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TInsektengiftallergie: Buxtehuder Arzt beantwortet die wichtigsten Fragen

Dr. Andreas Kleinheinz erklärt im TAGEBLATT, was Allergiker zu Insektenstichen wissen müssen.

Dr. Andreas Kleinheinz erklärt im TAGEBLATT, was Allergiker zu Insektenstichen wissen müssen. Foto: Sulzyc/dpa

Wespen- und Bienenstiche sind unangenehm. Für Allergiker können sie sogar lebensbedrohlich sein. Was Betroffene tun können, erklärt Dr. Andreas Kleinheinz vom Elbe Klinikum Buxtehude.

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Von Thomas Sulzyc
12.07.2026, 05:50 Uhr

Buxtehude. Wespen, Bienen, Hornissen und Hummeln haben jetzt Saison. Ein Stich kann schmerzhaft sein - für Bienengiftallergiker sogar lebensbedrohlich. Bis zu drei Prozent der Bevölkerung reagieren allergisch auf Bienen- oder Wespengift. Zehn bis 20 Todesfälle pro Jahr treten in Deutschland nach Stichreaktionen auf.

Dr. Andreas Kleinheinz, Dermatologe, Chefarzt und Ärztlicher Direktor am Elbe Klinikum Buxtehude, sitzt vor dem Honighaus im Hamburger Volkspark.

Dr. Andreas Kleinheinz, Dermatologe, Chefarzt und Ärztlicher Direktor am Elbe Klinikum Buxtehude, sitzt vor dem Honighaus im Hamburger Volkspark. Foto: Sulzyc

Nicht alle Betroffenen wissen von ihrer Allergie. Bei einem Fachgespräch im Honighaus Hamburg machte deshalb Dr. Andreas Kleinheinz auf das Thema aufmerksam. Der Mediziner ist Chefarzt des Dermatologischen Zentrums und Ärztlicher Direktor am Elbe Klinikum Buxtehude. Er erklärt, was man über Wespenstiche und Insektengiftallergie wissen sollte.

Was ist noch eine normale Reaktion auf einen Stich?

Dass der Bereich an der Einstichstelle anschwillt, ist normal. Die Schwellung bleibt auf die Einstichstelle begrenzt und nimmt in der Regel nach 24 Stunden ab. Selbst wenn nach einem Stich, zum Beispiel in den Oberarmmuskel, der gesamte Oberarm anschwillt, ist das noch kein Grund zur Sorge. Mediziner sprechen dann von einer überschießenden örtlichen Stichreaktion.

Was tun bei einem Wespenstich?

Nicht der Stich bereitet Schmerzen. „Das Gift tut uns weh“, erklärt Andreas Kleinheinz. Er empfiehlt, die Stichstelle zu kühlen. „Bei einem Picknick kann man sich mit dem Metall eines Löffels oder der Oberfläche einer Flasche behelfen.“

Manche schwören nach einem Stich auf eine Speisezwiebel. Die medizinische Wirkung dieses Hausmittels sei zwar nicht bewiesen. „Die Zwiebel hat jedoch eine entzündungshemmende Wirkung und kann zusammen mit der Kühlung angewendet werden“, so Kleinheinz.

Die Honigbiene gilt als wenig aggressiv. Nach einem Stich verbleibt der Bienenstachel meist (aber nicht immer) samt Giftsack in der Haut.

Die Honigbiene gilt als wenig aggressiv. Nach einem Stich verbleibt der Bienenstachel meist (aber nicht immer) samt Giftsack in der Haut. Foto: Arne Dedert/dpa

In Apotheken ist ein elektronischer Stichheiler erhältlich. Bei Anwendung - am besten unmittelbar nach dem Stich - erhitzt er die betroffene Hautstelle auf 51 bis 52 Grad - der kleine Hitzeschock hemmt den Juckreiz und lindert den Schmerz. Um die 30 Euro kostet der Stichheiler. Der Arzt kann zudem Kortison-Salbe verschreiben.

Woran erkennt man eine allergische Reaktion?

