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Freiburg

In Sabine Koopmanns Buchladen gibt es nach der Lesung Suppe

Ganz still ist es, während Sabine Koopmann aus Robert Habecks neuestem Buch vorliest. Fotos Helfferich

Ganz still ist es, während Sabine Koopmann aus Robert Habecks neuestem Buch vorliest. Fotos Helfferich

Lesung mit Suppe bietet Sabine Koopmann in diesem Winter in ihrem Buchladen in Freiburg an. Jeden Donnerstag zur Mittagszeit stellt sie zunächst ein Buch vor, anschließend wechseln die Zuhörer vom Verkaufsraum ins private Esszimmer der Koopmanns.

Von Susanne Helfferich Dienstag, 29.01.2019, 10:00 Uhr

Punkt 12 Uhr füllt sich an diesem Donnerstag der kleine Buchladen in der Freiburger Kirchhofstraße. Elf Literaturfans sind gekommen: Auf der Karte steht Robert Habecks „Wer wir sein könnten – Warum Demokratie eine offene und vielfältige Sprache braucht.“ Danach gibt es Chili con Carne, oder wahlweise Kürbissuppe.

„Es kam immer wieder der Wunsch aus meinem Kundenkreis, ob ich nicht auch mal Bücher vorstellen könnte“, erzählt Sabine Koopmann. Hin und wieder tat sie das, eingeladen von privaten Runden oder auch mal von den Landfrauen. Seit diesem Winter aber fest jeden Donnerstag im eigenen Buchladen.

{picture2s} Die 62-Jährige hat sich vor vier Jahren in Freiburg das kleine Haus gekauft. Zuvor hatte sie erst 20 Jahre als selbstständige Webmeisterin gearbeitet, dann bei der Lebenshilfe Braunschweig unter anderem den Geschenkideenkatalog für die Bundesvereinigung erstellt und einen Versandhandel aufgebaut. Dabei hatte sie erste Kontakte zu Buchverlagen und ihre alte Liebe zu Büchern neu entdeckt.

Vor anderthalb Jahren richtete sie sich die Buchhandlung in Freiburg ein; zunächst beschränkt auf einen etwa zwölf Quadratmeter kleinen Raum, dann auf einen zweiten Raum ausgeweitet. Beide grenzen unmittelbar an Küche und Esszimmer an. Da bot sie ihren Kunden auch gerne mal einen Kaffee an.

Das sprach sich rum. Irgendwann im Sommer kamen fremde Leute rein, sahen sich um und gingen wie selbstverständlich durch Küche und Esszimmer in den Garten, setzten sich und bestellten Kaffee. Die verblüffte Geschäftsfrau erwiderte: „So geht das nicht.“ Ging dann doch. Und Sabine Koopmann öffnete ihr Gartencafé. Als das im Herbst schloss, protestierten die Kunden: „Wo sollen wir uns denn jetzt hinsetzen?“ Damit war das Esszimmer geöffnet. „Und da ich unheimlich gerne Suppe koche, war auch immer was zu essen da“, erzählt die 62-Jährige.

Nun also Robert Habeck. Stühle müssen noch herbeigeschafft werden. „So viele sind noch nie zu meiner Lesung gekommen, sagt Koopmann. Schließlich finden alle elf Gäste einen Platz rund um den Büchertisch im Verkaufsraum, auch Retrieverhündin Lizzy, im Ofen knackt das Brennholz, und die spät berufene Buchhändlerin legt los. Kaum einer der Zuhörer weiß, dass der Bundesvorsitzende der Grünen eigentlich Geisteswissenschaftler ist und schon reichlich geschrieben hat – nicht nur politische Bücher. Sabine Koopmann fasst in knapp 30 Minuten die zentralen Gedanken Habecks in seinem neuesten Buch über den Umgang mit Sprache zusammen. Er sagt: „Wie wir sprechen, entscheidet darüber, wer wir sind – auch und gerade in der Politik.“ Die Verrohung der Sprache ist sein Thema – und im Freiburger Buchladen auch das, dass Habeck sich kürzlich selbst im Ton vergriffen hatte.

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Das bietet Gesprächsstoff auch für die Suppe. An Herbert Wehner wird erinnert und Franz Josef Strauß und Joschkas Fischers Zwischenruf: „Herr Präsident, mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch.“ Ein Austausch über Politik, Literatur und die Gesellschaft, ganz familiär am Esstisch.

„Wir kommen gerne hierher“, sagt der Freiburger Jörn Dahl, „es ist so persönlich und gemütlich hier, fast wie zu Hause.“ „Und ihre Lesungen sind immer interessant“, ergänzt seine Frau Elisabeth Horn. Zum ersten Mal zur Donnerstagslesung mit Suppe ist Karin Somfleth aus Balje da. Kundin der Buchhandlung ist sie schon länger: „Die Auswahl der Bücher, die hier geführt werden, ist wirklich gut. Ich komme immer in Versuchung, gleich eins zu kaufen.“ Und auch die Bücherei-Aktiven Anke und Bernd Bolik loben das Angebot: „Wir sind froh, dass wir in Freiburg eine Buchhandlung haben, weil man die Bücher in die Hand nehmen kann.“

Sabine Koopmann gibt die Komplimente zurück. „Meine Kunden haben ein ganz hohes Niveau, da kann ich nicht irgendwelche einfachen Schinken hinstellen.“ Am Anfang habe sie sich zunächst vertan, das Publikum falsch eingeschätzt. „Inzwischen weiß ich, dass es hier ganz viele Lesekreise gibt und die Leute sehr belesen sind.“

Gegen halb zwei brechen ihre Gäste wieder auf. Unaufgefordert zahlt jeder seine 5,50 Euro für Suppe und Lesung. Der ein oder andere nimmt gleich noch ein Buch mit. „Das lohnt sich schon“, sagt Koppmann, während sie die Suppenteller – Maria Weiß mit Blumenmuster – zusammenstellt. Ein Stamm von sechs Kunden komme immer, es seien auch immer mal wieder neue Gäste dabei. Kundenbindung nennt sich das. Oder wie es Karin Somfleth formuliert: „So ist es in der Provinz: Entweder man macht was los, oder es ist nichts los.“ Sabine Koopmann hat sich für die erste Variante entschieden.

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