TKlapptüren aus Holz und neuer Anstrich: Stader Zeughaus wird saniert
Die Sparkasse Stade-Altes Land zeigt ein Herz für Stade mit der Sanierung des zentralen Gebäudes in der Innenstadt - direkt neben der Hauptstelle. Foto: Strüning
Das Zeughaus am Pferdemarkt ist kaum zu erkennen. Gerüste und Planen verdecken das historische Gebäude, das der Sparkasse Stade-Altes Land gehört. Die hat einiges vor.
Stade. Scherzhaft könnte es heißen: Das Zeughaus ist in die Jahre gekommen. Stimmt. Schließlich ist es 1699 fertiggestellt worden. Die schwedische Regierung, damals Besatzer von Stade, hatte es so beschlossen. Seitdem hat es viele Nutzungen hinter sich.
Militärisches Lager, Jugendherberge und Kino
Jahrhundertelang diente es als Waffenarsenal und als militärisches Lager. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es als Markthalle, Jugendherberge und Lagerraum genutzt, ehe es 1929 von der Stadt erworben wurde, wie Dr. Jürgen Bohmbach in seinem Stader Stadtlexikon schreibt. Die wechselvolle Geschichte setzte sich fort.

Ein Blick ins Innere: Das Zeughaus wird von der Sparkasse selbst intensiv genutzt, um Renovierungen im Haupthaus voranzutreiben. Foto: Strüning
Von 1952 an beherbergte das Zeughaus ein Kino, das bis Ende der 80er Jahre bestand. In der ersten Hälfte der 90er Jahre erfolgte der letzte größere Umbau, um das seit Jahren leerstehende Gebäude wieder sinnvoll mit Leben zu füllen. Die Idee der Zeughaus-Passage setzte sich nicht durch. Zuletzt waren hier der Irish Pub Fiddler’s Green und eine Shisha- und Cocktail-Bar untergebracht. Die aktuelle Nutzung klingt da eher nüchterner.
Arztpraxis, italienisches Café und Sparkassen-Büros
Eine Arztpraxis ist geblieben und das italienische Café am Flügel Richtung Pferdemarkt. Ansonsten nutzen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkasse das historische Gebäude, dessen großflächige Fassade jetzt umfassend saniert wird.

Feuchtigkeit ist in die historischen Mauern gezogen, der Putz fällt von der Wand. Foto: Strüning
„Wir hätten schon gern früher angefangen“, sagt Sparkassen-Vorstand Michael Senf. Sein Institut habe auf die von der Stadt geplante Umgestaltung des Pferdemarkts gewartet, um das ganze Quartier aufzuwerten. Doch die Stadt muss sich Zeit lassen, weil die anvisierten Fördermittel nicht fließen. Die Sparkasse legte schon mal los.

Die Zeughaus-Passage wird geschlossen, der Schriftzug verschwindet. Foto: Strüning
Das prägende Gebäude in der Stader Innenstadt ist mit Gerüsten und Planen komplett eingehaust. So können die Handwerker den herabbröckelnden Putz und das mit Feuchtigkeit vollgesogene Mauerwerk geschützt sanieren. Eine Million Euro fasst die Sparkasse dafür an. Eine Spezialfirma kümmert sich um den Auftrag, der Mitte Mai abgewickelt sein soll.
Sanierung möglichst nah am Originalzustand
Idee ist, das alte Zeughaus möglichst in seinen Originalzustand zu bringen. Dafür werden die Vordächer an den Eingängen zur Passage ebenso abmontiert wie der Schriftzug selbst. Die Passage wird geschlossen. An den Eingängen sollen (funktionslose) Klapptüren aus Holz an die ehemalige Architektur erinnern.
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Die Gauben, die in historischen Vorbildern nicht zu finden sind, werden bleiben, damit das Zeughaus für Büros genutzt werden kann. Der Anstrich wird wieder gelb, soll aber noch einen Tick heller ausfallen als bisher.

Sparkassen-Vorstand Michael Senf. Foto: Sparkasse
Senf hofft, dass das Zeughaus nach der Sanierung von Pinsel- oder Pinkelattacken verschont bleibt. Die Sparkasse ist seit 25 Jahren im Zuge des Erbbaurechts Inhaber des Gebäudes.
Gruft eines Erzbischofs liegt im Keller des Zeughauses
Das ist zum Teil auf dem alten Standort des St. Georg Klosters (1132 bis 1527) gebaut worden, also auf historischem Boden. Landesweit sorgten die Grabungsfunde der Stader Stadtarchäologie für Aufsehen, als 1993 das Grab des im Stader Exil gestorbenen Bremer Erzbischofs Gottfried von Arnsberg freigelegt werden konnte. Im Kellergeschoss ist die Gruft des Erzbischofs zu besichtigen.

Das historische Zeughaus am Pferdemarkt steht unter Denkmalschutz und wird für die Sanierung großzügig eingehaust. Foto: Strüning
Gottfried von Arnsberg (1285-1363) war Bischof von Osnabrück und Erzbischof von Bremen. Der gesamte Ausgrabungsbefund wurde rekonstruiert und wird durch mediale Elemente sowie Informationstafeln erläutert. In der St.-Georgs-Krypta unter dem Zeughaus sind zudem zwei Kunstwerke zum Bischof zu sehen, die von der Stader Künstlerin Anja Seelke geschaffen wurden.
Das Zeughaus ist voller Geschichte, jetzt schreibt die Sparkasse ein neues, kleines Kapitel.
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