TRaisa in Harsefeld: Warum Kartoffel nicht gleich Kartoffel ist
Die Pflanzkartoffeln der RAISA eG werden nach ganz Europa exportiert. Foto: P. Meyer
In Harsefeld lagert die RAISA rund 5000 Tonnen Kartoffeln. Welche später einmal im Topf landet und welche zu Chips wird, entscheidet sich schon bei der Wahl der Sorte.
Harsefeld. Rot oder gelb, rund oder länglich, für den Kochtopf oder die Pommesproduktion: Kartoffel ist nicht gleich Kartoffel. Welche Eigenschaften eine Knolle mitbringen muss, hängt davon ab, was später einmal aus ihr werden soll. Niklas Kück und Nina Volmer von der RAISA eG wissen, worauf es bei den verschiedenen Sorten ankommt. Während die Kartoffelernte in den letzten Zügen steckt, bereiten sie und ihr Team bereits die Pflanzkartoffeln für die kommende Saison vor.
McDonald’s kommt es auf die Länge an
„Die Laura ist meine Lieblingskartoffel“, sagt Nina Volmer, Betriebsbetreuerin der Vermehrungsbetriebe. Laura fällt schon äußerlich auf: Ihre Schale ist rot, das Fruchtfleisch tiefgelb. Die Speisekartoffel ist vorwiegend festkochend und zeichnet sich durch ihren aromatischen Geschmack aus.

Kartoffelexperten bei der RAISA: Nina Volmer, Betriebsbetreuerin der Vermehrungsbetriebe, und Niklas Kück, Abteilungsleiter für den Bereich Plants/Food/Seeds. Foto: P. Meyer
Auch Niklas Kück, Abteilungsleiter für den Bereich Plants/Food/Seeds, hat einen Favoriten: die Bernina. Gemeinsam führen die beiden durch das Harsefelder Lager und erklären, warum Aussehen, Größe und Stärkegehalt bei Kartoffeln eine große Rolle spielen.
Miese Kartoffelernte lässt Preise steigen
T Wetterextreme – und die Folgen für Landwirte im Kreis Stade
Analyse: Kartoffelernte bricht durch Hitze und Dürre ein
Mit ihrer gelben Schale und gelbem Fruchtfleisch glänzt die Bernina. Die Speisekartoffel ist festkochend und eignet sich gut für Kartoffelsalate oder Gratin. Bei Kartoffeln für den Direktverzehr kommt es in erster Linie auf den Geschmack an - doch auch Optik spielt eine Rolle dabei, ob Kunden zugreifen.

Die Pflanzkartoffeln aus der Region werden nach ganz Europa exportiert. Foto: P. Meyer
Bei Knollen für die Verarbeitung gelten andere Maßstäbe. Eine der meistgelagerten Sorten im Harsefelder Lager ist die Agria. Sie ist als Speisekartoffel eingestuft, kann aber auch für die Verarbeitung verwendet werden - etwa für die Herstellung von Pommes. „Daher ist sie in den Niederlanden sehr beliebt“, erklärt Niklas Kück. Für die Pommesproduktion kommt es auch auf die Form an: Die Kartoffeln müssen möglichst groß und länglich sein. Welche Anforderungen genau gelten, hängt vom jeweiligen Abnehmer ab. McDonald‘s beispielsweise setzt auf lange Knollen.
Klimawandel und Schädlinge: Resistente Kartoffeln gesucht
Ganz andere Eigenschaften sind bei Stärkekartoffeln wie der Euroviva gefragt. Die späte Sorte bildet runde Knollen mit gelber Schale und hellem Fruchtfleisch. Entscheidend sind ihr hoher Stärkegehalt und der Ertrag. „Da bekommt man viel Tonne vom Hektar“, sagt Niklas Kück. Aussehen und Haptik spielen eine geringe Rolle.
Aus dem Lager zurück auf den Acker
„Wir unterscheiden unsere Pflanzkartoffeln in vier verschiedenen Kategorien“, erklärt Nina Volmer: in Bio-Sorten, Speisekartoffeln, Verarbeitungssorten und Stärkekartoffeln. Das Sortiment der RAISA eG umfasst insgesamt rund 50 Pflanzkartoffelsorten, die ausschließlich aus dem Sortiment der Europlant-Gruppe stammen und in Zusammenarbeit mit dieser vermarktet werden. Insgesamt vermehrt die RAISA ihre Pflanzkartoffeln auf 841 Hektar Land.

