IHK fordert: „Wirtschaft braucht Reformen“
Während der Großhandel überwiegend zufrieden ist, bewertet jeder zweite Einzelhändler seine Lage als schlecht. Foto: Christian Charisius/dpa
Die Geschäftslage in mehreren Branchen hellt sich etwas auf, doch echte Zuversicht bleibt aus. Das bereitet den Betrieben in der Region Sorgen.
Landkreis. Nach den Ergebnissen der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Elbe-Weser hat sich die Stimmung in mehreren Branchen verbessert. Die Erwartungshaltung verbessert sich auch, bleibt unterm Strich aber weiterhin pessimistisch. 365 Unternehmen aus dem Elbe-Weser-Raum wurden befragt; 194 Unternehmen haben geantwortet. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 53,2 Prozent.
Branchenübergreifend sprechen knapp ein Viertel der Unternehmen (24 Prozent; zuvor: 19 Prozent) von einem guten Quartalsverlauf, 55 Prozent sind zufrieden. Auf der anderen Seite bewerten 21 Prozent (zuvor: 25 Prozent) ihre Lage als schlecht. „Der Saldo aus positiver und negativer Lageeinschätzung liegt damit erstmals seit fünf Quartalen wieder im positiven Bereich“, teilt IHK-Volkswirt Henrik Gerken mit.
„Die Lebenshaltungskosten bremsen den Konsum“
Der Blick auf die einzelnen Branchen zeigt, dass sich die Stimmung in der Industrie, im Baugewerbe sowie in einigen Dienstleistungssegmenten verbessert hat. Während der Großhandel überwiegend zufrieden ist, bewertet jeder zweite Einzelhändler seine Lage als schlecht. „Die Inflation ist in Deutschland im September erstmals seit fast drei Jahren auf über drei Prozent angestiegen“, berichtet Gerken. „Die steigenden Lebenshaltungskosten bremsen den Konsum.“ So berichten fast acht von zehn Einzelhändlern von einer geringen Konsumneigung ihrer Kunden. „Die Erwartungshaltung der Unternehmen kann sich zwar auch verbessern, der Saldo aus Optimismus und Pessimismus bleibt aber weiterhin im Minus“, erklärt Henrik Gerken. Wie im Vorquartal gehen 38 Prozent der Betriebe von einer eher ungünstigeren Entwicklung aus. Demgegenüber stehen zwölf Prozent (zuvor sieben Prozent), die mit einer Verbesserung der Geschäftslage in den kommenden Monaten rechnen. Etwa jedes zweite Unternehmen erwartet eine ähnliche Entwicklung wie bisher.

Die Stimmung hat sich in mehreren Branchen verbessert. Die Erwartungshaltung verbessert sich auch, bleibt unterm Strich aber weiterhin pessimistisch. Foto: IHK-Konjunkturumfrage
Sorgen bereitet den Unternehmen nach wie vor die unsichere Lage in Nahost, in dessen Folge es immer wieder zu starken Preisausschlägen bei Öl und Gas kommen kann. Trotz der seit Anfang Oktober in Kraft getretenen Steuersenkung auf Benzin und Diesel, sehen 71 Prozent der Betriebe in den Energie- und Rohstoffpreisen ein erhebliches Risiko für die künftige Geschäftsentwicklung.
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Durch internationale Krisen gerät der EU-Binnenmarkt in den Fokus. „Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten liegt eine unserer größten wirtschaftlichen Chancen direkt vor unserer Haustür: der europäische Binnenmarkt. Wir müssen dieses enorme Potenzial endlich besser nutzen. Weniger Bürokratie und mehr gemeinsamer Markt - das wäre ein echtes europäisches Wachstumsprogramm“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Christoph von Speßhardt. Er freut sich, dass die EU-Kommission im Sommer eine Binnenmarkt-Strategie vorgelegt hat, wie dieser gestärkt und Hindernisse für Handel und Investitionen abgebaut werden können.
70 Prozent der Unternehmen bemängeln die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Weitere kritische Punkte sind aus Sicht der Betriebe die schwache Binnennachfrage sowie die hohen Arbeitskosten.
Von Speßhardt macht deutlich: „Die Lage hellt sich etwas auf, aber von echter Zuversicht sind unsere Unternehmen noch weit entfernt. Das muss die Politik wachrütteln. Wir brauchen jetzt keine weiteren Reformankündigungen, sondern konkrete Ergebnisse: weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise und mehr Freiraum für unternehmerisches Handeln. Vertrauen entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch Taten.“
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