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Neujahrsbegegnung

TVor Harsefelder Kirchen-Abriss: Ein historischer Besuch der Sternsinger

Die Sternsinger mit den Bürgermeisterinnen der Samtgemeinde, Ute Kück (hinten, rechts) und des Flecken Harsefeld, Susanne de Bruijn (hinten, links).

Die Sternsinger mit den Bürgermeisterinnen der Samtgemeinde, Ute Kück (hinten, rechts) und des Flecken Harsefeld, Susanne de Bruijn (hinten, links). Foto: Fehlbus

Sie wollen die demokratischen Räte zersetzen: Dieser ehrenamtliche Bürgermeister warnt vor Frust-Wahl von extremistischen Parteien bei der Kommunalwahl 2026.

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Von Miriam Fehlbus
Montag, 05.01.2026, 13:55 Uhr

Harsefeld. Christus mansionem benedicat - Christus segne dieses Haus. Diesen Segen haben die Sternsinger in Harsefeld am 3. Januar im Rahmen der Neujahrsbegegnung am Rathaus angebracht. Das eigene Haus der katholischen Gemeinde im Flecken wird diesen Segen für 2026 nicht mehr brauchen. Am 31. Januar wird das rund 60 Jahre alte Gebäude in der Böberstroot profanisiert - entweiht - und wenig später abgerissen. Rund 1000 katholische Kirchenmitglieder in der Samtgemeinde Harsefeld konnten die St.-Michael-Kirche nicht erhalten.

Weniger Besucher als sonst wegen des Schneefalls

Mit dieser traurigen Nachricht über die katholische Kirche als Gebäude endete die Neujahrsbegegnung in Harsefeld. Begonnen hatte sie mit viel Schnee. Keiner der Anwesenden, darunter der ehemalige Samtgemeindebürgermeister Rainer Schlichtmann, der 25 Jahre im Amt war, konnte sich daran erinnern, dass jemals zum Jahresbeginn so viel von der weißen Pracht den Weg zum Rathaus erschwerte.

Anreise mit Schnee: Es waren deutlich weniger Besucher als sonst im Rathaus in Harsefeld.

Anreise mit Schnee: Es waren deutlich weniger Besucher als sonst im Rathaus in Harsefeld. Foto: Fehlbus

Rund 250 Gäste statt der sonst mehr gut als doppelt so vielen Besucher waren wohl auch aus diesem Grund anwesend. Sie bekamen an Stellwänden von Rathausmitarbeitern, Ratsmitgliedern und Vereinsvorständen viel Neues zu hören. Und dafür sorgten auch in ihren Reden die Harsefelder Samtgemeindebürgermeisterin Ute Kück (parteilos) und die Flecken-Bürgermeisterin Susanne de Bruijn (Freie Wählergemeinschaft).

Zu Ostern über die Brücke am Wiesenweg gen Ohrensen

Ein kirchliches Fest und vielleicht ein Fest für Harsefeld sorgten für den kurzfristigsten Ausblick: Der Osterspaziergang über den Verbindungsweg zwischen Ohrensen und dem Wiesenweg in Harsefeld soll möglich sein. Wie berichtet wurde die Brücke zwischenzeitlich eingehängt. Aber noch konnte auch wegen der vielen notwendigen Genehmigungen nicht alles abgeschlossen werden.

Es dauere ihr viel zu lange und zeige, wie es wirklich um den Bürokratieabbau steht, sagt Susanne de Bruijn. Völlig unbürokratisch hatte allerdings die angrenzende Gemeinde Bargstedt sich an dem Wegteil beteiligt. Dafür dankte die Flecken-Bürgermeisterin dem Bargstedter Rat.

Appell: Mehr im örtlichen Handel einkaufen

Was die Harsefelder länger und über das Jahr 2026 hinaus beschäftigen wird, ist aus Sicht der ehrenamtlichen Harsefelder Bürgermeisterin die Marktstraße. Mit großem Bedauern wiederholte Susanne de Bruijn die Schließungspläne der Inhaber des Kaufhauses Quast zum Jahresende 2026. Das Fehlen des Geschäfts „in dem es alles gibt, außer Rolltreppen“, so de Bruijn, werde eine große Lücke reißen.

Schon jetzt wandele sich die Marktstraße. Es gebe immer weniger Geschäfte, die zum Wohnen und Schauen einladen und immer mehr Dienstleister. „Geschaut wird vor Ort, gekauft im Internet“, fasste de Bruijn zusammen, verbunden mit einem Appell, im örtlichen Handel auch einzukaufen.

Feier zu 60 Jahre Städtepartnerschaft im Mai 2026

60 Jahre Asfeld bietet da die fröhlichere Vorausschau: Im Mai soll die Partnerschaft mit den Gästen aus Frankreich gefeiert werden. Wer ein Plätzchen für die Asfelder Besucher vom 14. bis 17. Mai bieten kann, solle sich melden.

