TKäffchen im Klappstuhl: So tickt D/A-Berater Holger Stanislawski
Holger Stanislawski ist ein leidenschaftlicher Kaffeetrinker. 20 Becher kommen da am Tag zusammen. Foto: Berlin
D/A-Berater Holger Stanislawski mag es spartanisch. Während die Spieler beim Trainingslager im Hotel schlafen, übernachtet er im Camper. Beim Kaffee kommen ihm Ideen.
Drochtersen. Holger Stanislawski hält es mit Loriot. Er will einfach nur hier sitzen. 50 Meter Luftlinie vom Hotel auf Krautsand entfernt steht sein Fiat Ducato. Ein 6,40 Meter langer Camper, weiß mit schwarzen Streifen. Stanislawski sitzt neben dem Seiteneingang des Wohnmobils auf seinem Campingstuhl in der Sonne und trinkt einen Kaffee.
Die Fußballer des Regionalligisten SV Drochtersen/Assel haben im Hotel gerade gefrühstückt, lassen das Rührei sacken und brechen in ein paar Minuten auf zum Training. Stanislawski begleitet das Trainingslager des Meisterschaftsanwärters als Berater.
Stanislawski ist leidenschaftlicher Kaffeetrinker
Vor ein paar Wochen hatte D/A den ehemaligen Bundesligatrainer, Spieler und Manager wegen seiner Expertise ins Boot geholt. Die Spieler übernachten in den Hotel-Appartements, Stanislawski lieber im Bett über der Hinterachse seines Ducato.
T „Stani“ Stanislawski will bei D/A nicht den Schlaumeier raushängen lassen
Beim sechsten Kaffee sinniert Stanislawski darüber, was er den Spielern, dem Trainerstab und dem D/A-Management diesmal mit auf den Weg gibt. Ob ihm überhaupt etwas aufgefallen ist, was seiner Meinung nach in Nuancen anders laufen könnte. Über den Tag verteilt können noch 14 Becher Kaffee hinzukommen. „Ich bin ein leidenschaftlicher Kaffeetrinker“, sagt der 56-Jährige. Der Kaffee muss heiß sein, am besten aus kräftigen Espresso-Bohnen.

Holger Stanislawski berät D/A seit diesem Sommer. Foto: Jörg Struwe
Trainer beim 1. FC St. Pauli, bei der TSG Hoffenheim, beim 1. FC Köln, Manager eines Supermarktes in Hamburg, jetzt Berater bei D/A. Stanislawski hat bereits betont, dass er in der fußballerischen Provinz nicht den Schlaumeier raushängen lassen will. Und an diesem Vormittag auf seinem Campingstuhl sagt er noch mal deutlich, dass er nicht hier sei, „um irgendeinen Posten zu übernehmen“ oder „irgendwen durch die Hintertür rauszukicken“. In seiner Jobbeschreibung stehen andere Dinge.
So unterstützt Stanislawski die SV D/A
„Es geht um einschätzen und unterstützen“, sagt Stanislawski. Entscheidend sei, dass das Team funktioniere. Seine Qualitäten sieht er in der Beantwortung von Mentalitätsfragen.
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Ganz konkret führt er Stürmern zum Beispiel vor Augen, was an einem schlechten Pass im Strafraum, an einer nachlässigen Aktion in der Box, einem luschig geklatschten Ball vor dem Tor so alles dranhängen könnte. Dann müssen nämlich andere für den Stürmer „Meter machen“, „Aufwand betreiben“ - 80 Meter rennen im Sprinttempo. Das ist vermeidbar.
T Erfahrungsschatz und Mentalität: So geht Stanislawski das D/A-Projekt an
Stanislawski scoutet auch. Er schaut sich Spiele der Konkurrenz an und gibt seine Eindrücke weiter. Raumdeckung, Manndeckung, Standards? Wie tickt Phönix Lübeck? Der Mitfavorit auf die Meisterschaft ist am Freitag, 31. Juli, ab 19.30 Uhr gleich Auftaktgegner im Kehdinger Stadion in Drochtersen.
Berater hilft bei der Markenbildung
Was kommt infrastrukturell auf den Verein zu, wenn neben der ersten Mannschaft in der Regionalliga die zweite in der Oberliga spielt? Da ist der Rasen des Hauptplatzes im Stadion im Dauerstress. Da besteht Handlungsbedarf.
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Als erfolgreicher Betreiber eines Supermarktes in Hamburg gilt Stanislawski als Experte in Sachen Marketing nicht gerade als unbeleckt. Weil er „nicht nur in einer Box denkt“, ist die Single-Night in seinem Kaufhaus entstanden. Paare, die sich dort gefunden haben, schreiben ihm heute noch glücklich in den sozialen Netzwerken. Die Marke D/A könnte bekannter werden. „Der Norden kann gut ab, die nächste Mannschaft im bezahlten Fußball zu bekommen“, sagt Stanislawski.

Holger Stanislawski und D/A-Präsident Rigo Gooßen. Foto: Jörg Struwe
Warum sollte D/A nicht zum zweiten SV Elversberg werden? Der Club aus dem Saarland spielte lange viertklassig, stieg in die 3. Liga auf, wieder ab und kletterte schließlich doch in wenigen Jahren bis in die 1. Bundesliga. „Da steckt viel Vorbereitung drin“, sagt Stanislawski. „Du brauchst ein Fundament, Sponsoren, eine Spielstätte, gute Trainingsbedingungen.“
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D/A gelange auch langsam an den Punkt, „an die Spitze des Eisbergs“. Vielleicht so eine Art Metapher dafür, dass unter Wasser schon eine ziemlich dicke Schicht für Halt sorgt, oben aber ziemlich wenig Platz für Fehler ist. Und die Luft an der Spitze wird auch immer dünner. Holger Stanislawski hat für solche Lebenslagen ein Mantra kreiert: „Chancen höher einschätzen als das Risiko.“
Schnacker braucht manchmal seine Ruhe
Mantras und Ideen schießen Stanislawski in den Kopf, wenn er vor seinem Fiat Ducato mit einer Tasse Kaffee im Klappstuhl sitzt. An der Steilküste von Nordsardinien, in Dänemark, Österreich, der Schweiz oder eben auf Krautsand. Er zieht den Camper dem Hotelbett vor. Er kann nachts vor die Tür gehen. Er kann morgens wegfahren oder bleiben. Er sei unabhängig.
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Im Klappstuhl vor dem Camper legt er das Handy weg und stellt es auf lautlos. „Ich brauche Phasen der Ruhe, weil ich ein Mensch bin, der viel reden und sich austauschen muss“, sagt Stanislawski. Dann will er einfach nur hier sitzen.
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