TKernfusion als Zukunft der Energieerzeugung: Das plant Proxima Fusion
Der Forschungsreaktor „Wendelstein 7-X“ im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik im August 2022. Die Anlage in Greifswald selbst liefert noch keine Fusionsenergie, sondern dient der Grundlagenforschung. Foto: Stefan Sauer/dpa
Was ist dem Standort Stade durch die gescheiterte Ansiedlung des Kernforschungsprojekts auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände entgangen? Das klärt ein Blick nach Bayern.
Landkreis. Proxima Fusion plant ein Fusionskraftwerk in Garching bei München. Das Unternehmen, das aus dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik hervorging, will nach eigenen Angaben bis Anfang der 2030er-Jahre eine marktreife Fusionsanlage entwickeln.
Der Forschungsreaktor „Alpha“ soll rund zwei Milliarden Euro kosten. 411 Millionen bringt das Unternehmen mit, 400 gibt Bayern dazu. Den Rest soll der Bund zahlen. Im Aktionsplan Fusionsenergie der Bundesregierung gibt es 2,4 Milliarden Euro. Es gibt aber neben Proxima Fusion andere Standorte und Konzepte, die Förderanträge stellen werden.
Fusionskern: Start in sechs bis sieben Jahren
Die Anlage soll in den nächsten sechs bis sieben Jahren in Betrieb gehen. Parallel dazu plant RWE in Gundremmingen den Bau des ersten kommerziellen Fusionsreaktors „Stellaris“, der auf der gleichen Technologie wie „Alpha“ basiert. Dieser Reaktor soll ebenfalls Magnetfusionstechnologie nutzen.
T CDU: Niedersachsen blockiert Milliarden-Investition in Kernfusion in Stade
T Drinnen Lacher, draußen Protest: So lief Söders Stade-Auftritt
Bei der Kernfusion werden zwei Atomkerne verschmolzen, im Gegensatz dazu werden bei der Kernspaltung Atomkerne gespalten. Bei der von Proxima Fusion favorisierten Magnetfusion ist ein Gasgemisch aus den Wasserstoffisotopen Deuterium und Tritium in einem Reaktor von einem Magnetfeld eingeschlossen, so dass es die Reaktorwände nicht berühren kann und Teilchen und Energie das Plasma nicht verlassen.
Kein Risiko einer unkontrollierten Kettenreaktion
Das eingeschlossene Plasma wird mit Hilfe einer sehr starken externen Heizung auf eine Temperatur von mehreren Millionen Grad Celsius erhitzt, so dass ähnlich wie in der Sonne Fusionsreaktionen stattfinden können. So beschreibt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt den Prozess.
Im Gegensatz zur Kernspaltung birgt die Kernfusion kein Risiko einer unkontrollierten Kettenreaktion. Die Fusionsprodukte lösen keine weiteren Reaktionen aus, und der Fusionsbrennstoff muss ständig von außen zugeführt werden. „Ein katastrophales Reaktorunglück mit Folgen wie bei einem AKW ist daher praktisch nicht möglich“, so das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung. Ein Betriebsausfall würde die Reaktion unmittelbar stoppen.
Kernfusion funktioniert ohne hoch radioaktiven Müll
Ein weiterer Vorteil ist, dass der bei der Fusion entstehende nukleare Abfall nur aus Helium besteht, im Gegensatz zu den hoch radioaktiven Spaltprodukten bei der Kernspaltung. Bei der Kernfusion fällt laut Bundesamt schwach radioaktiver und zu einem geringen Anteil auch mittel radioaktiver Abfall an.
Hoch radioaktiver Abfall entstünde nicht, was laut Bundesamt ein klarer Vorteil dieser Energieerzeugung gegenüber heutigen Atomkraftwerken wäre. Die Halbwertszeiten sind deutlich kürzer als bei der Kernspaltung, so dass laut Wissenschaft 100 Jahre sichere Aufbewahrung ausreichen könnten.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.