„Klare Fehlentscheidung“: Große Aufregung um zwei Handspiele
Die Bayern-Profis protestieren bei Schiedsrichter Joao Pinheiro. Foto: Sven Hoppe/dpa
Die Bayern scheiden im Champions-League-Halbfinale aus. Vor allem eine Strafraumszene und ein nicht gegebener Platzverweis erhitzen die Gemüter. Ein Experte klärt auf.
München. Beim Champions-League-Aus des FC Bayern gegen Paris Saint-Germain haben zwei Entscheidungen des portugiesischen Schiedsrichters João Pinheiro für große Aufregung gesorgt. Für ein Handspiel des PSG-Spielers João Neves keinen Elfmeter gegeben zu haben, erwies sich als richtige Entscheidung. Deutlich strittiger war jedoch, dass Verteidiger Nuno Mendes in der ersten Halbzeit keinen Platzverweis kassierte.
„Wenn sie eine gelb-rote Karte kriegen, sieht alles wieder anders aus“, sagte Bayerns Sportvorstand Max Eberl. „Und das sind Momente, die leider heute nicht auf unserer Seite waren.“
ZDF-Experte kritisiert Schiedsrichter
Konkret ging es um ein klares Handspiel des bereits gelb-verwarnten Mendes in der 29. Minute, als er ein Dribbling des Bayern-Spielers Konrad Laimer stoppte. Referee Pinheiro entschied aber auf Handspiel von Laimer kurz vor jener Aktion.
„Man hat eindeutig gesehen, dass der Ball bei Laimer an den Bauch, an den Oberschenkel, an die Hüfte ging. Dementsprechend hätte es in der Folge eine Gelb-Rote Karte für Mendes geben müssen. Das ist eine klare Fehlentscheidung“, sagte der frühere FIFA-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer als Experte des ZDF.

Kompany tröstete seine Profis. Foto: Tom Weller/dpa
Bayern-Trainer Vincent Kompany sieht das genauso: „Ich habe dreimal die Bilder beobachtet. Und ich habe kein einziges Bild gesehen, wo Konrad Laimer den Ball mit der Hand berührt“, sagte der Belgier.
Und auch Laimer selbst meinte: „Der Schiedsrichter pfeift mein Handspiel, als die Aktion von ihm schon passiert ist. Das habe ich schon im Spiel komisch gefunden. Es wäre schon ein sehr entscheidender Moment gewesen, wenn da ein Spieler nach 20 Minuten mit Gelb-Rot vom Platz geht.“
Strittiges Handspiel: Ball kommt vom eigenen Mitspieler
Auch ein nicht gegebener Handelfmeter nur zwei Minuten später (31.) sorgte für große Bayern-Proteste. Bei einem Befreiungsschlag von PSG-Profi Vitinha prallte der Ball im Strafraum deutlich an den abgespreizten Arm von Neves. Pinheiro aber gab keinen Strafstoß.
„Das ist eine sehr interessante Regel-Geschichte“, räumte auch Kinhöfer ein. „Der Spieler will den Ball aus dem Strafraum schlagen. Er will keinen Angriff unterbinden, er will keine Flanke unterbinden, er will keinen Torschuss unterbinden. Und da ist die Regelauslegung so: Wenn der Ball vom eigenen Mitspieler kommt, wird das regeltechnisch nicht als strafbares Handspiel geahndet. Wäre der Schuss von einem Bayern-Spieler gekommen, wäre es zu einem Strafstoß gekommen. Deshalb hat der VAR gar nicht eingegriffen.“
Die Bayern-Spieler hatten noch auf dem Platz heftig protestiert. Und auch Trainer Vincent Kompany ärgerte die Situation: „Ob es vom eigenen Spieler ist oder nicht, das ist bisschen Quatsch, ein bisschen Blödsinn“, sagte er bei DAZN.

