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TKokainschmuggel: Jetzt mischen sie das Zeug mit Paprika

Am Landgericht Bremen beginnt der nächste Prozess gegen Kokain-Schmuggler. Es geht um den Versuch, 60 Kilo aus dem Hafen zu bergen.

Am Landgericht Bremen beginnt der nächste Prozess gegen Kokain-Schmuggler. Es geht um den Versuch, 60 Kilo aus dem Hafen zu bergen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Die Dealer werden immer erfindungsreicher, wenn es darum geht, die Drogen im Schiffscontainer gut zu verstecken. Das zeigt jetzt ein Fall aus Bremerhaven.

Von Klaus Mündelein Dienstag, 05.05.2026, 05:55 Uhr

Bremerhaven. In den vergangenen Monaten war es am Landgericht Bremen etwas ruhig geworden um das Thema Kokainschmuggel. Ende April vergangenen Jahres war der jüngste große Prozess gegen neun Angeklagte aus Bremerhaven und dem Umland mit zum Teil hohen Haftstrafen beendet worden. Die Täter hatten im April 2023 den Versuch unternommen, eine halbe Tonne Kokain vom North Sea Terminal Bremerhaven (NTB) im Nordbereich der Stromkaje zu bergen. Der Versuch misslang. Die Ermittler hatten die Drogen längst unter einer Ladung Schrott gefunden und die Täter umfassend überwacht, bis die Falle zuschnappte.

Bei etlichen Drogenfunden gibt es keine Tatverdächtigen

Dass am Landgericht kaum noch Prozesse gegen Drogenschmuggler zustande kommen, bedeutet allerdings nicht, dass das Kokain im Hafen keine Rolle mehr spielt. Im Gegenteil. Die Dunkelziffer ist hoch, viele Aktionen werden nicht entdeckt. Und dann gibt es noch etliche Drogenfunde im Hafen, wo die Ermittler aber keine Tatverdächtigen ausfindig machen können. Derzeit wird sogar befürchtet, dass die Schmuggler von den immer besser gesicherten Westhäfen nach Bremerhaven ausweichen. Im aktuellen Fall fand man allerdings beides: Drogen und Tatverdächtige.

Am 11. Mai wird der Prozess gegen sechs Angeklagte eröffnet. Laut Staatsanwaltschaft befinden sich dieses Mal aber keine Hafenarbeiter auf der Anklagebank. Es geht um sechs Männer im Alter zwischen 32 und 39 Jahren, die bis zu ihrer Verhaftung in der Stadt Bremen gemeldet waren. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, den Versuch unternommen zu haben, 60 Kilo Kokain aus dem Hafen zu bergen.

Masse der Drogen wurden bereits in Peru entdeckt

Die Drogen stammten aus Peru. Sie waren mit Paprikapulver vermischt worden. Der größte Teil der Drogen war bereits in Peru gefunden worden. In Bremerhaven entdeckten die Fahnder dann noch 500 Gramm in einem Container.

Zusätzlich zum Kokain-Thema wird drei der sechs Angeklagten auch noch laut Landgericht vorgeworfen, mit 242 Kilo Cannabis gehandelt zu haben.

Noch ist unklar, wie lange sich dieser Prozess hinziehen wird. Das Verfahren gegen neun Angeklagte, das vor gut einem Jahr beendet wurde, hatte sich über gut anderthalb Jahre hingezogen. Mit der Mischung aus Kokain und Paprika ist eine neue Tarn-Variante offenbar geworden. Unter Schrott, Baustoffen oder unter Bananen versteckt oder im Kühlungsaggregat eines Containers gepresst – es gibt unglaublich viele Möglichkeiten: Hohlräume im Schiff, Baumaschinen und sogar Rettungsringe werden als Versteck genutzt.

Kronzeugen-Prozess gegen fünf Hafenarbeiter

Neben dem Mammutprozess mit neuen Angeklagten war zuletzt Ende Februar 2024 der Prozess gegen fünf Männer aus Bremerhaven und dem Umland, die im Hafen beschäftigt waren, mit den Urteilen beendet worden. Basis der Anklage war ein Kronzeuge aus dem Täterkreis. Die Taten lagen schon lange Zeit zurück. Es ging um einen Tatvorwurf aus dem Jahr 2018 und zwei weitere Schmuggelaktionen aus dem Jahr 2019.

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