TJunge und alte Talente im Rampenlicht: Begeisternde Auftritte in Stade
Voller Einsatz: Frontfrau Wiebke Fuchs von Hard to Tell zeigte ihr stimmliches Können. Foto: Grewe
Lust auf rockige Musik? Oder eher in Richtung Songwriter? Zünftige Klänge eines Spielmannszuges gehen auch immer. Ein Blick auf die besonderen Auftritte beim 4. Open Stage.
Stade. Dr. Katja Otter, Vorsitzende des Förderkreises im Stadeum, eröffnete gemeinsam mit Moderator Richie Bielau die gut besuchte Veranstaltung. „Auch wenn diese Veranstaltung für uns immer defizitär ist, so wollen wir jedem an Kultur Interessierten für wenig Geld die Gelegenheit geben, diese Talente zu erleben“, erklärte Katja Otter. In Anspielung auf die Wahlprogramme der Parteien im Vorfeld der anstehenden Kommunalwahl sagte sie: „Kultur ist total wichtig. Aber davon ist bei den Parteien meist nicht viel zu spüren. Daran wird leider zu oft gespart.“
Einen beeindruckenden Einmarsch in die Halle bot der Spielmannszug Horneburg, bevor er anschließend die Bühne betrat. Foto: Grewe
Dann ging es los mit Getöse: Der Spielmannszug Horneburg marschierte ein mit dem schwungvollen Stück „Iko Iko“, das gerne beim Karneval in New Orleans seine Verwendung findet. Moderne Pop-Arrangements, wie das berühmte „Thriller“ von Michael Jackson, standen ebenfalls auf der Setlist des 1927 gegründeten Spielmannszuges.
Tipps für die passende Anmache in einem Drogerieladen
„Ich falle in eine unangenehme Situation, dargestellt in drei kleinen Geschichten“, verriet der dann folgende Stand-up-Comedian Enrico Ledzinski aus Buxtehude, der nun in Berlin lebt, im Vorfeld über sein Programm. „In Berlin gibt es viele Verrückte“, leitete der 33-Jährige seinen Auftritt ein und schob mit einem Lächeln nach: „Man sollte zum Beispiel immer gucken, ob auch wirklich ein Kind im Kinderwagen liegt.“ Eine humorvolle Geschichte über das Kennenlernen seines Schwiegervaters und Tipps für die passende Anmache in einem Drogerieladen („Steht DM für Dich und Mich?“) rundeten seine kurze Show ab.

Die sieben jungen Frauen des Jugend-Theaterclubs des Stadeum boten eine Mischung aus Tanz- und Kampfszenen. Foto: Grewe
„Wir sind heute mit sieben jungen Frauen im Alter von 14 bis 19 Jahren dabei“, wusste Matthias Schlüter, stellvertretender Leiter des Jugend-Theaterclubs des Stadeum, der die verhinderte Melli Pampoukidou vertrat, zu erzählen. Unter ihnen war auch Ina Baden, Mitglied der „ersten Stunde“, des vor zweieinhalb Jahren gegründeten Ensembles. Engagiert brachten die jungen Theater-Mimen eine Mischung aus „selbst entwickelten Tanz- und Kampfszenen“ aufs Stadeum-Parkett. „Mittwochs um 15.30 Uhr üben wir übrigens immer“, warb die Gruppe um weitere Mitglieder.
Schon im vergangenen Jahr für Open Stage beworben
Zum ersten Mal bei der Open Stage im Stadeum dabei war auch Memories Ink, eine Band, die sich aus Musikern, die alle „rund um Stade“ wohnen, zusammensetzt. „Wir haben uns schon im vergangenen Jahr beworben, in diesem Jahr hat es dann geklappt“, erzählte Frontsänger Lars Schwenke.

Lars Schwenke, Frontsänger von Memories Ink, bestach mit seiner ausdrucksstarken und zugleich gefühlvollen Stimme. Foto: Grewe
Neben ihm gehören noch Lio Scholz (Bass), „Poddy“ (Backgroundgesang und Gitarre) sowie Julie Guth (Schlagzeug) zur Bandbesetzung. Ihre „Coversongs aller Art“ zündeten sofort beim Publikum und wurden mit kräftigem Applaus belohnt. Dies lag sicher auch an der charismatischen Ausstrahlung ihres Sängers Lars Schwenke, der mit ausdrucksstarker, aber gefühlvoller Stimme Liedern wie „King and Lionheart“ (im Original von Of Monsters and Men) oder dem James-Blunt-Stück „Monsters“ seinen Stempel aufdrückte.
13-jährige Clara Heinzel aus Bargstedt mit großem Auftritt
Einen kompletten Kontrast zur zuvor gehörten Musik gab es dann: Die erst 13-jährige Clara Heinzel aus Bargstedt hatte ihren großen Auftritt. „Vor zwei Jahren hatte sie gedacht, ihre Gefühle zu Papier zu bringen“, kündigte sie Moderator Richie Bielau an. „Ihre Mama hat sie dann hier angemeldet“, verriet er mit einem Augenzwinkern. In einer Mischung aus Lesung mit Poetry-Slam-Einschlag trug Clara Heinzel drei Geschichten vor, unter anderem die beeindruckende Selbstreflexion „13 - und trotzdem ich“. Aufbrandender Applaus brach danach die zuvor mucksmäuschenstille Atmosphäre.

