TKlassiker auf dem Pfingstmarkt: Das lieben die Leute am Volksfest
Abendstimmung auf dem Pfingstmarkt: Bei bestem Wetter wird in Neukloster am Sonnabend die Nacht zum Tag gemacht. Foto: Weselmann
Zuckerwatte, Loseziehen, Autoscooter, Tiki-Taki - wo liegt für die Besucher das besondere Pfingstmarktglück? Ein Streifzug zwischen Klassikern und Neuheiten.
Buxtehude. Bevor es bei Sommersonne ins große Gedränge geht, zieht ihr süßer Duft schon in die Nase: Ohne gebrannte Mandeln geht es nicht. Schausteller Alexander Karow bewahrt die Tradition. Sein Stand hat einen angestammten Platz auf dem Pfingstmarkt in Neukloster, gleich am Anfang der Vergnügungsmeile.
Auf dem Pfingstmarkt kommen alle zusammen
Für den 62-Jährigen ist es die Atmosphäre, die Volksfeste so besonders macht. „Hier kommen so viele Kulturen und Charaktere zusammen. Wenn Kinder egal welcher Nation im Karussell gemeinsam Spaß haben und deren Eltern alle glücklich beieinanderstehen, dann sieht man, wie friedlich die Welt sein kann“, sagt er.

Schausteller Alexander Karow hat mit seinen gebrannten Mandeln einen festen Platz auf dem Pfingstmarkt. Foto: Weselmann
Mit rund 200 Millionen Besuchern jährlich auf fast 10.000 Volksfesten prägen Schausteller das soziale Miteinander und den öffentlichen Raum. Für ihren Stellenwert als gesellschaftlicher Treffpunkt und Ort gelebter Tradition hat die Deutsche Unesco-Kommission die Schaustellerkultur auf Volksfesten zum Immateriellen Kulturerbe erklärt. Sie würdigt damit eine 1200 Jahre alte Geschichte und gut 5.600 aktive Familienbetriebe.
Pfingstmarkt 2026
Das Riesenrad markiert den Ausnahmezustand
Barbara Rosenboom ist in der Waldsiedlung in Neukloster aufgewachsen. „Wenn ich das Riesenrad von meinem Fenster aus sehen konnte, wusste ich, es ist wieder Pfingstmarkt-Zeit. Da war Ausnahmezustand“, erzählt sie. All die Gerüche und Geräusche, die dann ihre Kindheit umwehten, machen für sie bis heute das Fest aus. Jetzt hat sie ihre kleine Tochter dabei, die nach dem Karussellfahren genüsslich an einer Zuckerwatte schleckt.

Barbara Rosenboom haben die Gerüche und Geräusche vom Pfingstmarkt schon als Kind geprägt. Jetzt ist sie mit Tochter Sarah Enisa und Freundin Elke Brandt im Trubel. Foto: Weselmann
Das Buxtehuder Volksfest ist dabei nicht nur für Besucher ein Highlight. „Wenn man Schausteller fragt, wo sie zu Pfingsten hinwollen, sagen sie Neukloster. Wo wird sonst eine Bundesstraße komplett gesperrt“, betont Oliver Stein-Ecker aus Bremen. Er ist mit Entenangeln dabei.
Spaß zwischen Schießbude und Autoscooter
Melanie und Daniela Zirzow haben die Schießbude angesteuert. „Ich fand das schon immer faszinierend“, erzählt die ältere der beiden Schwestern. Mit 35 Jahren testet jetzt auch Daniela erstmals ihre Treffsicherheit mit Gewehr. Sie zog es früher eher zum Pfeilewerfen. In ihrer Jugend haben die beiden Buxtehuderinnen Stunden auf dem Pfingstmarkt verbracht, und bis heute steht eigentlich immer ein Rundgang auf dem Plan - allein um in Schokofrüchten, Schmalzgebäck, Crêpes und Soft Ice zu schwelgen.

