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Freiburger Dorfleben

TIn Freiburg bestimmt eine Hündin den Spitznamen des Buchcafés

Berner Sennenhund Helene liegt auf dem Boden im Buchladen von Sabine Koopmann.

Ein Star im Buchladen: Sabine Koopmanns Hündin, die auf den gleichen Namen wie eine deutsche Schlagersängerin hört. Foto: Meyer

Sabine Koopmann öffnet im Ruhestand täglich für Gäste ihre „norddeutsche Alm“. Ihr Buchcafé hat noch einen weiteren Spitznamen. Zu Gast am Ort, an dem Worte etwas bedeuten.

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Von Thies Meyer
Freitag, 13.02.2026, 13:00 Uhr

Freiburg. Es geht eine Ziegelsteintreppe hoch und durch die erste Haustür. Da kommt jemand, denkt sich Helene und bellt laut. Hinter der zweiten Tür wartet sie, die „soooo lieb“, „verschmust“ und „kundenfreundlich“ ist. Die Worte auf Google von Besuchern bedeuten: Helene hat einige Fans.

Berner Sennenhund Helene liegt auf dem Boden und schaut in die Kamera.

Gäste beschreiben das Buchcafé als „Ruheoase“. Auch für Hund Helene scheint es eine Ruheoase zu sein. Koopmann ist Hundeliebhaberin. Früher hatte sie Skipper, einen Neufundländer. Foto: Meyer

Der Berner Sennenhund und Sabine Koopmann (69) bitten herein in Buchladen und Café in Freiburg. „Das heißt hier auch so insgeheim Café Helene“, sagt Koopmann.

Koopmann ist zugezogene Freiburgerin

Sabine Koopmann gehört zu den Oldies, die Freiburg am Laufen halten. Das TAGEBLATT stellt in den kommenden Tagen unverzichtbare Freiburger vor, die mit ihrem Einzelhandel oder ihren Handwerksbetrieben das Dorfleben prägen.

Sabine Koopmann.

Als ihre drei Kinder Babys waren, hat Sabine Koopmann drei bis vier Bücher in der Woche gelesen. Für das Lesen verzichtete sie auf einige Stunden Schlaf. Ihre aktuelle Lieblingsautorin ist Alina Bronsky. Keines ihrer Bücher habe Koopmann enttäuscht. Foto: Helfferich

Die Rentnerin kommt aus der Region Braunschweig. 25 Jahre war sie als Webmeisterin mit einer Werkstatt selbstständig. Danach arbeitete die Fachfrau für Autismus zehn Jahre bei der Lebenshilfe Braunschweig. 2015 zog es Koopmann „der Liebe wegen“ nach Freiburg. Ihren Buchladen eröffnete sie ein Jahr darauf.

Ein eigenes Café betrieb sie schon mal, als sie Webmeisterin war. Der Buchhandel ist neu. Als die Gäste fragten, „Können wir nicht einen Kaffee trinken?“, wandelte sich der Buchladen auch zum Café. Dieses ist zum einen Teil der Garten - in der Regel von April bis Oktober geöffnet. Zum anderen Teil ihr privates Esszimmer. Ein Urlauber schreibt: „Es war gar nicht wie in einem Café, sondern mehr, als ob ich bei einer guten Freundin zu Besuch bin und sie etwas gekocht hat.“

Sabine Koopmanns Bücherladen.

Die Buchladen-Rezensenten schreiben auf Google über Sabine Koopmann: „Die Besitzerin ist eine nette Person.“ Und: „Sie ist definitiv ein Charakter.“ Foto: Meyer

Hier lernen sich Fremde kennen, Touristen, die ein paar Tage in der Region Urlaub machen. Manchmal herrsche zwischen den Tischen oder am selben Tisch eine Minute Schweigen, erzählt die Inhaberin. Dann tauten die Gäste auf und wechselten Worte. „Das ist hier die norddeutsche Alm“, sagt die 69-Jährige. Das bedeutet: „Wir müssen alle an einen Tisch.“ Ein Ort des Kennenlernens.