Kimmich reklamiert bei Schiedsrichter Pinheiro. Foto: Sven Hoppe/dpa
Pressestimmen zu Bayern gegen Paris: „Sind die Bosse“
Frankreich
„L‘Equipe“: „Auf nach Budapest! Die Geschichte des französischen Fußballs wird oft in München geschrieben, und der Rasen der Allianz Arena ist für PSG nach wie vor eine Quelle großer Freude. Seit dem überzeugenden 5:0-Sieg gegen Inter Mailand am 31. Mai ist der Pariser Club eng mit dem Münchner Stadion verbunden. Am Mittwochabend wiederholte er diesen Erfolg im Halbfinal-Rückspiel der Champions League, erreichte gegen Bayern München ein 1:1 und sicherte sich damit den Einzug ins zweite Finale in Folge.“
„Le Parisien“: „Sie sind die Bosse.“
Spanien
„Mundo Deportivo“: „Luis Enriques PSG trifft am 30. Mai im Champions-League-Finale auf Mikel Artetas Arsenal. In der Arena in Budapest kommt es zu einem Duell spanischer Trainer. Während das erste Aufeinandertreffen als eines der besten Spiele aller Zeiten in die Fußballgeschichte eingegangen ist, war das Rückspiel zwischen PSG und Bayern von Spannung und Nervosität geprägt.“
„AS“: „PSG ist die Bestia Negra!“
„Marca“: „Luis Enrique macht München erneut zum heiligen Boden für PSG. Dembélés frühes Tor baute den Vorsprung aus dem Hinspiel weiter aus – Harry Kanes Treffer in der Nachspielzeit kam für Bayern zu spät. Die Pariser verteidigen ihren Titel gegen Artetas Arsenal.“
Großbritannien
„The Guardian“: „Es kann nicht immer alles so rosig sein. Paris Saint-Germain trifft im Champions-League-Finale auf Arsenal und hat sich diesen Platz durch eine konzentrierte und souveräne Leistung verdient. Die Bayern wirkten nicht in Bestform. Luis Enriques Team hätte in einem Spiel, das nicht an die Klasse der Vorwoche heranreichte und wohl auch nie heranreichen konnte, gewinnen müssen. Der Triumph basierte jedoch auf der Fähigkeit, die unangenehmen Aufgaben zu bewältigen, die ihnen in Budapest zugutekommen sollten.“
„The Sun“: „Hunger auf mehr. Der Titelverteidiger erreicht nach einem packenden Duell mit Bayern erneut das Finale. Die Champions haben einen unstillbaren Appetit darauf, den Engländern einen Strich durch die Rechnung zu machen. Nach einem wahren Torfestival im Hinspiel gab Paris Saint-Germain im Rückspiel noch einmal richtig Gas. Harry Kane bekommt seine Pause vor der WM.“
„Daily Mail“: „Es war eine Darbietung von Reife, eine Leistung eines europäischen Champions – des Titelträgers der vergangenen Saison und höchstwahrscheinlich auch der aktuellen. Erst zum zweiten Mal in dieser Spielzeit erzielte der FC Bayern München zu Hause nur ein einziges Tor. Dies lag maßgeblich daran, dass die brillanten Gäste unter Luis Enrique keine weiteren Treffer zuließen. Doch von dieser PSG-Mannschaft geschlagen zu werden, ist im Grunde keine Schande. Sie ist schlichtweg überragend.“
Italien
„Tuttosport“: „Encore Paris.“
„La Repubblica“: „Paris erreicht erneut das Finale – diesmal jedoch mit einem gänzlich anderen Ansatz: Sie erzielten lediglich ein einziges Tor (Dembélé) und kassierten nur einen Gegentreffer (Kane) – und das ausgerechnet in der 94. Minute – gegen eine Bayern-Mannschaft, die in dieser Saison bereits 175 Tore erzielt hat. Das ist die Kehrseite einer Medaille, die auf beiden Seiten gleichermaßen glänzt: Das Spektakel der Defensive – wobei man sich sogar auf eine regelrechte Abwehrschlacht einließ, als die Situation dies erforderte. Luis Enrique hat bewiesen, dass die Annahme, ihm sei die Defensivarbeit gleichgültig – oder seine Mannschaft sei dazu schlicht unfähig – schlichtweg falsch ist; tatsächlich waren es gerade seine defensiven Strategien, die letztlich das Halbfinal-Rückspiel entschieden.“
„Gazzetta dello Sport“: „Das Ergebnis geht in Ordnung, auch wenn das Spiel selbst dank Kanes spätem Ausgleichstreffer in der 94. Minute mit 1:1 endete. Der Europa-Champions haben sich den zweiten Finaleinzug in Folge vollauf verdient; dort treffen sie auf Arsenal – und gehen als klarer Favorit in die Partie. (…) Den Bayern ist es nicht gelungen, mit derselben defensiven Stabilität zu verteidigen wie der Gegner. Tatsächlich hatten sie es mehr als einmal Manuel Neuer zu verdanken, dass sie nicht in Rückstand gerieten. Vor allem aber wurde das lodernde Feuer ihres Angriffs wirkungsvoll erstickt.“
Schweiz
„Blick“: „Bayern hadert nach Halbfinal-Aus mit Schiri.“
Österreich
„Kurier“: „Wenn in einem Semifinal-Hinspiel der Champions League einmal neun Tore fallen und die ganze Fußballwelt verzückt ist vor lauter Spektakel, Show und Spannung, dann liegt die Latte für das zweite Duell zwangsläufig hoch. Ja, das zweite Kräftemessen zwischen dem FC Bayern und Paris SG mag dann nicht mehr dieses Torfestival gewesen sein, aber unterhaltsam und mitreißend war das Rückspiel in der Allianz-Arena allemal.“