Daniela Zirzow probiert sich mit Schwester Melanie an der Schießbude von Familie Stummer. Foto: Weselmann
Familie Stummer ist erst wenige Jahre mit einer Schießbude in Neukloster. Ihren Schaustellerbetrieb gibt es seit 1884, in siebter Generation. Das Sterne- und Rosenschießen erfreut sich weiter großer Beliebtheit. Für Willi Stummer darf aber ebenso wenig der Auto-Scooter fehlen. „Das ist die schönste Sache“, schwelgt er in Erinnerung an das eigene Fahrgeschäft, das die Familie aus Bruchhausen-Vilsen bis 2018 noch betrieben hat.
Der Heimatverein mischt Klassiker und Neuheiten
„Der Auto-Scooter gehört einfach dazu“, kann Martin Ruehs vom Heimatverein Neukloster nur zustimmen. Als Veranstalter müsse man auch junge Leute anziehen. Deshalb braucht es eine gute Mischung aus Klassikern und Neuheiten. „So ein Markt wird gemessen an den großen Geschäften“, erklärt Ruehs. Deshalb legt sich das Pfingstmarkt-Team ins Zeug, jedes Jahr wieder ein spektakuläres Highlights auf den Platz zu bringen. „Hoch und mit viel Licht“ ist da die Devise - so wie diesmal das Tiki-Taki.
Veranstaltungen
T Vom Pfingstmarkt bis zum Bratwurst-Festival: Das ist los am Wochenende
Neben Bratwurst, Pommes und Bier ist kulinarische Vielfalt angesagt. Ob Churros, Lagos oder Flammlachs - alle aktuellen Vorlieben und Trends werden aufgegriffen. So gibt es in der Bergstraße inzwischen etwa einen neuen Anlaufpunkt für Weinliebhaber.
Düsseldorfer Familie kommt extra nach Neukloster
Der Pfingstmarkt hat selbst bei Familie Mühlenhoff aus Düsseldorf Tradition. Sie kommen jedes Jahr extra her. „Bei uns haben wir die größte Kirmes am Rhein. Da waren wir noch nie“, erzählt Mutter Kirsten mit einem Lachen. Stattdessen besuchen sie lieber das Buxtehuder Event bei ihren Freunden. Hier genießen sie dann drei Tage lang das volle Programm - mit Action und Riesenrad.

Ihr gemeinsames Pfingstmarkt-Programm hat Tradition: Kirsten Mühlenhoff (links) mit Emma und Pauline aus Düsseldorf sind unterwegs mit Christina Brandt und Mattis. Foto: Weselmann
Letzteres ist nicht umsonst plakatives Aushängeschild des Pfingstmarktes. Jenseits der weithin sichtbaren Strahlkraft verbindet das Fahrgeschäft die Generationen von Besuchern. Vom kleinen Kind über Jugendliche bis hin zu den Älteren können hier alle zusammen Spaß haben. Bei der Losbude ist es genauso - mit Spannung für die ganze Familie.
Der Dancer sorgt für den Adrenalin-Kick
Erst am Teich in Apensen treffen und in der Gruppe nach Neukloster wandern: Das ist für Michelle Panten Pfingstmarkt. Mit guter Laune, kühlen Getränken und Musik zum Tanzen wollen sie und Freundin Rica Büscher bis spät feiern. Sonnabend wird die Nacht immer lang, bis sich nur noch der Dancer dreht.
Genau dort haben Janine Bohlen und Sonja Friedrichs aus Nottensdorf und Neu Wulmstorf Adrenalin getankt. „Ich habe mich wieder gefühlt wie 18“, erzählt die 34-jährige Janine begeistert. Für Mia Antonczak und Nora Hagelstein sind die Fahrgeschäfte das Highlight. Aber noch wichtiger ist den 20-Jährigen, Leute zu treffen und einfach Spaß zu haben. Und dieser allgemeine Spaßfaktor ist der alles verbindende Klassiker.
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