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TInsolvenz: Ist Stades Hoffnungsträger Prime Lithium noch zu retten?

Unternehmenschef Dr. Axel C. Heitmann in einem der Labore im Stader Chemie-Park.

Unternehmenschef Dr. Axel C. Heitmann in einem der Labore im Stader Chemie-Park. Foto: Skalnik/ Prime Lithium

Prime Lithium im Stader Industriepark hat Insolvenz angemeldet. Laut Amtsgericht darf das Start-up sein Vermögen immerhin weiter selbst verwalten. Wie ist das einzuschätzen?

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Von Anping Richter
Donnerstag, 23.04.2026, 09:05 Uhr

Stade. Das Verfahren nennt sich Insolvenz in Eigenverwaltung und gilt als Sanierungsinstrument. Das Amtsgericht Stade hat am 10. April zwar zentrale Maßnahmen angeordnet, die Firma Prime Lithium darf ihr Vermögen aber weiterhin selbst verwalten. So kann sie ihre Geschäfte selbst weiterführen - unter Aufsicht eines vorläufigen Sachwalters. Dazu wurde Dr. Malte Köster aus Bremen bestellt.

Gesellschaft bleibt handlungsfähig

Mitarbeiter bestätigen die Nachricht und teilen mit, dass Unternehmenschef Dr. Axel C. Heitmann erst zu einem späteren Zeitpunkt ausführlicher Auskunft geben könne, weil er sich auf Geschäftsreise befindet.

Blick ins Stader Versuchslabor von Prime Lithium.

Blick ins Stader Versuchslabor von Prime Lithium. Foto: Strüning

Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, ist es Heitmanns Ziel „das Unternehmen uneingeschränkt fortzuführen und die Arbeitsplätze zu erhalten“. Dafür müsste er allerdings zeitnah Investoren finden. Heitmann, der ursprünglich nur 15 Prozent der Gesellschaftsanteile hielt, hatte die restlichen 85 Prozent Mitte 2024 von der Deutsche Rohstoff AG übernommen und wurde damit alleiniger Anteilseigner.

Investorensuche dauert länger als erwartet

In der Branche ist bekannt, dass Heitmann schon seit einiger Zeit auf Investorensuche ist. Nicht ohne Erfolgsaussichten, denn bei Prime Lithium handelt es sich um einen Hoffnungsträger: Die Firma hat die High-Tech-Produktion von Lithiumhydroxid in Stade entwickelt und bereits mehrere Patente angemeldet.

Wie berichtet, steckt Lithium in Smartphones, Laptops und vor allem in Elektroauto-Batterien. Bisher ist Deutschland von Auslandsimporten abhängig. Das wollte Heitmann ändern: Nach dem Bau einer Pilotanlage im Jahr 2028 sollte ab 2031 die industrielle Produktion in Stade starten - Co2-emissionsfrei und in höchster Qualität.

Mehrere Patente und große Hoffnungen

Die Hoffnungen waren groß: Als Investitionsvolumen für die erste von drei geplanten Produktionsanlagen war von 700 Millionen Euro und einer Lieferkapazität von Lithium für 500.000 Elektrofahrzeuge die Rede. Gegenüber dem TAGEBLATT sprach Heitmann außerdem von einem Bedarf von 350 Mitarbeitern.

Langfristig war sogar das dreifache anvisiert, außerdem auch das Recycling von Batteriezellen. 22 Hektar auf dem Dow-Gelände sind vertraglich reserviert. Schlüsselrohstoffe könnten zum einen von Dow bezogen, zum anderen direkt am Seehafen Stade angeliefert werden.

Investoren haben andere Sorgen: Krieg in Nahost

Investoren aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten sollen Interesse an dem Projekt bekundet haben. Eine Finanzvereinbarung habe kurz bevorgestanden, heißt es. Doch die Investoren sprangen ab. Zur Begründung verweist Heitmann auf die aktuelle Lage in Nahost.

„Die Situation ist schwierig, aber nicht hoffnungslos“, sagt Stephan Engel, Projektkoordinator für Zukunftsperspektive und Entwicklung des Chemie-Industriestandorts Stade. Der Wirtschaftsförderer hält es für gut möglich, dass bei Prime Lithium noch ein Investor anbeißt.

Die Insolvenz in Eigenverwaltung kann dazu dienen, der Firma Luft zu verschaffen, bis Gespräche mit Verhandlungspartnern zum Abschluss kommen oder neue Investoren gefunden sind. Mit den fast 25 Mitarbeitern von Prime Lithium - Forscher, Ingenieure, Techniker, Laboranten - will Stephan Engel in der kommenden Woche Gespräche führen.

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