Eine Insektengiftallergie erkennt man daran, dass Reaktionen nicht nur rund um die Stichstelle auftreten, sondern auch andere Teile des Körpers betroffen sind. Andreas Kleinheinz nennt ein Beispiel: „Wenn in die Hand gestochen wurde, zusätzlich plötzlich Rötungen oder Schwellungen an den Beinen oder im Genitalbereich auftreten.“ Auch Atemprobleme, Schwindelgefühl, Herzrasen oder Übelkeit und Erbrechen können Teil einer allergischen Reaktion sein.

Bei mutmaßlicher Allergie: Wie helfe ich im Notfall?

Den Notruf 112 wählen und mitteilen, dass eine potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktion (Anaphylaxie) vermutet wird. Nach einem Notfallset - in Form eines Pens, eine Art Spritze, oder Nasensprays - bei dem Betroffenen suchen. Denn falls eine Insektengiftallergie bekannt ist, wurde dies ärztlich verordnet und der Patient trägt es womöglich bei sich. „Den Adrenalin-Pen nicht in den Finger rammen, sondern im rechten Winkel auf die Mitte der Oberschenkel-Außenseite injizieren“, sagt Kleinheinz. Den Betroffenen danach flach hinlegen und die Füße hochlegen.

Wie wird die Allergie diagnostiziert?

Wer den Verdacht hat, auf Stiche von Wespen und Bienen allergisch zu sein, bekommt beim Arzt Gewissheit. Dabei gilt: Zu einer Diagnostik, ob eine Insektengiftallergie vorliegt, kommt es nur, wenn es zuvor zu einer typischen Reaktion gekommen ist. Häufig reicht für die Diagnostik ein Bluttest aus. Dabei wird ermittelt, ob ein bestimmter Antikörper gegen Wespen- oder Bienengift vorliegt.

Wespen sind die häufigsten Auslöser der Insektengiftallergie. Von zehn Betroffenen reagierten neun allergisch auf Wespengift, einer auf Bienengift.

Kann man eine Allergie auf Insektengift behandeln?

„Zum Glück gibt es heute modere Therapiemöglichkeiten - vom Notfallmanagement mit Adrenalin bis hin zur lang anhaltenden Allergie-Immuntherapie“, sagt Kleinheinz.

Dr. Andreas Kleinheinz, Dermatologe, Chefarzt und Ärztlicher Direktor am Elbe Klinikum Buxtehude, trägt Imkerschutzbekleidung. Anlässlich eines Fachgesprächs im Honighaus Hamburg besucht er die Bienenstöcke der Imkerin Elena Chmielewski.

Dr. Andreas Kleinheinz, Dermatologe, Chefarzt und Ärztlicher Direktor am Elbe Klinikum Buxtehude, trägt Imkerschutzbekleidung. Anlässlich eines Fachgesprächs im Honighaus Hamburg besucht er die Bienenstöcke der Imkerin Elena Chmielewski. Foto: Sulzyc

Bei der Immuntherapie wird das Immunsystem an das Insektengift gewöhnt. Dabei lassen sich Allergiker zwölf Mal im Jahr das Insektengift in die Haut spritzen. „Drei bis fünf Jahre lang“, sagt Kleinheinz. Das Gift stammt von Bienen und Wespen, die das Klinikum von Imkern erhält.

Wie erfolgreich ist die Immuntherapie?

Bei Bienengift-Immuntherapie liegt die Erfolgsrate nach fünf Jahren bei 82 bis 95 Prozent.

Wespen sind der häufigste Auslöser der Insektengiftallergie. Sie ernähren sich auch von zuckerhaltigen Stoffen und süßen Lebensmitteln - und kommen deshalb dem Menschen in die Quere.

Wespen sind der häufigste Auslöser der Insektengiftallergie. Sie ernähren sich auch von zuckerhaltigen Stoffen und süßen Lebensmitteln - und kommen deshalb dem Menschen in die Quere. Foto: Patrick Pleul/dpa

Bei der Wespengift-Immuntherapie sind es 95,7 bis 99 Prozent. Das bedeutet: Ein Stich kann Insektengift-Allergikern nicht mehr gefährlich werden.

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