TImmobilien-Unternehmer schießt gegen Ämter: „Teils absurde Forderungen“
Die Baubranche steht unter Druck: Immer mehr Auflagen und Kostensteigerungen bereiten Unternehmern Sorge. Foto: Sven Hoppe/dpa
Die Baunebenkosten und nicht etwa die Zinsen seien es, die das Bauen beinahe unerschwinglich machten. Und getrieben würden diese durch eine Flut an Auflagen und Gesetzen. Stefan Polzin attackiert aber auch zunehmende Anwohnerproteste.
Cuxhaven. Steigende Bauzinsen zerstören den Traum vieler Menschen vom eigenen Haus? Wirklich? Stefan Polzin, Geschäftsführer des Immobiliendienstleisters Polzin-Immobilien mit Sitz in Langen (Landkreis Cuxhaven) und einem Standort in Bremerhaven, sieht das anders: „Nicht die Zinsen sind das Problem, sondern die Baunebenkosten. Absurde Auflagen und Gesetze führen zu aufwendiger Planung und Durchführung.“ Der Diplom-Kaufmann zählt nach: „Wir haben beim Bauen mehr als 25.000 Vorschriften und ein Ende ist nicht in Sicht.“
Für Investoren sind Wohnimmobilien kein Thema mehr
Die düstere Prognose des Experten: „Bauen kommt zum Erliegen.“ Zurzeit helfe die erhöhte Abschreibung noch denjenigen, die Eigenkapital nachweisen könnten. Für Selbstnutzer habe sich das Bauen ohne Erbe oder anderweitige Geldquellen jedoch ohnehin erledigt. Und: „Für normale Investoren sind Wohnimmobilien schon lange kein Thema mehr.“
Hohe Bauzinsen: Nachfrage nach Immobilien kühlt sich ab
Nach Berechnungen des Pestel-Institutes (Forschungsinstitut unter anderem für Kommunen) wurden 2025 etwa 84.600 Wohnungen weniger gebaut als zwei Jahre zuvor. Das ist belastend für die, die eine Wohnung suchen. Aber es bedeutet auch Einnahmeausfälle für den Staat, die sich gewaschen haben. Das Pestel-Institut stellt dar: Würden wie in den Jahren vor Beginn der Baukrise bundesweit etwa 300.000 Wohnungen im Jahr fertiggestellt, hätten das Wirtschaftswachstum demnach um 0,6 Prozent und die Steuereinnahmen knapp sieben Milliarden Euro höher ausfallen können.
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Polzin kritisiert Belastung durch Nachhaltigkeits-Standards
Scharfe Kritik übt Stefan Polzin an der Bremerhavener Verwaltung. In den Bereichen Umwelt, Straßen und Brückenbau würden „teils absurde Forderungen aufgestellt“, und das oft in „völliger Unkenntnis wirtschaftlicher Zusammenhänge“. Einzelne Ämter arbeiteten nebeneinander her. Sie dürften „nicht eine so große Macht haben“. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Cuxhaven verlaufe hingegen gut, lobt Polzin.

Stefan Polzin (links; hier mit Marc Dieterich) ist Geschäftsführer des Immobiliendienstleisters Polzin-Immobilien. (Archivbild) Foto: Privat/Archiv
Bemühungen der Bundespolitik, das Bauen zu beschleunigen und einfacher zu gestalten, kommen nach dem Eindruck von Stefan Polzin in der Praxis kaum an. Ein Beispiel dafür: der Gebäudetyp E (wie Einfach) des Bundes. Der soll es Bauherren und Planern erlauben, von nicht sicherheitsrelevanten Standards abzuweichen, ohne dass dies automatisch als Mangel gilt. Der ursprüngliche Entwurf stammt aus dem Jahr 2024. Ein Gesetzentwurf war für den Sommer 2026 angekündigt – kam jedoch nicht.
Und selbst wenn der Gebäudetyp E bald Wirklichkeit würde – Polzin verspricht sich kaum Entlastung davon. Alles in allem würden die „ideologisch basierten hohen Standards immer höher geschraubt“. Und diese Standards müsse man sich schlichtweg leisten können. In den konkreten Auswirkungen noch nicht fassbar sind Polzin zufolge die neuen Nachhaltigkeits-Standards: „Für jeden Nagel und jeden Stein im Bau braucht man ein Datenblatt über Nachhaltigkeit.“
Polzin berichtet von hohen Kosten durch Verzögerungen
Stefan Polzin beobachtet noch ein weiteres Phänomen, das das Bauen aus seiner Sicht außerordentlich erschwert und teurer macht. Seit einigen Jahren sei „kaum ein größeres Projekt mehr ohne Verzögerungen und damit Kostensteigerungen“ machbar, für die protestierende Anlieger und Interessengruppen sorgten – und das trotz bestehenden Baurechts.
Polzin wird deutlich: „Im Kleinen sind das egoistische Ziele direkter Nachbarn und im Großen ideologische Verblendung, die das Verbandsklagerecht ermöglicht.“ Aus eigener Erfahrung aus einem laufenden Projekt in Cuxhaven weiß Stefan Polzin: „Baurecht bedeutet da keinen Baustart. Die monatlichen Kosten der Verzögerung liegen für mich bei rund 10.000 Euro.“ Die Verfahrensdauer sei unbekannt. Fazit des Immobilien-Fachmanns: „Das ist keine Demokratie, sondern Sabotage, bei der die Mehrheit unter einer Minderheit leidet.“
Dass es anders gehe, zeigten die Flüssiggas-Terminals, die in Deutschland im Rekordtempo errichtet worden seien. Stefan Polzin: „Wenn man wirklich will und muss, dann geht es plötzlich. Anscheinend ist der Leidensdruck in der Wohnungswirtschaft noch nicht hoch genug.“
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