bleibt liegen. Foto: Heyne

Er freut sich: „Es werden immer mehr Helfer“, und die Ehrenamtler organisieren sich immer professioneller: „Wir haben mehr Lagerkapazitäten und mehr Möglichkeiten der Verwertung.“ Davon profitieren auch die Mitstreiter der Tafel in Zeven, die auch in diesem Jahr mit vier Ehrenamtlern vor Ort sind und anpacken. Sie werden am Spätnachmittag, wenn alles sortiert und gepackt ist, 50 bis 60 Kisten für die derzeit rund 450 Kunden mitnehmen, „das reicht etwa ein halbes Jahr lang“, weiß Ton von Baal.

Hurricane-Pfandsammler beschäftigen die Polizei in Scheeßel

Zufrieden sind auch die Beekelöwen, die Campingstühle und andere Utensilien retten, säubern und gegen Spende im nächsten Jahr wieder abgeben. „In diesem Jahr ging weniger weg“, konstatiert Initiator Thomas Voss, „die Kids sind immer besser organisiert“.

Punkt 12 Uhr kommt Bewegung auf den Platz. Ein Heer an Pfandsammlern entert die Campingplätze. Das scheint ein lukratives Geschäft – allerdings werden auch einige Sammelstellen geräubert, wo Besucher säckeweise ihre leeren Getränkedosen als Pfand für gute Zwecke gespendet haben. Wo die Polizei dessen gewahr wird, schreitet sie ein. Abgesehen davon sei die Abreise ohne nennenswerte Vorkommnisse abgelaufen, vermeldet Polizeisprecher Tobias Koch.

Hurricane: So bewerten Veranstalter und Behörden das Festival

Niklas Lübbe konstatierte für den Sanitätsdienst eine durchschnittliche Zahl an Behandlungen, die meisten im Zusammenhang mit Kreislauf. Eine Einschränkung des überaus positiven Fazits musste Stephan Thanscheidt vom Veranstalter FKP Scorpio aber doch vermelden: Am Samstag verstarb eine Festivalbesucherin.

Die 41-Jährige mit mutmaßlichen Vorerkrankungen sei, so Lübbe, im Beisein von Kräften des Rettungsdiensts in eine reanimationspflichtige Situation geraten, die jedoch nicht erfolgreich verlief. Ein Festivalkontext zu ihrer gesundheitlichen Situation habe nicht bestanden. Ihre Begleitung sei wegen eines Schocks von der Notfallseelsorge betreut worden, einige Begleitpersonen in Kooperation mit der Kirchengemeinde in Scheeßel abseits des Festivalgeschehens untergebracht worden.

Mehr Frauen sollen in Scheeßel auf die Bühne

Abgesehen von diesem tragischen Fall ging für Veranstalter und Besucher der Plan einer gigantischen Geburtstagssause auf. Das Feuerwerk der Musik umfasste in diesem Jahr mehr als 90 Künstler, darunter rund ein Drittel Frauen. „Wir arbeiten weiter dran, die 50 Prozent zu erreichen“, so Booker Stephan Thanscheidt, „man muss aber auch gucken, was der Markt hergibt“. Die Buchung gleich zweier weiblicher Headliner: ein Alleinstellungsmerkmal in der norddeutschen Festivalszene.

Die großen Neuerungen in diesem Jahr: das bargeldlose Bezahlsystem – ein Test, den die Veranstalter nach einem vorigen missglückten Versuch vor mehr als zehn Jahren als geglückt werteten. Zu Engpässen etwa beim Nachladen mit schlechtem WLAN sei es kaum gekommen, ebenso wenig beim Scannen der Chips an den Einlässen – jedoch bisher nur sporadisch. Ziel der Zukunft, so Festivalleiterin Inga Rossbach, sei eine umfassendere Datenerhebung und -auswertung. Erfolge bei der Bekämpfung des Verkaufs manipulierter Tickets konnte die Polizei vermelden: Nach der Festnahme von zwei Personen und weiterer Ermittlung wurde eine „Reisenden-Gruppierung“ von vier weiteren Personen festgenommen, die bereits bei anderen Festivals aufgefallen war. Ansonsten habe sich, so Polizeivertreter Dieter Klingforth, die Anzahl der Strafanzeigen sehr im Rahmen gehalten. „Nur drei Körperverletzungen, das zeigt, wie friedlich das Festival ist“, so sein Fazit. Das spiegeln auch die 130 Fälle, in denen das Awareness-Team tätig wurde: „In der Mehrzahl ging es um Überforderung, Hitze oder beides“, so Thanscheidt.

Feuerwehr hatte 18 Einsätze auf dem Hurricane

Letztere habe auch der Feuerwehr zunächst Kopfschmerzen bereitet, so Feuerwehr-Vertreter Matthias Hoog. Die Befürchtungen wegen des Einsatzes von Pyrotechnik bei extremer Trockenheit sollten sich nicht bewahrheiten, bis Sonntagnachmittag blieb es bei 18 Einsätzen. Das Wetter spielte mit: bis auf einige wenige Schauer in den Nachtstunden blieb es tagsüber trocken. Eng wurde es allerdings in der größten Hitze mit Schattenplätzen. Der Veranstalter hatte schon mit zwei großen überdachten Sitzbereichen aufgestockt, „mehr ist schwierig“, erklärte Rossbach, wegen der Verkehrswege und der Beschränkung der Sichtachsen müsse man abwägen.

Die für viele mit dem Auto anreisenden Fans nicht so erfreuliche Anreise mit stundenlangem Warten im Stau auf der Straße oder an der Bändchenausgabe erklärte Thanscheidt mit dem veränderten Anreiseverhalten: „Früher sind am Donnerstag 50 bis 60 Prozent angereist, dieses Jahr waren wir bei 80 Prozent.“ Für ihn ein Kompliment: „Unsere Gäste wollen möglichst früh mit uns feiern.“ Der Vorverkauf für 2027 startet am Dienstag, „die ersten beiden Headliner sind schon gebucht“.

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