TKnochenfund in Deinste: Wie Stader Ermittler vorgehen
Wenn im Kreis Stade menschliche Überreste oder Knochen gefunden werden, rücken spezialisierte Fachbereiche des Zentralen Kriminaldienstes an (Symbolbild). Foto: Swen Pförtner/dpa
Eine Joggerin entdeckt in einem Waldstück bei Deinste menschliche Knochen. Wie geht es nach einem solchen Fund weiter? Das TAGEBLATT erklärt die Abläufe.
Landkreis. Eine Frau joggt nahe Deinste durch ein abgelegenes Waldstück. Unterwegs macht sie eine schreckliche Entdeckung: menschliche Knochen. Sie alarmiert die Polizei.
Was passiert dann? Das TAGEBLATT hat bei Polizeisprecher Matthias Bekermann nachgefragt.
Matthias Bekermann, Pressesprecher der Polizei Stade. Foto: Polizei
1. Polizei rückt zum Fundort aus und nimmt erste Einschätzung vor
Wenn ein Knochenfund bei der Polizei gemeldet wird, entsendet die zuständige Wache einen Streifenwagen zum Fundort – in diesem Fall rückten Beamte der Fredenbecker Polizeistation nach Deinste aus.
„Die Beamten verschaffen sich vor Ort einen ersten Überblick und treffen eine Lageeinschätzung“, erklärt Bekermann. Jeder Fundort von Knochen oder Leichen werde grundsätzlich als potenzieller Tatort behandelt. Um den Urzustand und sämtliche Spuren zu erhalten, sperren die Beamten das Areal ab.
2. Spezialisten werden hinzugezogen
Wenn die Beamten sicher sind, dass es sich um menschliche Überreste handelt, fordern sie spezialisierte Fachbereiche des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD) aus Stade an.
„In der Regel übernehmen dann Ermittler des 1. Fachkommissariats, die unter anderem für Todesermittlungen und Kapitaldelikte zuständig sind, gemeinsam mit der Kriminaltechnik des Fachkommissariats Forensik die Arbeit am Fundort.“
Lässt sich nicht sicher sagen, ob es sich um menschliche Überreste handelt, müssen Spezialisten ran: Entweder wird ein Foto des Funds in die Rechtsmedizin geschickt oder der Fund selbst.
3. Kriminaltechniker sichern Spuren – Arzt stellt Tod fest
Im nächsten Schritt dokumentieren Kriminaltechniker den Fundort. Zunächst fotografieren sie diesen detailliert; anschließend suchen sie das Gelände akribisch ab und stellen relevante Gegenstände, die sie finden, sicher.
Die Asservate werden in spezielle Tüten verpackt. Dabei kommen je nach Asservat unterschiedliche Tüten zum Einsatz. Jetzt sind die Asservate registriert und stehen für weitere Untersuchungen zur Verfügung.
Bekermann: „Zur förmlichen Feststellung des Todes wird zudem immer eine Ärztin oder ein Arzt hinzugezogen.“ Das gilt auch für Knochenfunde wie in diesem Fall. Der Arzt muss den Totenschein ausstellen.
4. Untersuchung in der Rechtsmedizin und Kriminaltechnik
Die Beamten vor Ort entscheiden in enger Abstimmung mit der Rechtsmedizin, ob eine Untersuchung direkt am Fundort notwendig ist. Wenn die polizeilichen Maßnahmen vor Ort abgeschlossen sind, überführt ein Bestattungsunternehmen die sichergestellten sterblichen Überreste.
Zudem können spezialisierte Diensthunde – sogenannte Leichenspürhunde – zum Einsatz kommen, um das Gelände weiter abzusuchen. „Diese sind darauf trainiert, menschliche Überreste, Blut oder Zähne auch unter schwierigen Bedingungen oder in vergrabenem Zustand anzuzeigen“, so der Polizeisprecher.
Die gesicherten Asservate und Knochenfunde werden schließlich in der Kriminaltechnik beziehungsweise in der Rechtsmedizin eingehender untersucht, um Identität, Liegezeit und Todesursache zu klären. Die Maßnahmen werden mit der zuständigen Staatsanwaltschaft – im vorliegenden Fall die Staatsanwaltschaft Stade – abgestimmt.
Deinster Knochen wurden rechtsmedizinisch untersucht
Auf deren Antrag hat eine Richterin des Amtsgerichts Stade in der vergangenen Woche die rechtsmedizinische Untersuchung der Knochen angeordnet. Diese ist inzwischen im Institut für Rechtsmedizin in Hamburg erfolgt.
Die vollständigen Ergebnisse liegen laut Bekermann jedoch noch nicht vor.
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