Wer aus Frust über Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene seine Stimme auf kommunaler Ebene einer extremen Partei gibt, verfehlt das Ziel

Susanne de Bruijn

Am 13. September schließlich ist Kommunalwahl. Da geht es darum, wer in Harsefeld zukünftig die Geschicke leitet. „Dabei wird es auch wichtig sein, die zu entlarven, die sich unter dem Deckmantel einer demokratischen Partei verstecken und von innen heraus mit ihren antidemokratischen Meinungen versuchen, einen demokratischen Rat zu zersetzen“, sagte Susanne de Bruijn. „Wer aus Frust über Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene seine Stimme auf kommunaler Ebene einer extremen Partei gibt, verfehlt das Ziel.“

Bürgermeisterin fordert Rentenpunkte fürs Ehrenamt

Ehrenamt und Eigeninitiative seien der richtige Weg. Und weil das Ehrenamt so wichtig ist, regte die Harsefelder Flecken-Bürgermeisterin zusätzlich zum Ehrenamtstag am 23. Mai an, dass Menschen im Ehrenamt mit ihren wertvollen Arbeiten Rentenpunkte sammeln. „Etwas, das in Frankreich übrigens möglich ist“, so de Bruijn. Sie hat das auch gleich als Anregung nach Berlin geschickt.

Enden wird im Oktober mit der Wahl das Amt der Samtgemeindebürgermeisterin Ute Kück, die nach der Verlängerung der Amtszeit auf acht Jahre nicht mehr zur Verfügung steht. Sie zog eine kleine Bilanz. „Ich werde im nächsten Jahr nicht mehr vor Ihnen stehen“, sagte sie, es fühle sich jetzt schon etwas seltsam an.

Man merke nie, was schon getan wurde, man sehe immer nur, was noch zu tun bleibe, zitierte sie Marie Curie und ließ einen Schnelldurchlauf einiger umgesetzter Projekte des vergangenen Jahres folgen.

Harsefeld: Für optimale Fördergeld-Nutzung bekannt

Ein Integrationsspielplatz am Mädesüßweg, ein Trinkwasserbrunnen am Schmiedeplatz, ein neues Kinderplanschbecken im Freibad - alles auch dank Fördergeldern. „Dafür sind wir bekannt, und das soll so bleiben“, sagte Ute Kück.

Die kommunale Wärmeplanung ist auf den Weg gebracht, die Kläranlage fertiggestellt. Im Schulbereich liege die Baugenehmigung für Teilabriss und Bau der neuen Grund- und Oberschule in Ahlerstedt vor. Auch für die Grundschule in Bargstedt sind die ersten Schritte hin zu Abriss und Neubau gemacht. „28,6 Millionen werden wir in den nächsten Jahren in Schulbau investieren“, sagte Ute Kück. Ebenfalls ein Projekt, das unter den Bereich Pflichtaufgaben gehört und lange erwartet wird: „Das Feuerwehrgerätehaus in Brest wird 2026 für 1,8 Millionen Euro errichtet“, sagte Ute Kück.

Bücherei soll vergrößert und L124 saniert werden

Friedhöfe, Digitalisierung und die Stellungnahme zum Regionalen Raumordnungsprogramm stehen an. Die Friedrich-Huth-Bücherei wird in der ehemaligen 70-Quadratmeter-Wohnung im Obergeschoss neue Räume für die jüngsten Leseratten bei Bilderbuch-Kino und Co. bekommen. Die Städteförderung wird kontinuierlich fortgesetzt.

Und der Plan für die Sanierung der Landesstraße 124 - Friedrich-Huth-Straße in Richtung Hollenbeck - steht. Begonnen wird hinter dem Bahnübergang in fünf Bauabschnitten, teilweise mit provisorischen Zufahrten und nächtlichen Sperrungen. Der genaue Zeitplan wird noch bekannt gegeben.

Neuer Kompostierplatz soll zum Sommer fertig sein

Die Klosterteiche müssen entschlammt werden, das Jugendzentrum Jubs wird mit einer Ganztagsstelle aufgestockt. Der Bauturbo für den Wohnungsbau ist erfolgreich in Betrieb gegangen, einen kleinen Turbo-Booster für den neuen Kompostierplatz, den der Landkreis baut, würde sich Ute Kück wohl auch wünschen. „Voraussichtlich zweites Quartal 2026 ist die Eröffnung vorgesehen“, sagte sie.

Die Sternsinger segnen das Rathaus. Ihre Kirche in Harsefeld wird bald abgerissen.

Die Sternsinger segnen das Rathaus. Ihre Kirche in Harsefeld wird bald abgerissen. Foto: Fehlbus

Mit den Sternsingern ging es nach den Reden zur Eingangstür des Rathauses nach draußen. Der Segen C+M+B 26 wurde angebracht. Die katholische Gemeinde wird fortbestehen - auch ohne Kirchengebäude. So wird wohl auch im nächsten Jahr ein neues Zeichen in Harsefeld folgen. Trotzdem war es ein historischer Moment, gerahmt in weißen Schnee zum neuen Jahr.

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