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Stadeum

TIHK-Empfang in Stade: Wirtschaftstipps von Unternehmern für den Kanzler

Merlin Betzler (rechts) und Constantin Schnabl vom Technologie-Unternehmen Modern Safety Engineering aus Buxtehude.

Merlin Betzler (rechts) und Constantin Schnabl vom Technologie-Unternehmen Modern Safety Engineering aus Buxtehude. Foto: Richter

Der ersehnte wirtschaftliche Aufschwung lässt auf sich warten. Was würden Sie jetzt tun, wenn Sie Kanzler wären? Beim Neujahrsempfang der IHK gab es dazu vielfältige Antworten.

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Von Anping Richter
Donnerstag, 08.01.2026, 05:50 Uhr

Landkreis. Mit der richtigen Politik könnte Schwung in die Wirtschaft kommen: Diese Hoffnung äußerten beim Neujahrsempfang der IHK Elbe-Weser vor einem Jahr viele. Doch der ersehnte Aufschwung bleibt bislang aus.

„Es reicht nicht“, sagt IHK-Präsident Sebastian Vossmann in seiner Rede vor rund 800 Gästen beim diesjährigen Neujahrsempfang im Stadeum. Genau das hat auch Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner Neujahrsansprache eingeräumt und weitere grundlegende Reformen angekündigt. Was würden Sie tun, wenn Sie Bundeskanzlerin oder Bundeskanzler wären? Diese Frage hat das TAGEBLATT einigen Gästen gestellt.

Sven Heinsohn, Global Fruit Point in Buxtehude

Sven Heinsohn, Geschäftsführer von Global Fruit Point in Buxtehude, denkt, dass Unternehmen dort investieren, wo sie die richtigen Menschen dafür haben - und für die brauche es die richtigen Bedingungen. Denn es gehe nicht nur darum, Fachkräfte aus anderen Ländern anzulocken. Es gelte zu verhindern, dass gut ausgebildete Leute auswandern.

Sven Heinsohn, Geschäftsführer von Global Fruit Point in Buxtehude.

Sven Heinsohn, Geschäftsführer von Global Fruit Point in Buxtehude. Foto: Richter

„Diese Menschen müssen wir halten - und darum sollten wir Steuern und Abgaben nicht zu sehr steigen lassen.“ Die seien in Deutschland im globalen Vergleich zu hoch. Das gelte auch für die Mieten, vor allem in Großstädten: „Damit die nicht explodieren, sollten wir Anreize schaffen, weiteren Wohnraum zu bauen.“

Irene Pötting, AOS in Stade

Dr. Irene Pötting, Geschäftsführerin beim Aluminiumoxid-Hersteller AOS in Stade, würde sich für niedrigere Energiepreise einsetzen: „Der Industriestrom soll ja jetzt kommen, aber bei Gas tut sich nichts. Das verschwindet sogar zunehmend von der Diskussionsfläche.“

Dr. Irene Pötting, Geschäftsführerin bei AOS Stade.

Dr. Irene Pötting, Geschäftsführerin bei AOS Stade. Foto: Richter

Energieintensive Produktionsbetriebe würden aber noch lange auf Gas angewiesen sein - und in Konkurrenz mit solchen aus Nicht-EU-Ländern stehen, die von CO2-Zertifikaten unbelastet sind. „Damit tun wir uns in der EU keinen Gefallen“, so Pötting.

Carl Parnham, Dow in Stade

Carl Parnham, Werkleiter bei Dow in Stade, sieht das ähnlich. Auch Dow wolle Teil der grünen Zukunft und der Transition hin zu erneuerbaren Energien sein. Doch um einem fairen Wettbewerb auf globaler Ebene näherzukommen, müsse das vorsichtig und mit Blick auf die Kosten geschehen.

Carl Parnham, Werkleiter bei Dow in Stade.

Carl Parnham, Werkleiter bei Dow in Stade. Foto: Richter

„Es ist gut, dass bei den Energiepreisen jetzt offenbar etwas passieren soll. Zusätzlich gilt es, die finanziellen Auswirkungen neuer Vorschriften genau im Auge zu behalten.“

Michael Senf, Sparkasse Stade-Altes Land

„Entbürokratisierung ist das Wichtigste. Ich sehe inzwischen eine große Gefahr, nämlich die Frage: Sind wir überhaupt noch reformfähig?“, sagt Michael Senf, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Stade-Altes Land. Reformen bedeuten aus seiner Sicht Einschnitte und Veränderungen für alle, für einige temporär auch Verzicht.

