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TKnackiger Winter im Kreis Stade: Was Reifen-Profis Autofahrern raten

Alexander Bauer mit Winterreifen und Ganzjahresreifen. Das EU-Reifenlabel zeigt, wie sie bei Kraftstoffverbrauch, Nassbremsen und Lautstärke abschneiden.

Alexander Bauer mit Winterreifen und Ganzjahresreifen. Das EU-Reifenlabel zeigt, wie sie bei Kraftstoffverbrauch, Nassbremsen und Lautstärke abschneiden. Foto: Richter

Ja, Schnee und Eis gehören zum Winter. Aber beim Autofahren nervt er. Welche Reifen was bringen und was noch zu beachten wäre, erklären Reifen-Profis aus dem Kreis Stade.

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Von Anping Richter
Freitag, 13.02.2026, 18:30 Uhr

Landkreis. Die Winterreifen-Nachfrage lässt nach. „Ganz klar: In den letzten sieben, acht Jahren werden immer mehr Ganzjahresreifen abgefragt“, sagt Alexander Bauer, der an der Altländer Straße in Stade den Premio-Reifenservice betreibt.

Er ist seit 2004 im Geschäft und hat das lange beobachtet. „In den letzten zehn Jahren hatten wir ja meist auch nur ein paar Tage im Januar und Februar richtiges Winterwetter.“ Die bundesweite Statistik bestätigt das: Laut ADAC ist der Anteil der Ganzjahresreifen unter allen verkauften Pkw-Reifen auf mehr als 15 Prozent gestiegen.

Die vielen Rillen sorgen für den Grip

Selbst im aktuellen, ungewöhnlich knackigen Winter hat Bauer nicht wesentlich mehr Winterreifen verkauft als sonst - vor allem an Leute, die sehr viel fahren. Kunden, die mehr als 15.000 Kilometer pro Jahr fahren, rät Bauer auch zu Winterreifen. „Es geht nicht so sehr um den Unterschied im Profil. Winterreifen haben wegen der vielen feinen Rillen einfach mehr Grip“, erklärt er.

Es ist nicht nur die Profilhöhe: Winterreifen (links) haben auch mehr Rillen.

Es ist nicht nur die Profilhöhe: Winterreifen (links) haben auch mehr Rillen. Foto: Richter

Rechtlich sei beides okay. Ganzjahresreifen müssen es im Winter aber schon sein, und zwar solche mit dem Alpine-Symbol (Berg mit Schneeflocke). Nur Ganzjahres- und Winterreifen mit diesem Symbol sind für den Winterbetrieb zulässig, sonst drohen Strafen.

Richtiger Frostschutz im Scheibenwischwasser

Zur richtigen Vorbereitung für den Winter gehören übrigens auch Kühlerfrostschutz und - ganz wichtig - Scheibenwischwasser-Frostschutz, sagt Bauer. Manche füllen beim Scheibenwischer einfach unbedacht Wasser nach. Reicht der Frostschutzmittelgehalt nicht aus, gefriert das Wasser bei Minustemperaturen zum Block und taut so schnell nicht wieder auf.

„Das System wird nicht beheizt, nur die Spritzdüsen“, erklärt er. Heißes Wasser zum Auftauen einzufüllen, sei keine gute Idee: „Dabei kann der Behälter Risse bekommen und muss dann ausgetauscht werden.“ Wie hoch genau der Frostschutzmittelanteil sein sollte, steht auf der Flasche.

Ganzjahresreifen auch bei Eberstein im Trend

Stefanie Sasse vom Autohaus Eberstein in Buxtehude pendelt täglich von Hammah nach Buxtehude. Trotzdem benutzt sie nur Ganzjahresreifen und ist bisher gut damit klargekommen: „Bei uns im Flachland geht das. Aber wenn jemand in den Harz fährt, würde ich schon Winterreifen empfehlen.“ In vielen europäischen Ländern gibt es bei winterlichen Straßenverhältnissen in bestimmten Gebieten übrigens sogar eine Schneeketten-Pflicht.

Schnee sorgt für hohe Reifenwechsel-Nachfrage

Auch bei Eberstein hat die Winterreifen-Nachfrage in den vergangenen Jahren nachgelassen. Trotzdem gebe es Tage, an denen die Werkstatt von Reifenwechsel-Anfragen überrannt wird: „Kaum fällt die erste Schneeflocke, wollen sie plötzlich alle.“

Ob der nachlassende Golfstrom, der in Europa für härtere Winter sorgen soll, womöglich einen neuen Winterreifen-Boom auslösen könnte? „Vorstellbar wäre es. Aber das wird wohl erst die nächste Saison zeigen“, sagt Stefanie Sasse.

Claus Sietas von Reifen-Helm in Buxtehude.

Claus Sietas von Reifen-Helm in Buxtehude. Foto: privat

„Wir machen in der Saison 600 Reifenwechsel im Monat“, berichtet Claus Sietas von Reifen-Helm in Buxtehude. Den Trend zum Ganzjahresreifen beobachtet auch er, gibt aber zu bedenken, dass Ganzjahresreifen immer ein Kompromiss bleiben: „Viele denken vor allem daran, dass sie im Winter nicht so gut sind. Aber im Sommer hast du mit Ganzjahresreifen bei warmem Wetter und Regen einen deutlich längeren Bremsweg.“

Welche Kosten zu bedenken und vergleichen sind

Beim Modell Sommer- und Winterreifen scheuen viele die höheren Kosten. Sietas rät aber dazu, auch den Verschleiß zu bedenken. Der sei bei Ganzjahresreifen höher. Außerdem gibt es bei Winterreifenmodellen und -herstellern sehr viele Unterschiede - der ADAC hat das zuletzt im Oktober 2025 getestet.

„Wichtig ist, dass jeder für sich entscheidet, was ihm am wichtigsten ist“, sagt Claus Sietas. Bei dem einen sei es die Bodenhaftung, der andere gucke mehr auf die Fahrleistung. Wie bei Kühlschränken ist übrigens auch bei Reifen anhand des EU-Labels mit ABC-Ampel zu erkennen, in welcher Kategorie der Reifen wie abschneidet.

Unabhängig von der Art der Reifen ist eines aber immer wichtig: ein umsichtiges Fahrverhalten, das dem Wetter gerecht wird. „Bei richtig vereister Straße bringt auch der beste Winterreifen nichts“, sagt Alexander Bauer.

Ob Winter- oder Ganzjahresreifen: Das Alpine-Symbol muss auf jeden Fall drauf stehen.

Ob Winter- oder Ganzjahresreifen: Das Alpine-Symbol muss auf jeden Fall drauf stehen. Foto: Robert Günther/dpa-tmn

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