TLNG-Terminal: HEH baut in Stade die größten Flüssiggas-Tanks Europas
Die beiden runden Plattformen, auf denen die Gastanks entstehen, haben einen Durchmesser von 90 Metern. Foto: Martin Elsen
Stades Industriehafen bekommt neue Landmarken: Zwei LNG-Tanks, 70 Meter hoch und 90 Meter breit. Ein Baustellenbesuch.
Landkreis. Noch reiben sich Schafe an der Leitung, die über den Deich in Bützfleth ins deutsche Gasnetz führt. Später, wenn das landbasierte LNG-Terminal in Betrieb geht, soll sie unterirdisch verlaufen, erklärt Jan Themlitz, der kaufmännische Leiter des HEH (Hanseatic Energy Hub GmbH).
Jan Themlitz ist der kaufmännische Leiter der Hanseatic Energy Hub (HEH). Foto: Richter
Diese Projektgesellschaft ist ein Konsortium, zu dem die Partners Group (eine Schweizer Private Equity Holding), die Buss-Gruppe, der spanische Energiekonzern Enagás und die US-amerikanische Dow gehören. Sie wollen 1,5 Milliarden Euro in das Stader Terminal investieren und es 2029 in Betrieb nehmen.
Baustellengelände: eine kleine Seenplatte
Eine kleine CDU-Delegation im Wahlkampf möchte sich an diesem verregneten Tag vor Ort informieren lassen. Mit Arne Kramer, der Stader Bürgermeister werden will, und Kai Seefried, der auf seine Wiederwahl als Landrat hofft, sitzen auch der EU-Abgeordnete David McAllister und die Landtagsabgeordnete Melanie Reinecke sowie Vertreter der regionalen Presse im Bus.

Jan Themlitz mit CDU-Wahlkämpfern: Landrat Kai Seefried, Bürgermeisterkandidat Arne Kramer, EU-Abgeordneter David McAllister, Landtagsabgeordnete Melanie Reinecke und Ratskandidatin Elif Aydin (v.l.). Foto: Richter
Auf der Baustelle hat der Regen eine kleine Seenplatte gebildet. Der Busfahrer fährt durch, das Wasser reicht bis zur halben Reifenhöhe. Auf dem Gelände, das gewisse Drainageprobleme hat, entstehen gerade die beiden größten LNG-Tanks Europas. Jeder von ihnen wird 240.000 Kubikmeter fassen. „Nur in China gibt es vier Tanks, die größer sind“, sagt Jan Themlitz.
Warum die Tanks auf Stelzen stehen
Die Tanks sollen 70 Meter hoch werden und einen Durchmesser von 90 Metern haben - ein Standard-Fußballfeld ist 100 Meter lang. Auf Luftbildern sind zwei riesige, runde Betonplatten zu erkennen. Aus der Nähe offenbart sich, dass sie nicht einfach auf der Erde liegen, sondern auf vielen Säulen mit einigen Metern Abstand zum Boden stehen.
Die Säulen sorgen dafür, dass Luft zwischen Tanks und Erdboden bleibt. Das verflüssigte Gas hat eine Temperatur von minus 162 Grad. Der Erdboden soll nicht gefrieren. Beim Wiederauftauen könnte er weggespült werden, dadurch könnte die Stabilität leiden.
Mit Restwärme aus gebrauchtem Kühlwasser der benachbarten Chemiefabrik der Dow soll das flüssige Gas erwärmt werden. „Wir führen das Wasser kälter in die Elbe zurück“, erklärt Themlitz. Dadurch wird das Flüssiggas regasifiziert: Aus einem Liter LNG werden 600 Liter Gas in der Leitung.
Bis zu 1200 Leute arbeiten auf der Baustelle
In Hochzeiten sollen bis zu 1200 Menschen an der Fertigstellung des Terminals arbeiten, danach sollen 100 feste Arbeitsplätze bleiben. Eine solche Baustelle hat es in Deutschland noch nicht gegeben, sagt Themlitz: „Deshalb brauchen wir Firmen, die so etwas schon gebaut haben.“ Aktuell sind zwischen 100 und 150 Beschäftigte auf der Baustelle, davon etwa 60 Ingenieure. Die meisten kommen aus Spanien, das die größte Flüssiggas-Infrastruktur in Europa besitzt.
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Die EU-Norm zum Bau solcher Anlagen wurde in Deutschland noch nie angewandt. Man wolle sicher gehen, nichts falsch zu machen, erklärt Themlitz. Bei spanischen Ingenieuren, die noch keine Erfahrung mit deutschen Behörden haben, sorge das manchmal für Frust.
Durch das Terminal in Stade sollen Händler besseren Zugang zum deutschen Markt bekommen und auch anderen Ländern, die auf russisches Gas angewiesen waren, Versorgungssicherheit bieten, sagt der HEH-Manager. Arne Kramer sagt: „Haben ist besser als brauchen.“ Kai Seefried ergänzt: „Ich würde das als Versicherung bezeichnen.“
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Tschechien, ein Land ohne Küste, das nun auf russisches Gas verzichtet, hat sich ein Stader Kontingent gesichert: Zwei Milliarden Kubikmeter jährlich will der größtenteils staatliche Energiekonzern ČEZ langfristig abnehmen.
Die deutschen Energieversorger EnBW und SEFE haben sich Importrechte in Höhe von sechs beziehungsweise vier Milliarden Kubikmetern pro Jahr gesichert. Insgesamt soll das Terminal eine Kapazität von 13,3 Milliarden Kubikmetern Erdgas pro Jahr haben.
„Bisher haben wir keinen guten Energiebinnenmarkt“, sagt der EU-Abgeordnete David McAlister (CDU). Die EU müsse den grenzüberschreitenden Netzausbau vorantreiben. LNG sei ein Baustein der europäischen Energiepolitik, um zur Diversifizierung der Energieversorgung beizutragen.
Laut Bundesnetzagentur wurden 2025 106 TWh (Terawattstunden) Erdgas über deutsche LNG-Terminals importiert. Dies entspricht 10,3 Prozent der deutschen Gasimporte. Etwa 96 Prozent dieses importierten LNG kamen aus den USA, wo der Großteil durch Fracking gewonnen wird.
Genehmigung für LNG nur bis 2043
Die Genehmigung für das LNG-Terminal in Stade gilt nur bis Ende 2043. Danach ist HEH gesetzlich verpflichtet, den Ausstieg aus fossilem LNG vollzogen zu haben. Klimaneutraler Wasserstoff und seine Derivate sollen an dessen Stelle treten, vor allem Ammoniak ist im Gespräch. Wie soll der Wechsel vollzogen werden?
Die Anlage sei für diese Energieträger nutzbar, allerdings nicht ohne weiteres. Zudem spiele auch der Markt eine Rolle dabei, wie die Transformation vonstatten gehe. „Ich verbringe 60 Prozent meiner Zeit damit, Wasserstoffprojekte und nichtfossile Gasprojekte für diesen Standort zu gewinnen“, sagt Themlitz.
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