Michael Senf, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Stade-Altes Land.

Michael Senf, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Stade-Altes Land. Foto: Richter

„Das will keiner, und das blockiert alle“, sagt Senf. Die letzte echte Reform sei Gerhard Schröders Agenda 2010 gewesen: „Man muss nicht alles gut daran finden, aber sie war mutig. Davon haben wir alle eine Dekade gezehrt.“

Matthias Riel, Bürgermeister von Jork

Der Jorker Bürgermeister Matthias Riel wäre nicht so gerne Bundeskanzler. Aber er hätte ein paar Tipps: „Man muss den Mut haben, politisch auch zu entscheiden, auf was wir verzichten.“ Ein Beispiel: Gesellschaftspolitisch sei es wichtig und wünschenswert, den Ganztag in den Schulen einzuführen. Aber nicht Hals über Kopf und ohne zu klären, wie das finanziert werden soll.

Matthias Riel, Bürgermeister der Gemeinde Jork.

Matthias Riel, Bürgermeister der Gemeinde Jork. Foto: Richter

Generell sollte der Staat den Kommunen auch mehr vertrauen. Das könne viel Bürokratie sparen: „Wenn ich ein Medienentwicklungskonzept schreiben muss, um Mittel aus dem Digitalpakt zu erhalten, ist das sehr aufwendig. Wir vor Ort wissen schon, was wir für unsere Schulen brauchen.“

Peggy Repenning, PFH Stade

„Wäre ich Kanzlerin, würde ich meinen Fokus auf Bildungspolitik richten“, sagt Peggy Repenning, Leiterin der privaten Hochschule PFH in Stade.

Peggy Repenning, Leiterin der privaten Hochschule PFH Hansecampus in Stade.

Peggy Repenning, Leiterin der privaten Hochschule PFH Hansecampus in Stade. Foto: Richter

Ein solides Bildungsfundament sei nämlich wichtig, um die Digitalisierung wirksam zu machen und ihre positiven Effekte ernten zu können. Dazu gehöre neben Schule, Berufsausbildung und Studium unbedingt auch das lebenslange Lernen.

Sabine Hesse, Hesse-Druck in Stade

„Mutig sein. Einfach machen.“ Das wäre als Kanzlerin ihre Devise, sagt Sabine Hesse. Die Geschäftsführerin von Hesse-Druck in Stade sagt, dass Gerhard Schröder sich in Sachen Reformen etwas getraut habe.

Sabine Hesse, Geschäftsführerin von Hesse-Druck in Stade.

Sabine Hesse, Geschäftsführerin von Hesse-Druck in Stade. Foto: Richter

„Der hat sich damit auch unbeliebt gemacht. Heute taktieren sie nur noch von Wahl zu Wahl.“

Merlin Betzler, Modern Safety Engineering in Buxtehude

„Die Bürokratie ist immer noch eine gigantische Hürde“, sagt Merlin Betzler, der mit seinem Kollegen Constantin Schnabl vom Technologie-Unternehmen Modern Safety Engineering zum IHK-Empfang gekommen ist. Im Bürokratieabbau sehen die beiden Start-up-Unternehmer eine Schwerpunktaufgabe für die Politik.

Merlin Betzler (rechts) und Constantin Schnabl vom Technologie-Unternehmen Modern Safety Engineering aus Buxtehude.

Merlin Betzler (rechts) und Constantin Schnabl vom Technologie-Unternehmen Modern Safety Engineering aus Buxtehude. Foto: Richter

Wie die beiden Gründerstar-Preisträger berichten, haben sie die meisten Fördermittelbewerbungen in der Gründungsphase aufgegeben, weil die Verfahren einfach zu lang waren.

„Wir wollen ja unbedingt etwas machen. Aber wenn man ein Jahr warten muss, ist die Chance vielleicht schon weg“, sagt Schnabl. Merlin Betzler hat sich statt anderer Programme deshalb für das niedersächsische Gründerstipendium entschieden: „Das ging deutlich schneller.“

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