Niklas Kück vor der modernen Sortieranlage, die mit Kameratechnik arbeitet. Foto: P. Meyer
Nach der Ernte werden die Knollen langsam von etwa 12 bis 18 Grad auf rund 4 Grad heruntergekühlt. So soll verhindert werden, dass sie keimen, denn bis spätestens Mai bleiben sie im Lager, bevor sie wieder ausgepflanzt werden. Gewaschen werden dürfen Pflanzkartoffeln nicht.
T Hochbetrieb und Beschwerden beim neuen Kompostierplatz in Harsefeld
Anschließend sortiert eine moderne Anlage die Knollen mit Hilfe von Kameratechnik nach Größe und Qualität: in kleine Drillinge, Normalsaat und Übergrößen. Für die Vermehrung ist vor allem die Normalsaat interessant. Insgesamt kümmert sich die RAISA um etwa 20.000 bis 25.000 Tonnen Pflanzkartoffeln. Neben Harsefeld, wo rund 5000 Tonnen lagern, gibt es noch ein Lager in Fredenbeck mit knapp 6800 Tonnen sowie weitere Lager bei den 42 Vermehrungsbetrieben.

Die moderne Sortieranlage arbeitet mit Kameratechnik: Jede einzelne Kartoffel wird hier nach Qualität und Größe geprüft. Foto: P. Meyer
Rund 60 Prozent der Pflanzkartoffeln bleiben in Deutschland. „Der Rest geht nach ganz Europa“, erklärt Niklas Kück. Auch Israel gehört zu den Abnehmern. Dort beginnt die Pflanzsaison noch vor Weihnachten. Die Knollen von der Geest bilden dort damit die Grundlage für die nächste Kartoffelernte.
Hitze setzt den Knollen zu
Während im Lager bereits die nächste Pflanzsaison vorbereitet wird, fällt die Bilanz der diesjährigen Ernte in der Region verhaltener aus. Nach Einschätzung von Niklas Kück liegt die Kartoffelernte hier etwa 10 bis 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Vor allem die Hitze habe den Pflanzen zugesetzt.

Im Kartoffellager Harsefeld lagern 5000 Tonnen Kartoffeln. Foto: P. Meyer
Auch bundesweit fällt die Ernte 2026 schwächer aus. Nach vorläufigen Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) werden rund 10,4 Millionen Tonnen Kartoffeln erwartet. Das ist knapp ein Viertel weniger als im sehr ertragreichen Vorjahr. Gründe sind laut BMLEH unter anderem ein verspäteter Saisonstart sowie Hitze- und Dürreperioden im Sommer.

Im Lagerraum ist es kühl und grün: Das hilft, damit die Kartoffeln nicht austreiben. Foto: P. Meyer
Für die Zukunft dürfte deshalb auch die Züchtung widerstandsfähigerer Sorten an Bedeutung gewinnen. „In diesem Bereich wird bei der Europlant-Gruppe und den verschiedenen Züchterhäusern schon viel geforscht“, sagt Niklas Kück. Dabei bleibt die Herausforderung, unterschiedliche Anforderungen miteinander zu verbinden: Kartoffeln müssen mit den Bedingungen auf dem Feld zurechtkommen und zugleich den Erwartungen der Abnehmer entsprechen. Das sei besonders für Speisekartoffeln knifflig, weiß Niklas Kück: „Am Ende muss sie schmecken.“
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.