Sie war einer der heimlichen Stars des Abends: Die erst 13-jährige Clara Heinzel aus Bargstedt brachte ihre Gefühle zu Papier und von dort in Form von Poetry Slam auf die Bühne des Stadeum. Foto: Grewe

Sie hatte gleich zwei Auftritte: Lilly Marie Pfänder spielte nicht nur die Regisseurin beim Jugend-Theaterclub, sondern sorgte als Songwriterin mit ihrem selbst komponierten Lied „Verlorene Poeten“ für eine andächtige Stille im Publikum. Foto: Grewe
Eine Künstlerin hatte gleich zwei Auftritte: Lilly Marie Pfänder. Hatte sie zuvor beim Jugendtheater die „Regisseurin“ gespielt, so trat sie nun als Songwriterin mit ihrem selbst geschriebenen Song „Verlorene Poeten“ auf. Die 18-Jährige wusste mit ihrem ruhigen Lied zu überzeugen.
„La Bailarina“ holte den Vize-WM-Titel in die Region
Schwungvoll, farbenfroh und professionell wurde es auf der Bühne, als die Tanzgruppe „La Bailarina“ unter der Leitung von Tamara Koch aus Drochtersen ihr Können zeigte. Als Ballett-Mädchen im TSV Bülkau aktiv, holten die jungen Frauen vor drei Jahren zunächst den zweiten Platz bei der Deutschen Meisterschaft. Dadurch qualifizierten sie sich für die Weltmeisterschaft in Prag, wo sie beim sogenannten „World Dance Contest“ den Vize-WM-Titel in die Region holten. Von Solo-Darbietungen, unter anderem aus „Schwanensee“, bis zum gemeinsamen Tanz bekamen die Zuschauer viel geboten.
Inspiriert durch den Auftritt, fragte Moderator Richie Bielau das Publikum: „Wer sagt von sich, dass er das Publikum mit einem Tanz begeistern kann?“ Spontan meldete sich Maurice, der dann auch gleich den Beweis auf der Bühne mit einem Stepptanz antreten musste.
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Rampensau: Vom Vorruhestand auf die Bühne
Wie man seinen Vorruhestand kreativ nutzt, beweist Ralf Somann aus Sittensen, der seine neugewonnene Freizeit in ein Schauspielstudium investierte. „Seit zweieinhalb Jahren bin ich ausgebildeter Schauspieler“, so der 63-Jährige. „Ich bin eine Rampensau“, verriet er lächelnd. „Früher habe ich mit Kindern ein Musical auf dem Dorf aufgeführt. Nun bin ich dabei, mich auf dem Markt zu etablieren.“ Einige Kurzfilme und sogar einen Spiel- und Dokumentarfilm habe er gedreht, erzählte Ralf Somann.

Er ist seit zwei Jahren Schauspieler und riss das Publikum mit seinem klassischen Theater-Monolog mit: Ralf Somann aus Sittensen zeigte, dass man „Faust in 5 Minuten“ auf die Bühne bringen kann. Foto: Grewe
Die in Stade gezeigte Darbietung war ein klassischer Theater-Monolog („Faust in 5 Minuten“). „Normalerweise benötigt das Original eine Dauer zwischen zwei und drei Stunden - ich beweise, dass es auch in einer Kurzfassung geht“, sagt Ralf Somann schmunzelnd.
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Der Abschluss der Open Stage war der Band Hard to Tell vorbehalten. „Wir waren schon im vergangenen Jahr dabei“, so Bassist Chris Rann. 2015 gegründet, gehören der Band aktuell auch Henry Lorenz (Schlagzeug), Calvin Grüssing (Leadgitarre) und Tim Brinklaus (Keyboard und Gitarre) an. Den richtigen „Drive“ erhalten die Hardrock- und Metal-Coversongs durch die ausdrucksstarke Stimme und die Bühnenshow von Sängerin Wiebke Fuchs. „Barracuda“ (im Original von „Heart“), „Help“ (Papa Roach) und als letztes Stück „Night Train“ (Guns N‘ Roses) entließen die Kulturinteressierten in den Samstagabend.

Alle Teilnehmer der 4. Open Stage standen zum Abschluss gemeinsam auf der Bühne. Foto: Grewe
Das Sprungbrett für lokale Talente erwies sich im Stadeum wieder einmal als ein Volltreffer - sowohl für die teilnehmenden Künstler, dessen Freude beim jeweiligen Auftritt zum Publikum übersprang, als auch beim Publikum selbst, das die durchweg qualitativ ansprechenden Darbietungen entsprechend mit Applaus honorierte.

Die Tanzgruppe „La Bailarina“ zeigte eindrucksvoll, warum sie bereits einen Vize-Weltmeistertitel in ihrer Vita zu verzeichnen hat. Foto: Grewe
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