Das macht Koopmanns kleinen Buchladen aus

Helene liegt halb auf dem Fußboden aus Holzbrettern, halb auf einem Teppich. Im Kamin knistert es leise, das Feuer wärmt den Buchladen. Das gleiche Bild einer Besucherin online zeigt: Das ist Helenes Lieblingsort.

Holzregale, -tische und -vitrinen präsentieren Bücher aus allen Genres. Gelbe Reclam-Bücher haben ihre eigenen Fächer in den Regalen. Auf dem Tisch liegt Caroline Wahls „22 Bahnen“. Aus einer Vitrine schauen die Gesichter von Hannah Arendt, Salman Rushdie oder Dirk Rossmann Buchstöberer an. Koopmann hat klassische Literatur, Romane, Biografien und vieles mehr. Wie kommen die Bücher in den Laden?

Sabine Koopmanns Bücherladen.

Ein Buchladen, fast wie eine Minibibliothek und wie er im Buche stehen könnte: ein buntes Büchersortiment, ein Kaminfeuer, eine kleine Leseecke. Foto: Meyer

„Ich gucke danach, was zurzeit viel gelesen wird.“ Koopmann liest Buchzusammenfassungen quer und bestellt das, was ihren Gästen und ihr gefällt. Sie versucht, auf die speziellsten Kundenwünsche einzugehen.

Es kann eine Stunde dauern, bis sie ein spezielles Buch bestellt, das (fast) überall vergriffen ist. Weil kleine Buchhändler viel weniger Rabatte beim Bucheinkauf bekämen, verdiene sie am Verkauf wenig - oft nur einen Euro. Überleben könne ihr Buchladen nur, weil sie alles alleine - mit Helene - mache und Personalkosten einspare. Helene beansprucht lediglich einen warmen Platz am Kamin.

Koopmann über ihre und Freiburgs Zukunft

Wenn es Koopmann eines Tages aus Freiburg weg und zu ihren Kindern und Enkeln bei Hamburg zieht, dürfte die Zukunft von Café Helene in dem 200-Quadratmeter-Haus ungewiss sein. Eine Nachfolge hat sie nicht. Aber vielleicht kaufe einer das Haus und betreibe hier weiterhin ein Café.

Für einen Hauskäufer lohnt sich ein Blick in die Google-Bewertungen. Die Worte der Besucher bedeuten: Nachdenken, das Buchcafé fortzuführen lohnt sich. Für Koopmann sind sie Bestätigung und Grund, noch weiterzumachen - „mein Wunsch wären noch ein bis zwei Jahre“.

„Ziemlich schlimm“ sei es, wenn kleine Geschäfte in Freiburg, die von Menschen im Rentenalter betrieben werden, nach und nach schließen. Für viele lebenswichtige Dienstleistungen müssen Freiburger und Touristen in andere Orte fahren, erzählt Koopmann. Zum Beispiel zur Apotheke, die es seit mehr als einem Jahr nicht mehr gibt.

Koopmann hatte jüngst ein Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen zu Gast. Die Häuser und Freiburg fanden beide „erst mal ganz schön“. Jedoch fehlte es ihnen an guter Infrastruktur. Der Gedanke, nach Freiburg zu ziehen, war weg.

Lernen für das Leben

Seitdem Koopmann lesen kann, verschlinge sie alle Bücher. Lesen bedeutet für sie: das Leben besser zu verstehen und „andere Lebenssichtweisen“ kennenzulernen.

Ein weißes Bücherregal mit Büchern aus verschiedenen Genres.

Ein Tipp von Sabine Koopmann: Gerne auch die Bücher lesen, die keine Bestseller sind. „Die sind meistens besser.“ Foto: Meyer

Koopmann steht an einem Bücherregal. „Die Bücher hier“ liest sie gerne. Romane vom Diogenes-Verlag mit dem immer gleichen weißen Grund und schwarzen Rahmen könne man „ungefragt“ lesen, weil die Romanfiguren „immer etwas zu sagen haben“.

„Worte müssen etwas bedeuten“, sagte Barack Obama einmal in seinem gleichnamigen Buch. Im Buchcafé bedeuten sie: Fans für Helene, ein Ort des Kennenlernens und Hoffnung auf eine Betriebsnachfolge.

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